Wert oder Wunde? Bücher über komplexe PTBS und die Frage nach dem Selbst

Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung, kurz kPTBS, ist eine Diagnose, die zwar inzwischen offiziell existiert, aber noch immer nicht überall gestellt wird. Gleichzeitig fällt es vielen Betroffenen schwer, die eigene Situation ernst zu nehmen. Vieles wirkt diffus, nicht eindeutig, oft auch nicht „schlimm genug“, um es einordnen zu können.

Bücher über kPTBS helfen hier nach. Sie lassen Zusammenhänge besser verstehen und geben dem, was lange schwer greifbar war, Worte. Und auch wenn Lesen allein kein Trauma heilt, liegt darin bereits eine heilsame Kraft.

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Bücher die bei Trauma und kPTBS helfen

Dein Weg mit kPTBS: Geduld, Hilfe und Selbstannahme

Vermutlich hast du dich mit dem Thema bereits beschäftigt, Symptome gegoogelt, abgewogen, was auf dich zutrifft und was nicht. Vielleicht hast du sogar schon eine Diagnose erhalten.

Die komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (kPTBS) entsteht meist durch langanhaltende, wiederholte Belastungen, häufig in der Kindheit oder in Beziehungen. Sie kann sich unter anderem in innerer Anspannung, Unsicherheit, Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen und nicht zuletzt einem instabilen Selbstbild zeigen.

Trauma vs. Identität. Was ist Wert und was ist Wunde?

Im Zusammenhang mit kPTBS verschwimmen die Grenzen zwischen dem, was wir sind, und dem, was wir erlebt haben, oft stärker, als uns bewusst ist.

Viele Reaktionen entstehen nicht aus einem freien Gefühl heraus, sondern aus Anpassung: Strategien, die einmal sinnvoll waren, um mit bestimmten Situationen umzugehen. Rückzug, Kontrolle, ständige Wachsamkeit oder das Bedürfnis, es allen recht zu machen, können so zu festen Bestandteilen des eigenen Selbstbildes werden. Oder vielleicht bist du bereits Expert*in in Sachen Abwehrmechanismen? Auch das wäre kaum verwunderlich. Vieles liegt tief in deinem System, oft gar nicht mehr so offensichtlich und Scham oder Schuld spielen eine größere Rolle, als wir zunächst merken.

Mit der Zeit wirken diese Muster und Strategien wie Persönlichkeit. Wie etwas, das „einfach so ist“ und vermeintlich Halt gibt. Dabei haben sie oft eine Geschichte und manchmal reichen diese Erfahrungen nicht nur in unser eigenes Leben, sondern auch über Generationen hinweg.

Gerade deshalb ist es nicht immer leicht zu unterscheiden: Was gehört wirklich zu mir und was ist Ausdruck von Erfahrungen, die noch in mir nachwirken? Was ist Teil meiner Identität (meiner Werte) und was ist aus Trauma entstanden und vielleicht noch immer eine Wunde?

Wichtig dabei: Bücher können beim Verstehen und Einordnen helfen, ersetzen aber keine Therapie. Die Lektüre kann viel in Bewegung bringen und du solltest in jedem Falle achtsam und ehrlich mit dir sein. Wie viel Information tut dir gerade gut? Wo umgehst du vielleicht andere wichtige Schritte? Wenn du merkst, dass dich diese Themen stark betreffen, ist professionelle Unterstützung der wichtigste Schritt. 

Bücher über komplexe PTBS und Trauma: Orientierung und Verständnis finden

Die folgende Sammlung ist keineswegs erschöpfend. Ich habe versucht, verschiedene Perspektiven einzubringen und zu zeigen: Es gibt zahlreiche Ansätze, Methoden, Perspektiven. Jeder Heilungsprozess ist individuell und ich hoffe, dass du immer wieder Möglichkeiten entdeckst, dir selbst zu helfen und helfen zu lassen.

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Posttraumatische Belastungsstörung. Ein praktischer Ratgeber zur Überwindung von Kindheitstraumata von Pete Walker

Pete Walker Posttraumatische Belastungsstörung kPTBS

Das Buch gilt zurecht für viele als eines der zentralen Werke zum Thema komplexe PTBS. Pete Walker beschreibt die Dynamiken von Trauma nah an der Erfahrung vieler Betroffener, ohne dabei zu stark zu vereinfachen. Besonders hilfreich sind seine Ausführungen zu emotionalen Flashbacks. Dabei geht es nicht immer um konkrete Erinnerungen, sondern oft um intensive Gefühlszustände, die sich wie dichter Nebel über das aktuelle Erleben legen, obwohl ihr Ursprung in einer oft verdrängten Vergangenheit liegt. Allein dieses Verständnis kann bereits entlastend sein. Walker gibt viele Hinweise, wie sich solche Zustände besser einordnen und nach und nach regulieren lassen. Gerade wenn es schwerfällt, die eigenen Reaktionen zu verstehen, kann das eine sehr hilfreiche Orientierung sein. ZUM BUCH

Weitere Bücher über kPTBS und Trauma:

Judith Herman Die Narben der Gewalt
Arielle Schwartz Arbeitsbuch Komplexe PTBS
Steve Haines Trauma ist ziemlich strange
Sack Sachse Schellong Komplexe Traumafolgestörungen
Bessel van der Kolk Das Trauma in dir The Body keeps the Score
Reddemann Wöller Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung kPTBS

Beziehungen und Trauma: Heilung entsteht in Verbindung

Viele Verletzungen entstehen im Kontakt mit anderen Menschen und zeigen sich später oft genau dort wieder. Nicht ohne Grund liest und hört man häufig: „Trauma entsteht in Beziehung und heilt in Beziehung.“

In der therapeutischen Arbeit ist deshalb nicht nur die Methode entscheidend, sondern vor allem die Beziehung zur behandelnden Person. Gleichzeitig rückt auch die Beziehung zu dir selbst in den Fokus: ein verständnisvollerer Umgang und mehr Selbstmitgefühl. Gruppentherapie und Selbsthilfegruppen greifen diesen Aspekt übrigens in besonderer Weise auf.

Trauma und Beziehungen von Verena König

Verena König Trauma und Beziehungen

„Trauma und Beziehungen“ von Verena König geht sehr in die Tiefe. Auf eine Weise, die ehrlich, klar und manchmal unbequem ist. Das Buch lädt nicht dazu ein, sich zurückzulehnen, sondern zeigt deutlich, dass Veränderungen bei mir selbst beginnen. Gleichzeitig bleibt König praxisnah und wissenschaftlich fundiert. Sie erklärt, wie traumatische Erfahrungen unsere Beziehungen prägen und welche Schritte möglich sind, um Muster zu erkennen, zu verstehen und Stück für Stück zu verändern. Wir müssen nicht dauerhaft mit dem Gefühl leben, falsch zu sein. Für mich ist dieses Buch eine absolute Empfehlung. ZUM BUCH

 

Weitere Bücher die bei Bindungstrauma helfen:

Anouk Algermissen Getriggert
Katharina Klees Arbeitsbuch für Paare zur traumasensiblen Paartherapie
Buchcover ‚Attached‘ von Levine & Heller – Bindungsklassiker über Bindungsstile, Beziehungsmuster und Schmetterlinge im Bauch
Monika Röder Der kleine Seelenretter

Bücher über das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM)

Auf NARM bin ich erst kürzlich aufmerksam geworden und konnte schon in einige Werke hineinschauen. Das Neuroaffektive Beziehungsmodell, kurz NARM, wurde von Laurence Heller entwickelt und ist ein körperorientierter Ansatz, der gezielt bei Entwicklungs- und Bindungstraumata unterstützt.

Laurence Heller Aline Lapierre Entwicklungstrauma heilen
Laurence Heller Brad J. Kammer Praxisbuch Entwicklungstrauma heilen
Laurence Heller Angelika Doerne Befreiung von Scham und Schuld

Bücher über Traumatherapie aus dem Junfermann-Verlag

Der Junfermann-Verlag bietet eine große (weitaus größer als hier gelistete) Auswahl an Büchern zu Trauma, Selbstfürsorge und Resilienz. Oft handelt es sich dabei um Fachbücher, die jedoch praxisnah und verständlich geschrieben sind und sich gut eignen, um eigene  Wege zur Regulation zu entdecken.

Rost Overkamp Selbsthilfe bei posttraumatischen Symptomen
Fabienne Berge Übungsbuch Resilienz
Janina Fisher Die Arbeit mit Selbstanteilen in der Traumatherapie
Michaela Huber Der geborgene Ort

Körperorientierte Ansätze: Atem, Bewegung und Vagus-Nerv-Arbeit

Es gibt zahlreiche hilfreiche körperbasierte Methoden, zum Beispiel Somatic Experiencing, Atemarbeit, Yoga, Tanztherapie, Meditation oder Progressive Muskelrelaxation (PMR). Sie setzen direkt an der Regulation deines Nervensystems an. Dabei geht es nicht einfach um Entspannung, sondern um Selbstregulation.

Und damit ist nicht gemeint, sich zusammenzureißen und wieder „funktionieren“ zu müssen: Im Gegenteil, genau dieses Sich-zusammenreißen und die Leistungsorientierung können Symptome sein und die Anspannung in deinem System sogar verstärken. Körperarbeit kann so ein wertvoller Baustein sein, um alte Spannungsmuster wahrzunehmen, zu regulieren und Stück für Stück mehr Ruhe, Sicherheit und Stabilität zu erfahren.

Resilienz. Dein Körper zeigt dir den Weg von Dr. Isa Grüber

Dr. Isa Grüber Resilienz Dein Körper zeigt dir den Weg Somatic Experiencing

In diesem Buch geht es um Selbsthilfe mit Somatic Experiencing (SE), einem körperorientierten Ansatz nach Peter Levine. Besonders gut gefällt mir, wie Grüber Resilienz beschreibt: Es bedeutet nicht, dass mich nichts aus der Bahn wirft, sondern dass ich gelernt habe, wieder gut zurückzukommen. Ich lerne, handlungsfähiger zu werden: gerade dann, wenn nicht alles nach Plan läuft. Der Körper wird so zu einer echten Kraftquelle, die mich unterstützt, Spannungen zu regulieren und Schritt für Schritt stabiler zu werden. ZUM BUCH

 

Weitere Bücher zur körperbasierten Traumaheilung:

Kathleen Kunze Sicher fühlen Dein Körper ist der Schlüssel
Peter A. Levine Sprache ohne Worte
Buchcover ‚My Grandmother’s Hands‘ von Resmaa Menakem – racialized trauma, Körpererfahrung und Bindung in sozialem Kontext
Dagmar Härle Körperorientierte Traumatherapie

Komplexe PTBS: Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte können sehr berührend und aufschlussreich sein. Sie zeigen, wie andere Menschen mit Traumata umgehen und welche Wege der Heilung möglich sind. Gleichzeitig sind sie emotional belastend: Geh hier bitte besonders sensibel mit dir um und achte darauf, dich nicht zu überfordern oder retraumatisieren zu lassen.

Stephanie Foo What My Bones Know
Ingrid Clayton Believing Me kPTBS
Homesteading Pete Walker kPTBS
Szalavitz Perry Der Junge der wie ein Hund gehalten wurde kPTBS

Trauma in der Literatur: Romane zum Verstehen und Einfühlen

Literatur erzählt Geschichten, die Einblicke in Erfahrungen, Muster und Beziehungen geben. Beim Lesen kannst du dich in Figuren hineinversetzen, Gefühle nachvollziehen und eigene Erfahrungen besser einordnen. Ohne dass sofort Handlungsdruck entsteht.

Irvin Yalom Die Schopenhauer Kur kPTBS
Toni Morrison Beloved
Claudia Schumacher Liebe ist gewaltig kPTBS
Anne Rabe Die Möglichkeit von Glück

Bücher über kPTBS

Schritt für Schritt zum Selbstmitgefühl

Traumaheilung ist ein Prozess, der individuell verläuft und Zeit braucht. Die typischen Phasen sind Stabilisierung, manchmal Konfrontation, Integration und schließlich Neuorientierung. Bücher können dabei helfen, aber noch einmal: Du musst diesen Weg nicht alleine gehen.

Wenn du dir Unterstützung wünschst, kannst du dich hier über Traumakliniken informieren: Traumakliniken. Auch bei der Suche nach einer Psychotherapeut*in und/oder Ergotherapeut*in kann es sinnvoll sein, gezielt nach einer Traumaspezialisierung zu schauen. Die Suche braucht Zeit, lass dich davon nicht entmutigen. Vielleicht kann dich dein*e Hausärzt*in oder eine lokale Beratungsstelle unterstützen. Mein Tipp: Du musst nicht sofort die richtige Person finden, oft ist es schon ein erster Schritt, überhaupt ins Gespräch zu kommen.

Du darfst dich und deine Bedürfnisse ernst nehmen, dir Geduld gönnen und dich von der Vorstellung verabschieden, dass alles schnell geht. Ja, sorry … I know …
Deine Erfahrungen sind relevant, deine Gefühle berechtigt und du verdienst es, Schritt für Schritt Sicherheit, Stabilität und Selbstmitgefühl zu entwickeln.

Bücher, die dir helfen dein Leben zu verändern?

Hier geht's zum Motivations-Paket!

Du musst deine Eltern nicht retten!

Gerade wenn es um die eigenen Eltern geht, scheuen viele von uns die Auseinandersetzung. Wir sind aber alle Töchter und Söhne und die familiären Beziehungen haben ihre Spuren in unserem Leben hinterlassen.

Bücher über Klassismus: Literatur gegen Ausgrenzung und Ungerechtigkeit

Klassismus wird immer noch viel zu wenig thematisiert. Dabei begegnet er uns überall: in Schule, Studium, Arbeit, Freundeskreis und Familie. Er macht krank und sorgt für Angst, Unsicherheit, Scham. Vor allem beeinflusst er, wie wir uns selbst sehen...

Leben lernen: Bring Farbe ins Spiel!

Schaust du auch manchmal in den Spiegel und fragst dich, ob dieses Leben noch dein eigenes ist? Kommst du da überhaupt hinterher, bei all den Emails, Terminen und Verpflichtungen? Farbe macht unser Leben nicht nur bunter, sondern auch lebenswerter. Probier es aus!

So wertvoll ist dein Leben

Worte finden für das was manchmal unaussprechlich scheint. Oft sind es Worte, die unsere Gedanken formen. Wie möchtest du deine Gedanken gestalten?

Wir können doch über alles reden!

Wie reagierst du, wenn sich jemand dir gegenüber im Ton vergreift und ausfallend wird? Äußerst du dein Missfallen oder lässt du vieles durchgehen?

Was erwartest du eigentlich von mir?

Es ist schwierig eigene Erwartungen loszulassen. Ich würde jedoch behaupten, dass es noch viel schwieriger ist, die Erwartungen anderer zu hinterfragen und beiseite zu tun. Wie kann es klappen?

Wenn die Schuld kaum zu ertragen ist

Von Drogen, Schuld und dem Leben im Knast handelt Dawkins Erstlingswerk “Alle meine Freunde haben wen umgebracht”. Die autobiographischen Züge sind offensichtlich. Die Authentizität, die damit einhergeht, erdrückt.

Es gibt Träume, die lebst du bereits!

Wieviele Träume passen eigentlich in all die Strukturen, Routinen und alltäglichen Aufgaben, denen du dich jeden Tag aussetzt? Vielleicht mehr als du denkst. Und vielleicht musst du einfach mal wieder genauer hinsehen!

Wie fühlt sich eine Scheidung an?

Kannst du deine Trennung oder Scheidung mit Humor nehmen? Nein? Dann geht es dir wie den meisten. Und doch …

Wenn noch alles möglich ist

Manchmal fühlen wir uns in einer Situation “eingelockt” und wissen nicht mehr aus noch ein. Die Rahmenbedingungen geben uns das Gefühl der Enge und ein Ausweg ist vielleicht noch nicht sichtbar. Es gibt aber immer Hoffnung.

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