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Glücklich und wertvoll mit Übergewicht? Ja!

Es gibt viele Dinge über die ich nur den Kopf schütteln kann, aber dass wir Menschen uns mit all unseren menschlichen Eigenschaften gegenseitig und auch uns selbst so sehr verachten, finde ich sehr, sehr schlimm.

Schönheitsideale. Wer braucht sowas? Und kommt mir jetzt bitte nicht mit Evolution, biologischen Vorgaben und so weiter. Darauf gebe ich in diesem Zusammenhang einfach nichts und es macht mich oft traurig, wenn ich sehe wie vielen Frauen und Männern die Fähigkeit zur Selbstliebe abgeht.

In diesem Artikel stelle ich das Buch “Erdbeerzeit” von Anja Siouda vor. Einfühlsam beschreibt die Autorin den Leidensweg einer jungen Frau, deren Übergewicht lange Zeit Grund für Demütigungen, Diskriminierung und Schikane war. Ein Buch, das Mut macht Schönheitsideale in Frage zu stellen.

Anja Siouda fordert Toleranz gegenüber Menschen, die anders sind

Die Autorin des Buches nutzt ihre schriftstellerische Arbeit in vielerlei Hinsicht, um zu mehr Toleranz aufzurufen. Der Roman “Erdbeerzeit” beschreibt die Diskriminierung von übergewichtigen Menschen besonders lebensnah und authentisch. Es fällt schwer nicht mitzufühlen und besonders Frauen, die selbst schon einmal in ihrem Leben dem Diätenwahn verfallen waren, werden sich mit Angela, unserer Protagonistin, identifizieren können. Im Klappentext des Buches heißt es entsprechend:

“Im vorliegenden Liebesroman [schreibt die Autorin] über die Diskriminierung von Übergewichtigen, die Fixierung auf Äußerlichkeiten in unserer Gesellschaft und über eine Frau, die keine neue Diät, sondern sich selbst findet.”

30 Jahre und kein Fünkchen Selbstwert

Was muss passieren, damit Menschen Selbstliebe und gegenseitige Akzeptanz völlig selbstverständlich betreiben? Werfen wir einmal einen Blick auf unsere Protagonistin. Angela ist keine 30 Jahre alt, hat aber genug durchgemacht, um gleich zwei Menschenleben mit negativen Erfahrungen zu füllen: eine schwierige Kindheit und lieblose Eltern; frühe Schwangerschaft und das Kind verloren; eine Ehe mit einem gewalttätigen Mann und die ständigen Demütigungen und Diskriminierungen, die eigentlich nur Menschen kennen, die offensichtlich anders sind als ihre Umwelt.

Angela hat Übergewicht und mit der Zeit gelernt, sich und ihren Körper zu verachten. Ihr Mann tut es ihr gleich, behandelt sie sehr schlecht und treibt sie damit beinahe in den Selbstmord.

Irgendwann schafft es Angela trotz der widrigen Umstände den Mut zu fassen, sich in einem Pflegeheim um eine Aushilfsstelle zu bewerben. Die Entscheidung stellt sich schnell als Rettungsanker heraus und Angelas Entwicklung nimmt positive Bahnen.

Bibliotherapeutische Gedanken zum Buch

Ablehnung ist wohl eine der schlimmsten Dinge, die wir einem Menschen antun können. Das Grundbedürfnis nach Anerkennung und Liebe ist dermaßen fundamental, dass ein Mangel daran viel mehr zerstört, als wir uns vorstellen. Unsere Protagonistin Angela hat schon Diäten durchgemacht, als sie noch nicht übergewichtig war und “nur” den unangemessenen Spitzeleien und Spott ihres Vaters ausgesetzt war.

Angela erinnert sich an ihre Pubertät und dass sie bei gleicher Größe nur halb so viel wog:

“Wenn sie doch nur das Rad der Zeit zurückdrehen könnte und wieder dieses Gewicht hätte. Dann wäre sie glücklich. Warum war sie es aber damals nicht gewesen und hatte angefangen, eine verrückte Diät nach der anderen auszuprobieren?”

Was alles danach passiert wirkt teils überspitzt, mal kitschig und an der ein oder anderen Stelle auch recht stereotyp, aber der Botschaft des Buches schadet diese Stilform in meinen Augen nicht. Vielmehr kann ich mir vorstellen, dass die Autorin Anja Siouda sehr bewusst bestimmte Extreme in ihrem Buch verwendet: eben um für mehr Toleranz und Verständnis zu sensibilisieren.

Besonders Angelas Gefühlswelt wirkte für mich während der Lektüre zu jedem Zeitpunkt authentisch.

“Mit einem Mal fiel es Angela wie Schuppen von den Augen, dass sich Benno genau jene Frauen aussuchte, die sich aufgrund ihres Gewichtes unsicher fühlten und sich alles von ihm gefallen liessen: seine Demütigungen und Niederträchtigkeiten, mit denen er sie jahrelang traktierte, sie fertigmachte, bis er sie entweder in die psychiatrische Klinik oder in den Sprung vom Balkon trieb.”

Und ich glaube, dass betroffene Leserinnen und Leser diese extreme Darstellung ihrer Schmerzen und Ängste gar nicht so extrem finden werden. Demütigungen, Selbsthass – Angela zeigt, dass es einen Weg aus dieser Spirale gibt.

Es gibt einen Weg aus der Negativ-Spirale

Für Angela beginnt der Weg aus der Negativ-Spirale mit ihrer Bewerbung auf eine Aushilfsstelle im örtlichen Pflegeheim.

“Die Heimleiterin wirkte etwas distanziert, aber freundlich, und vor allem schaute sie Angela von Beginn an und während des ganzen Gesprächs in die Augen. Irgendwie kam es Angela vor, als sie dies das erste Mal in ihrem Leben, dass jemand nicht zuerst ihre Fülle betrachtete und nicht bereits beim Händeschütteln die Augenbrauen missbilligend in die Höhe zog.”

Ich glaube, dass nur jemand, mit ähnlichen Minderwertigkeitskomplexen diese Art zu denken nachvollziehen kann. Diese Angst, immer und bei jeder Begegnung auf den eigenen Makel reduziert zu werden. Im Pflegeheim passiert ihr das nicht. Die neue Arbeit gibt Angela Struktur, sie lernt andere starke Frauen kennen, die es auch nicht leicht hatten und ihren Weg gegangen sind.

Trotzdem Hilfe annehmen

Aus meiner Sicht gibt es im Buch eine ganz klare Linie: Es geht darum, das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, Abhängigkeiten abzulegen und vor allem darum, trotzdem an richtiger Stelle Hilfe anzunehmen.

Es gibt Probleme, die lassen sich nicht ohne Unterstützung von außen lösen. Es gibt aber auch Herausforderungen, denen wir uns stellen können und Anja Sioudas “Erdbeerzeit” macht definitiv Lust, sich dieser Herausforderungen anzunehmen. Die Angst, nicht geliebt und akzeptiert zu werden, wenn du nicht den Anforderungen und Idealen der Gesellschaft entsprichst, kann dich in so vielen Lebensbereichen einschränken. Schön, dass es Bücher gibt, die solchen Idealen etwas entgegenstellen.

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