Der amerikanische Schriftsteller John Green hat es vor wenigen Jahren vorgemacht: Romane mit ernsten, authentischen Inhalten werden nicht länger gemieden und versteckt in der Ecke gelesen. Green hat 2012 mit “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” einen Bestseller gelandet, der sogar verfilmt wurde.

Um diesen Roman soll es jetzt aber nicht gehen, sondern um einen aktuelleren Titel einer deutschen Jungautorin: “Club der letzten Wünsche” von Tamy Fabienne Tiede.

Einen Zugang schaffen

Zum Zeitpunkt dieses Artikels haben wir Februar und der Februar steht voll im Zeichen der Krebsaufklärung.

Der Weltkrebstag war am 4.Februar und die Medien und Verbände schlagen Purzelbäume hinsichtlich der Aktionen und Aufklärungskampagnen.

Bislang (zum Zeitpunkt des Schreibens) findet sich in der Kategorie Krebs erst ein Werk auf Literaturpower. Nämlich “Halt auf Verlangen” von Urs Faes. Wie im Artikel ausführlich beschrieben, hat dieses literarisch anspruchsvolle Werk sicher eine sehr wertschätzende Zielgruppe.

Es war mir jedoch wichtig, zeitnah noch ein zweites Werk vorzustellen, welches der Tatsache gerecht wird, dass auch viele junge Menschen an Krebs erkranken.

Mit “Club der letzten Wünsche” hat Tamy Fabienne Tiede einen Zugang zur Problematik geschaffen, der jung, unverklärt und beinahe spritzig wirkt.

Ist das nicht makaber, mag nun die ein oder der andere fragen?

Sicher nicht.

Es gibt in der Kunst eine gewisse Ausdrucksfreiheit und ebenso wichtig ist die Wahlfreiheit von betroffenen Menschen, eben jenes Buch auszusuchen, das sie persönlich anspricht.

Bei einer meiner ersten Sitzungen hatte ein Mädchen, das viel zu bleich war, um überhaupt lebendig zu sein, mich angesprochen. Ich gruselte mich etwas vor ihr, denn ich hatte die Befürchtung, bald selbst so auszusehen. Aber ich war höflich geblieben und hatte ein wenig mit ihr geplaudert. Sie schien wirklich schrecklich krank.

Mir fallen auf Anhieb ein paar Menschen ein, die sicher sehr positiv auf die freche, offensive Art unserer 19jährigen Protagonistin Jesslyn reagieren.

Jesslyn hat in ihrem jungen Leben bereits einiges durch und stellt fest, dass der drohende Tod ihr verwehrt, einmal wirklich glücklich gewesen zu sein. Es ist nicht ganz einfach Sympathie mit Jesslyn zu empfinden.

Mitgefühl ja, aber Sympathie?

Sie beschreibt sich sogar selbst als “unpassend” und weiß um ihre harsche und teilweise aggressive Art.

Mein Bruder war die einzige Person, der ich vertraute – voll und ganz und ohne Einschränkungen. Doch erst in diesem Moment erkannte ich, wie sehr ich ihn an meiner Seite brauchte. Denn auch wenn ich immer so getan hatte, ich würde diesen Scheißkrebs nicht alleine bezwingen können.

Ein Kampf beginnt

Je näher Jesslyn den Leser und die Leserin an sich, ihre Vergangenheit, ihre Emotionen und ihre Wünsche heranlässt, desto eher vollzieht sich die für solch ein Buch wichtige Identifikation.

Jesslyn will nicht sterben.

Schon gar nicht ohne ihr Leben gelebt zu haben. Der Kampf ums Überleben und gegen den Krebs beginnt. Es geht aber nicht nur um Kampf, sondern auch um Auseinandersetzung, Reflexion und vor allem um Liebe.

Liebe darf natürlich in solchen Geschichten nicht fehlen. Für mich persönlich gilt das jedenfalls. Da habe ich eine romantische Ader.

Für Jesslyn gibt es James. Über James werde ich an dieser Stelle jedoch nicht viele Worte verlieren. Diese Spannung möchte ich nicht trüben.

Aber mit wenigen Zeilen soll die Autorin selbst zu Wort kommen: “James Hand war warm und weich. Seine Berührung fühlte sich überhaupt nicht unangenehm an, vielmehr wirkte es ganz natürlich, als wären unsere Finger dafür geschaffen, um perfekt ineinanderzugreifen wie zwei Zahnräder. Wir redeten eine ganze Weile lang überhaupt nicht, sondern hielten uns nur an den Händen und betrachteten den klaren Nachthimmel.

Das klingt nicht nur sehr romantisch. Es ist auch sehr romantisch und ich kann nicht behaupten, dass ich auf diesen Kitsch gerne verzichtet hätte.

Insgesamt sind es die Kontraste im Buch, die Authentizität vermitteln. Auch Jesslyns Welt ist nicht schwarz-weiß und echten Gefühlen gegenüber ist sie nicht ignorant. Bereits im ersten Drittel des Buches erfährt Jesslyn, dass sie keine Chance auf Heilung hat.

Ich habe keine Ahnung wie es sich anfühlen muss, das Ende des eigenen Lebens spürbar nah zu sehen. Aber ich kann ihre Motivation sehr gut nachvollziehen, Erlebnisse nachholen zu wollen und sich nicht aufzugeben.

Die Liste

Gemeinsam mit ihrem Bruder verfasst Jesslyn eine Liste: “Jesslyns Das-muss-ich-noch-dringend-machen-bevor-ich-an-Scheißkrebs-sterbe-Liste”. Die Liste ist “jederzeit erweiterbar”.

Jederzeit” ist an dieser Stelle leider ein Euphemismus, denn Zeit ist für Jesslyn eine endliche Ressource.

Ich glaube, es ist okay an dieser Stelle zu schreiben, dass Jesslyn stirbt. An der Intensität der Lese-Erfahrung wird sich für dich durch diese Einsicht sicher nichts ändern.

Der Roman “Club der letzten Wünsche” ist letztlich ein ehrliches und trauriges Buch, das den Lesenden Offenheit und Empathie abverlangt, aber auch jene Eigenschaften vermittelt.

Danke, Tamy Fabienne Tiede für diesen besonderen Roman. Die junge Autorin hat mit ihrem Erstlingswerk sogar den “Piper-Award” auf Wattpad gewonnen. Hoffentlich folgen noch viele weitere Bücher.

Der Leserin oder dem Leser wünsche ich mit der Lektüre des Buches, Worte zu finden für das was manchmal unaussprechlich scheint. Oft sind es Worte, die unsere Gedanken formen. Der nötige Widerstand ist umso stärker, je besser wir uns und unsere Umstände erkennen und bezeichnen können. Möge dir das Lesen eine Stütze sein.

Schau dir das Buch bei Amazon an!

Sei die pure Leidenschaft!

Sicher gibt es auch in dir eine Sehnsucht, die dich antreibt, dich zweifeln lässt und deine Gedankenwelt genau dann aufwühlt, wenn du es gerade eigentlich überhaupt nicht gebrauchen kannst. Wenn du dich manchmal schon gefragt hast, wonach du dich da eigentlich sehnst, dann ist das hier vielleicht die Antwort: Leidenschaft.

Kämpfe wie eine Frau!

Was, wenn ich morgen ein ganz anderer Mensch sein kann – einfach weil ich mich dafür entscheide?!!

Kannst du bitte mal zuhören?

Im Grunde hat doch jeder Mensch etwas zu sagen. Jede und jeder hat eine eigene Geschichte. Manchmal sogar sehr viele. Ja vielleicht haben wir alle eine ganze Bibliothek an Geschichten in uns.

Ich wünsche mir Zuwendung

Homophobie, Bindungsunfähigkeit oder die pure Ignoranz… Manchmal leidest du darunter, dass andere Menschen nicht die nötige Rücksicht aufbringen können und völlig empathielos auf dir rumhacken?

Abschied von der Angst vorm Abschied

Verbinden wir nicht Abschied mit Verlusten, Trauer, Wehmut und Resignation? Dürfen wir überhaupt etwas Positives an einem Abschied finden oder macht uns das zu oberflächlichen Menschen?

Gib dich nicht für ihn auf!

Die Liebe vermag Berge zu versetzen. Sie kann uns einen Sinn im Leben geben, Kraft schenken und Richtung weisen. Manchmal jedoch, macht sie uns auch kaputt … Nicht alles, was wie Liebe aussieht und sich wie Liebe anfühlt, ist auch gut für uns.

Du verdienst ein schönes Leben

Denkst du nach über verpasste Chancen, alternative Lebenswege und die Frage, was ein erfülltes Leben wirklich ausmacht? Entdecke eine Geschichte, die zeigt, dass kein Weg perfekt ist – und dass es sich lohnt, das eigene Leben mit neuen Augen zu sehen.

Multiple Sklerose und trotzdem!

Wie wertvoll Gesundheit ist, merken wir manchmal erst wenn sie fehlt. Aber auch mit Krankheit, können wir ein glückliches Leben führen. Multiple Sklerose ist nicht das Ende.

Lesbisch, einsam und lebenshungrig

Versagensängste in der Familie kennen wir. Wir kennen auch die Frustration, die mit nicht erfüllter Sexualität einhergeht und die Scham und Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit. Oft genug kommt leider alles zusammen.

Zuversicht ist gut, Selbstvertrauen ist besser

”Lass das sein, das wird eh nichts!” Autsch! Sowas zu hören, tut weh! Und trotzdem sagen wir ähnliche Sätze immer mal wieder zu anderen und – viel schlimmer noch – zu uns selbst. Überwinde solche Grenzen und fang endlich an, an dich zu glauben!

Pin It on Pinterest