Ich liebe Serien und Filme. Meine Kindheit verbrachte ich teils lesend, teils vor dem Fernseher. Heute kenne ich kaum noch die üblichen Sender und auf die Frage, wie ich das Literarische Quartett finde, muss ich hin und wieder meine Unkenntnis eingestehen.

Frau Westermann kennt Abschiede

Christine Westermann war Teil dieser Sendung. Die Lektüre eines ihrer Bücher hat nicht nur mein Interesse an der Sendung geweckt, sondern mich auch auf diese eindrucksvolle Moderatorin aufmerksam gemacht. Wer ist Christine Westermann? Christine Westermann ist eine Fernseh-Journalistin, die unter anderem “Zimmer frei!” moderiert hat, mehrere Bücher veröffentlichte und viele Jahre die Welt bereiste. Christine Westermann weiß viel, aber sie stellt vor allem Fragen. Als ich vor über zehn Jahren mein Medizinstudium gegen ein Philosophiestudium eintauschte, war es das, was ich mir wünschte: Fragen stellen können, statt nur noch Antworten zu bekommen. Die Medizin stellt auch Fragen und diese müssen immer beantwortet werden. Was nützt all die Forschung, wenn sie keine Menschen heilt? Mediziner sind schlau. Sie wissen viel und sie nutzen dieses Wissen, um Gutes zu tun. Es gibt jedoch Themen und Fragen, die möchten wir gerne beleuchten, untersuchen und analysieren. Wir wollen auf diese Fragen aber keine Antworten vorgekaut bekommen. Je persönlicher ein Thema ist, desto individueller gestaltet sich auch der Zugang zu diesem Thema. Abschied gehört dazu und mit “Manchmal ist es federleicht” halte ich ein Buch in meinen Händen, das eben diesen persönlichen, individuellen Zugang würdigt. Es ist ein Buch der “kleinen und großen Abschiede” und die Autorin ist niemand geringeres als die bekannte deutsche Fernsehjournalistin Christine Westermann. Dieses Buch, das sie mit fast 70 Jahren zu Papier gebracht hat, überraschte mich.

Leichtfüßig und unbeschwert

“Federleicht” steht da im Titel und dennoch erwartete ich beim Thema Abschied nicht die Leichtfüßigkeit, Unbeschwertheit und diese freundliche Grundstimmung, die Westermann tatsächlich in ihren Zeilen transportiert. Lange hat mich das beim Lesen sogar verwundert. Verbinden wir nicht Abschied mit Verlusten, Trauer, Wehmut und Resignation? Dürfen wir überhaupt etwas Positives an einem Abschied finden oder macht uns das nicht zu oberflächlichen Menschen? Dürfen wir. Frau Westermann zeigt uns mit ihrem Buch, dass das möglich ist ohne dabei an Tiefe und Authentizität zu verlieren. Und sie zeigt auch, dass es möglich ist, ohne nachhaltigen Pessimismus über Abschiede und andere schwierige Phasen unseres Lebens zu sprechen. Manchmal ist es eben federleicht. Natürlich nur manchmal. Zum Ende ihres Buches werden die Abschiede schwerer. Es geht um den Verlust lieber Menschen, um Beerdigung und Trauer. Beerdigungen sind ja eigentlich nichts, was wir oft und gerne thematisieren. Man könnte also fast meinen, dass es ein bisschen tabuisiert ist darüber zu sprechen. Wenn ich jetzt aber bei Westermann nachlese und merke, dass man auch solch ein gemeinhin emotional besetztes Thema ganz sachlich angehen kann, dann tut das irgendwie gut. Christine Westermann schreibt selbst: “Viel zu lange habe ich geglaubt, dass Abschied gleichbedeutend mit Katastrophe ist.” Und ein paar Seiten später: “Fast ein ganzes Leben später habe ich die Sache mit dem Abschied etwas besser verstanden.” Zu Beginn ihres Buches sind die Abschiede anderer Natur. “Manchmal ist es federleicht” ist auch ein Buch über das Altern und den Abschied von der Jugend. Veränderungen zu akzeptieren fällt nicht immer leicht und erst recht nicht, wenn sie unser Aussehen und unsere Gesundheit betreffen.

Abschied von der Jugend

Dieser Abschied von der Jugend, ist er auch ein Abschied von der Schönheit? Nein! Es ist eine andere Schönheit, die kommt. “Die Fotos, die jetzt entstehen, zwanzig Jahre später, sind umso vieles ehrlicher, klarer, wahrhaftiger. Zeigen so viel mehr unverstellte Persönlichkeit.” Die Schönheit ist eine andere, aber Gesundheit spielt natürlich zunehmend eine Rolle, gerade wenn sie einschränkt. “Mein Leben verändert sich, weil mein Körper es tut. Er ist jetzt der Bestimmer, gibt Richtung und Geschwindigkeit vor. Vieles, was mir heute noch vergleichsweise leicht fällt, wird irgendwann nicht mehr selbstverständlich sein.” Was ich sehr mag an der Schreibart von Westermann ist die Relativierung, die nicht nur im Titel vorkommt, sondern das gesamte Buch durchzieht. Es ist eben ein sehr persönliches Buch, welches über Erfahrungen und Einblicke berichtet ohne dabei strikte Handlungsanweisungen zu geben. Für diese Erfahrungen bin ich sehr dankbar.

Verlustängste kennen wir alle

Verlustängste beispielsweise suchen jede und jeden irgendwann einmal heim. Westermann schreibt über den Mut loszulassen und zwar nicht nur die großen Errungenschaften im Leben, sondern auch die eigene Fassade, die man sich aufgebaut hat. Und auch den Wunsch, alles richtig zu machen, auch diesen muss man früher oder später einmal loslassen. Christine Westermann ist eine Frau, die Tatort schaut, nicht besonders technikaffin ist und zu Hause gerne gemütlichere Garderobe trägt als vor der Kamera. Loszulassen fällt nicht immer leicht. Die Autorin scheint ihre Zeit dafür gebraucht zu haben. Sie gibt sich in solchen Dingen sehr nahbar. Auch das macht das Buch lesenswert. “Zu meiner Überraschung sind mir innerhalb weniger Minuten diese zwei Sätze herausgerutscht: “Das werde ich nicht mehr erleben” und “Wenn Sie erst mal so alt sind wie ich”. Wo kamen die auf einmal her? Wo hatten sie sich versteckt? Wie konnten sie sich von mir unbemerkt in meinem Kopf nach vorne drängen, meine Sprache infiltrieren. Kommt da noch mehr? Geht das so weiter?” Zuzugeben: Dass man im Angesicht des Alters unsicher wird, Schwächen zulassen muss und manches nicht mehr kann, das erfordert Größe. Auch ganz offen über die eigenen Macken und Kontrollzwänge berichten – würde uns das so schnell von der Hand gehen? Frau Westermann legt vor und ermutigt mit ihrem Schreiben auch implizit mich als Leserin es ihr gleichzutun. Wie sehr war ich bei solchen Zeilen über vergangene Sehnsüchte ganz bei ihr: “Warum der Gedanke so stark war, kann ich erst heute, mit vielen Jahren Abstand, vermuten: weil damals die Lust, beinahe schon die Begierde auf neue Erfahrungen, auf große und kleine Mutproben, die unweigerlich zum Leben in einer anderen Kultur gehören, beinahe übermächtig war. Ich wollte sie erleben und bestehen. Sich davon verabschieden? In diesem Stadium undenkbar. Wann es over und aus ist, wollte ich immer selbst bestimmen.” Schwach zu sein, traurig, unperfekt – es geht leichter wenn uns das jemand vormacht. Danke, liebe Christine Westermann, für dieses federleichte, kluge Buch.

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