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Du bist ein liebenswerter Mensch.“ Diese Worte schreibe ich die nächsten Wochen regelmäßig einem guten Freund, der gerade eine verdammt harte Trennung durchmacht. Er hat’s verdient und er kann es gebrauchen.

Jan Fleischhauer zieht in seinem Roman „Alles ist besser als noch ein Tag mit dir“ Bilanz über die schlimmste Krise seines Lebens: seine Scheidung.

Darin schreibt er rückblickend: „Wenn ich noch einmal vor den Scherben meiner Ehe stünde, würde ich jemanden engagieren, der mir den ganzen Tag zuruft, was für ein liebenswerter Mensch ich sei.“

Am liebsten würde ich meinen Kumpel aufs Sofa zerren und ihm jeden einzelnen Satz aus diesem Buch laut vorlesen. (Das Hörbuch ist noch nicht auf dem Markt.)

Wie dieses Buch dir bei deiner Trennung oder Scheidung helfen kann, erfährst du in diesem Artikel.

Liebe macht mehr Vergnügen als die Ehe. Romane sind auch unterhaltender als die Geschichte.

So schrieb im 18.Jahrhundert Nicolas Chamfort. Ich mag ja die Franzosen und ihre Literatur. Sie ist oft klug und witzig, allzuoft aber auch zynisch. Naja. Bis mal ein Buch von Michel Houellebecq oder Frederic Beigbeder Einzug in Literaturpower hält ist es noch ein weiter Weg. Dann doch lieber der deutsche Spiegeljournalist und Autor Jan Fleischhauer. Der schreibt auch klug und witzig und auch ein bisschen ironisch. Aber den Zynismus, den hat er trotz Lebenskrise „Scheidung“ und der daraus resultierenden mittelschweren Depression ausgeklammert.

Ich danke ihm ganz ehrlich und herzlich dafür, denn so kann ich sein Buch „Alles ist besser als noch ein Tag mit dir“ wirklich mit gutem und reinem Gewissen empfehlen, wenn du:

  • Gerade von einer Scheidung oder schweren Trennung betroffen bist, egal ob Frau oder Mann
  • Nicht mehr betroffen bist aber diese noch nicht bewältigt hast
  • Ein Scheidungskind bist und deine Eltern etwas besser verstehen möchtest

Wut, Frust, Enttäuschung

Nachdem ich ein Buch über Krebs gelesen und rezensiert hatte und allerlei Recherchen online und offline zu diesem Thema angestellt hatte, griff ich mit etwas Dankbarkeit zum autobiographischen Roman von Jan Fleischhauer. Die erste Lektüre versprach mehr Humor und Gelassenheit als die lebensbedrohliche Krankheit Krebs und ich freute mich bereits auf die Rezension des Buches.

Dann landete ich im Internet und in Foren bei Erfahrungsberichten betroffener Frauen und Männer.

Wut, Frust, Enttäuschung … Wahnsinnig viel Wut und Frust und Enttäuschung.

Womit hatte ich gerechnet? Damit nicht. Ich flüchtete mich schnell zurück ins Buch und das half. Ich empfahl es auch gleich meinem Kumpel. Vielleicht wird er es lesen. Vielleicht nicht. Aber wenn DU klug bist und dir in diesen harten Zeiten etwas Gutes tun willst. Dann hol dir dieses Buch und lies es.

Fleischhauer kann schreiben. Das ist schon seit einigen Jahrzehnten sein Beruf und es macht Spaß seinen Gedanken zu folgen und sich ein wenig auf sein Selbstmitleid einzulassen: „Die Gewissheit, nicht allein zu stehen, spendet Trost. Wenn es anderen genauso geht wie einem selber, kann man sich sagen, dass man nicht der einzige Trottel ist, dessen Welt gerade in Scherben fällt.“ Nur ein paar Zeilen später betont er dann, dass er ein lausiger Kandidat für Selbsthilfegruppen gewesen wäre, weil ihm die Erkenntnis nicht allein zu sein nicht unbedingt weiter half.

Ich glaube ja, dass wir uns das hin und wieder gerne einreden, dass dies oder jenes nicht weitergeholfen hat und wir uns weiterhin im gleichen Elend suhlen, wie vor der vielversprechenden Maßnahme. Aber der Pessimismus, den Fleischhauer an den Tag legt ist durchaus ein humorvoller und das ist doch schon eine herausragende Leistung.

Kannst du deine Trennung oder Scheidung mit Humor nehmen? Amüsiert sie dich?

Nein? Dann geht es dir wie den meisten.

Doch? Na dann freu ich mich aufrichtig für dich und deine innere Stärke. Schenk dieses Buch jemandem von dem du denkst, dass er oder sie es schwerer hat als du. Vielleicht deinem Expartner.

Hab ich alles vermasselt?

Warum werde ich die ganze Zeit missverstanden? Wie ertrage ich die finanzielle Belastung? Wie ertrage ich das ganze emotionale Chaos?

Bei einer Trennung geht es um eine sehr besondere Form der Verletzlichkeit. Vielleicht kennt dich niemand so gut wie dein Expartner oder deine Expartnerin und die wissen dann auch sehr gut wo es weh tut. Manche nutzen das aus.

Im Grunde kann kaum jemand so gut deine Lage verstehen wie jemand der sie selber erlebt hat. Fleischhauer vergleicht die Situation mal eben mit dem Fall der Mauer und wie er ihn vorher und hinterher erlebte: „Es war ein großes Abenteuer, anders lässt es sich nicht sagen. Heute weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn alles, worauf man sich verlassen hat, über Nacht nichts mehr gilt.

Sein Roman ist zweifellos eine Liebesgeschichte. Wir erfahren viel über Jans Liebe zu Ella und auch ein bisschen über seine in Liebe gezeugten Töchter. Dass es um Liebe geht und ihr Ende, das macht es ja wohl auch immer so schwer.

Im Grunde geht mit jeder Trennung auch eine Entliebungsgeschichte einher. Denn die Trennung oder die Scheidung – das ist das „Danach“: Ein Rückblick, der nicht ohne Reue und Enttäuschung auskommen kann. Erst allmählich – und das braucht Zeit – ist die Trennung auch ein „Davor“ und diesem „Davor“ gehen eine ganze Menge Scherben voraus.

Irgendwann steht da der Neuanfang. Ob der fair und gerecht geregelt wird? Lohnt es sich wieder zu heiraten? Kann ich wieder lieben und vertrauen?

Damit das Trauma nicht anhält, musst du die richtigen Entscheidungen treffen und auf dich selbst achten. Und heute gibt es viele Möglichkeiten. Sogar schon für die Trennungsphase ist gesorgt: Mediatoren, Trennungstherapien, …

Du kannst aber auch damit anfangen dir klar zumachen, dass du nicht allein bist mit deiner Verzweiflung und deinen Gefühlen. Das Buch hat der Autor aus sicherer Entfernung geschrieben und vielleicht hast du diese im Moment nicht. Umso wichtiger ist es, deinen Kopf aus dem Sand zu buddeln und dir Unterstützung zu suchen.

Ein gutes Buch bietet sehr viel Unterstützung und dieses hier hat Herz und Verstand. Jan Fleischhauer sagt dir nicht, dass alles schnell viel besser wird. Ich bin aber zuversichtlich dass dir die richtige Lektüre helfen wird, zu verstehen, dass das jetzt noch nicht das Ende der Welt ist. Eine Menge von dem Ballast, den du gerade mit dir trägst, wirst du im Laufe des Romans ablegen können. Dabei wünsche ich dir viel Spaß und für alles andere Mut, Kraft und Durchhaltevermögen!

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