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Diagnose Epilepsie: Wie eine Krankheit alles verändert

Was tun wir, wenn wir jahrelang einen Traum verfolgen, alles dafür opfern und ihn dann jäh zerbrechen sehen? Vorstellbar sind hier zwei Szenarien: Wir vergehen innerlich, weil wir die hoch gesteckten Erwartungen an uns selbst nicht erfüllen konnten, oder wir stehen auf und kämpfen für unseren Traum. Aber manchmal ist das Leben stärker und verfolgt seinen eigenen Plan. Dann können wir noch so sehr kämpfen, unser Ziel erreichen wir trotzdem nicht.

In “Tigerherz” von Lucas Fischer und Katrin Sutter erfahren wir etwas über den Weg danach. Darüber wie es weitergehen kann und dass es weitergehen muss, auch wenn der Abschied von dem persönlichen Lebenstraum so unendlich schwer fällt.

Titel: Tigerherz

Autorin: Katrin Sutter
Verlag: Arisverlag

 

großer Saal mit feiernden Menschen
Diagnose: Epilepsie

Lucas Fischer kennt Entbehrungen. Viele Jahre seiner Kindheit und Jugend opferte er seiner Karriere als Kunstturner, gewann Wettkämpfe und trainierte bis zu 30 Stunden pro Woche. Freunde, Hobbies und Partys? Fehlanzeige.

“Am Anfang weiß man nicht, warum man turnt. Man tut es einfach, weil man es immer tat. Das war unsere Welt, die meiner Eltern, die meines Bruders und meine. Am Anfang ist es einfach nur Spass, ein riesengrosser Spielplatz – und dann plötzlich wird es ernst.”

Als Lucas Fischer die Diagnose Epilepsie bekam, war das schmerzhaft. Der Abschied von seinem Traum vollzog sich dann schleichend, war aber bald endgültig und Alternativen mussten her. In “Tigerherz” beschreibt Katrin Sutter einfühlsam und hautnah Lucas Fischers Geschichte, seine Ängste, seine Hoffnungen und seine Entwicklung vom jungen, hochgelobten Kunstturner bis zum Star der “Lucas-Fischer-Show”.

junger Mann sitzt auf BrückeJeder hat ein Tigerherz

“Habt Mut, zu fühlen, Mut, für euch selber zu kämpfen, und vor allem Mut, zu träumen! Gebt nicht auf und findet einen Weg durch das Labyrinth im Leben. Jeder hat es, jeder kann es zum Leben erwecken und jeder kann es zum Brüllen bringen … jeder hat ein  – Tigerherz!”

“Tigerherz” ist nicht was ich erwartet hatte. Nicht die typische Geschichte des Gefallenen, der sich sammelt und dann hochmotiviert einen neuen Weg einschlägt. “Tigerherz” bringt uns ganz nah an die seelische Abbruchkante eines jungen Menschen heran, der verzweifelt ist und sich nicht scheut, diese Verzweiflung öffentlich zu machen. Wir erfahren etwas darüber, wie es ist mit Epilepsie zu leben – eine der häufigsten chronischen neurologischen Erkrankungen. Wir erfahren wie es ist, einer Krankheit ausgeliefert zu sein und die Kontrolle abgeben zu müssen.

“Als ich es realisierte, war das brutal für mich. Ich wusste, alle haben zugeschaut. Ich fühlte mich irgendwie … schwierig zu beschreiben, ich weiss nicht … ausgeliefert ist wohl das treffendste Wort. Es war ein Gefühl der Nacktheit. Du bist völlig wehrlos, du kannst gar nichts machen, hast keine Kontrolle über deinen Körper und alle Turnerkollegen bekommen es mit.”

Die Autorin Katrin Sutter hat ein authentisches, lebensnahes Bild gezeichnet. Lucas Fischers Geschichte geht nah und macht Mut. Mut den wir brauchen, wenn wir Stück für Stück loslassen und einen Traum hinter uns lassen. Es ist ein Aufbruch ins Ungewisse, doch neue Ziele zu stecken und neuen Träumen Raum zu lassen….das ist der Weg von Lucas Fischer. Und er bewegt.

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