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Eigentlich.

In letzter Zeit hat das kleine Wörtchen “eigentlich” immer mal wieder eine Rolle gespielt. Eigentlich hatte ich schon einen vollgepackten März mit vielen interessanten Termin und einem großen Bücherstapel, den es zu bearbeiten galt.

Eigentlich. Und dann kam die Leipziger Buchmesse. Kein Weg führte daran vorbei und ich muss auch sagen, dass meine Neugier zu groß war, um dieses bibliophile Event auszulassen.

Selber ausstellen wollte ich nicht, aber Besucherin sein, Eindrücke gewinnen und mich inspirieren lassen. Und weil nicht alle die Gelegenheit hatten nach Leipzig zu fahren, teile ich hier mit dir meine Eindrücke und ein paar fun facts über die zweitgrößte Buchmesse in Deutschland.

#1 So viele Menschen

Um die 200000 Besucherinnen und Besucher haben die Leipziger Buchmesse dieses Jahr besucht. Und nochmal um die 100000 Menschen waren auf der MangaCon, die zur gleichen Zeit am gleichen Standort abgehalten wird.

Mir wurde vorher ausdrücklich dazu geraten den Freitag als Besuchstag anzuvisieren und daran habe ich mich artig gehalten. Glückskind, ich. Dem großen Schneesturm, der am Wochenende Leipzig und die Bahn in einen Ausnahmezustand versetzt hat, bin ich ganz knapp entronnen. Ein Besuch lohnt sich auf aber auf jeden Fall. Es macht schon Spaß mal von so vielen Gleichgesinnten umgeben zu sein: überall wird gelesen, vorgelesen, geblättert, gestöbert und gefühlt. Gefühlt? Na klar, ein Buch muss man fühlen. Und wenn es nicht das Papierbuch ist, dann eben das Gefühl vom E-Book-Reader in den Händen, oder das schöne Cover eines Hörspiels. Alle Sinne einbinden!

#2 Die Buchmesse ist bunt

Und mit bunt meine ich jetzt nicht die farbenfrohe Reizüberflutung, die mich schon bald nahezu in die Knie zwang. Ich muss schon einräumen, dass es mir an irgendeinem Zeitpunkt (vielleicht so nach circa 5 Stunden?) nicht mehr so gut gelang, neue Informationen aufzunehmen, geschweige denn noch mehr Flyer und Goodies zu tragen.

Mehrfach musste ich mich hinsetzen und meine drei Taschen umsortieren. Mein Tipp fürs nächste Mal: keine Schultertaschen (Aua!), sondern ein ergonomisch-freundlich-konzipierter Rucksack, der den Körper entlastet. Natürlich nicht übergroß – um sich in großen Menschenmengen keine Feinde zu machen, aber immerhin groß genug, um ein paar der schönen Messematerialien mit nach Hause zu bringen.

Mit bunt meine ich vor allem auch die groß angelegte Verlagsaktion gegen Rechts. An jedem zweiten Stand lagen Flyer und Lesezeichen aus, die für Respekt und Vielfalt warben. Es hat mich sehr berührt, dass die Buchbranche sich gemeinsam gegen rechtes Gedankengut ausspricht. Danke dafür.

#3 Über den Tellerrand geschaut

“Internationalität gehört in Leipzig zum Programm. Aussteller aus 43 Ländern bieten den Besuchern wichtige Einblicke in die Literaturentwicklung rund um den Globus.” (Quelle: www.leipziger-buchmesse.de)

43 Länder!

Überleg’ mal genau wieviele das sind. Nicht nur 10, 20, oder 30. Über 40 Länder waren auf der Leipziger Buchmesse vertreten und Rumänien dieses Jahr als Gastland.

Ich lebe ja in Berlin und bin es gewohnt, dass um mich herum viele verschiedene Sprachen gesprochen werden. Aber so einen großen Basar mit einem solch vielfältigen Angebot gibt es wirklich nicht überall. Besonders schön fand ich zum Beispiel die Buchstempel einer Ausstellerin aus Litauen.

#4 Neues entdecken

Ich habe wirklich wahnsinnig viel Neues gelernt. Zum ersten Mal hat mir jemand den Unterschied zwischen Urban Fantasy und High Fantasy erklärt. Am Stand der deutschen Schrift und Sprache hat mir eine freundliche Bookcrosserin Wissenswertes über die deutsche Schreibschrift erzählt und bei den Jungen Verlagsmenschen gewann ich Lust, die Branche gleich als Mitglied zu unterstützen.

Der befreundete Autor und Verleger Hans Jörg Rafalski bot mir Einblicke in die Welt der Selfpublisher. Beim Loveletter-Gewinnspiel habe ich leider nicht gewonnen, aber dafür etwas später ein kleines Lesewerk der “Büchergilde Gutenberg” abgestaubt: “Du bist, was du liest”.

Das Cover zeigt eine junge lesende Frau, die abwesend ihre Kakteen ersäuft und dabei selig in ihrer Lektüre versunken ist. Da man dieses kleine schöne Heft eigens für mich aus einem Schrank holte, ich keine ISBN finde und auch nicht weiss, wie man sonst dazu kommt, werde ich es bald als Buch-Ring bei Bookcrossing anbieten, um möglichst viele teilhaben zu lassen. Wenn du auch mitlesen möchtest, schreibe mir einfach eine Nachricht.

#5 Gemischte Gefühle

Hektisch, laut, anstrengend und trotzdem überwältigend. So habe ich die Buchmesse empfunden. Gefreut hat mich, dass auch ein großes junges Publikum anwesend war – auch außerhalb der vielen Jugendlichen, die im Klassenverband einen Pflichtbesuch abhielten.

Etwas hat mich jedoch auch befremdet und ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich das in Worte fassen kann. Es hat etwas mit Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und Konsum zu tun.

Also erstmal kann ich schon sagen, dass ich es schade fand, dass manche Zeitschriften-Verlage ihre Stände durch Promoterinnen und Promoter betreuen ließen. Die Marketingtricks, die diese zum Teil anwenden mag ich weniger und bin dann auch nicht willig mir ein Probeabo zu holen.

Positiv ist mir hingegen der Funkturm aufgefallen. Ich ließ mich sehr bereitwillig vom freundlichen Moritz beschwatzen ein Heft zu kaufen. Ob es was taugt kann ich noch nicht sagen, aber die Ansprache war kompetent und verbindlich. So möchte ich gerne als Kundin behandelt werden.

Ich komme nochmal zurück auf meine Befremdlichkeiten: Ich finde es toll, dass ganz viele Menschen schreiben und glaube, dass auch fern der renommierten Verlage Menschen verdient haben, veröffentlicht zu werden.

Schade finde ich es, wenn diese Menschen an Verlage geraten, die eher Profit durch Autorinnen und Autoren machen statt durch die Leserinnen und Leser. Aber das ist hoffentlich die Ausnahme.

So, jetzt möchte ich aber nicht mit diesem negativen Gedanken schließen. Die Leipziger Buchmesse ist wirklich eine wundervolle Institution mit zahlreichen Lesungen, Workshops, Veranstaltungen und der endlosen Möglichkeit, sich inspirieren zu lassen. Viele meiner Inspirationen werdet ihr hier auf Literaturpower verfolgen können.

Ich freue mich schon auf die nächste Buchmesse im Herbst. Dann die größte in Deutschland: die Frankfurter.

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3 Kommentare

  1. wurm666

    Das mit den Unterschieden zwischen Fantasy kenne ich auch nicht. Vielleicht kommt da ja mal ein Text. 🙂

    War das deine 1. LBM?

    Danke für deinen Bericht.

    Beste grüße aus der Nachtschicht Wurm666

    Antworten
    • Trude

      Das war sie. ( :
      Hast du Tipps für mich, fürs nächste Mal?

      Antworten
  2. Hans Jörg Rafalski

    Ein schöner und treffender Bericht, liebe Trude. Es ist das Auge-in-Auge-Kommen von neugierigen Lesern, Autoren, die ja eigentlich auch als Neugierige da sind, von Medienmachern, Fachleuten so vieler Branchen, Verlage und aus vielen Ländern, das die quirlige, multikulturelle Atmosphäre bestimmt. Obwohl selbst als Autor und im Dienste der Selbstdarstellung dort, begeistern mich die Kontakte zu anderen Autoren. Ich habe in diesem Jahr gelernt, dass es einige Selfpublisher gibt, die mit Können und Leidenschaft, auf eigenen Füßen stehend, Bücher machen, die es wert sind, wahrgenommen zu werden, die sogar Bestseller sein könnten, wenn es ihnen das System der Etablierten nicht so schwer machen würde. Der Österreicher Soziologe Markus Mirwald beispielsweise, der in seinem sehr ästhetischen Bändchen “Der vielleicht größte Schatz” mit der japanischen Kalligrafiefeder geschriebene Lebensweisheiten veröffentlicht hat. Oder Gabi Dallas, die in dem ersten Buch ihrer Trilogie “Nie weit genug” ihr atemberaubendes Leben aufschreibt. Hätte Gabi den richtigen Verlag hinter sich, wäre sie vielleicht ganz oben in den Charts. Ich habe mich auch über Deinen Besuch gefreut, liebe Trude – Du baust hier etwas Besonderes auf. Vielleicht haben wir im nächsten Jahr jeder einen ersten eigenen kleinen Stand? Wenn der auch seinen Preis hat, er ist wie ein Fenster in einen besonderen Kommunikationsraum, den man damit öffnet. Die Kontakte mit den Neugierigen sind in jedem Fall ein Gewinn.
    Es grüßt Dich Hans Jörg Rafalski

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