Gib dich nicht für ihn auf!

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Titel: Hemingway und ich

Autorin: Paula McLain
Übersetzerin: Yasemin Dinçer

Verlag: Aufbau

 

Die Liebe vermag Berge zu versetzen. Sie kann uns einen Sinn im Leben geben, uns Kraft schenken und die Richtung weisen. Manchmal jedoch, macht sie uns auch kaputt und bringt uns an unsere Grenzen. Nicht alles, was wie Liebe aussieht und sich wie Liebe anfühlt, ist auch gut für uns. In “Hemingway und ich” schreibt die amerikanische Schriftstellerin Paula McLain über eine destruktive Beziehung, die uns vor der Liebe und ihren Konsequenzen erschrecken lässt.

Tisch im Fenster

Die Biographie von Martha Gellhorn liest sich wie ein spannender Bericht der Zeitgeschichte des 20.Jahrhunderts. Gellhorn war Kriegsreporterin, Journalistin und Schriftstellerin. Sie war regelmäßiger Gast im Weißen Haus, schrieb für international renommierte Zeitschriften und sie war für wenige Jahre ihres Lebens auch die dritte Ehefrau von Ernest Hemingway.

Martha Gellhorn: eine faszinierende Frau

Paula McLain hat lange über das Leben dieser faszinierenden, mutigen und intelligenten Frau geforscht, um dann einen Roman über ihr Leben zu schreiben. Es ist ein Roman über Gellhorn, über ihren Werdegang, ihre Erlebnisse in grausamen Kriegen und über alles, was sie in ihrem Leben erreicht hat. Aber es ist auch die Geschichte einer Beziehung.

Nicht umsonst heißt der Titel des Buches “Hemingway und ich”. An erster Stelle kam nämlich immer dieser Mann. Erst dann Gellhorn selbst. Und es ist erdrückend, die toxischen Einzelheiten dieser Verbindung in all ihren Widersprüchlichkeiten mitzuerleben.

Alles aus Eitelkeit?

Frau an Mann geklammertGellhorns Karriere als Kriegsreporterin begann an der Seite Hemingways. Sie hatte zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Werke herausgebracht und war mehr als geschmeichelt von der Aufmerksamkeit des verheirateten Hemingways.

“Ich war überwältigt. Ernest Hemingway hatte meine Arbeit gelesen und gemocht. Hatte sich an meinen Namen erinnert. Hatte das Buch so gut gefunden, dass er meine Signatur darin haben wollte.”

Gellhorns Mutter erkennt, dass aus der Freundschaft bald mehr werden würde und äußert deutlich ihre Bedenken zu der ungleichen Verbindung.

“Du glaubst doch nicht, dass ich es tatsächlich auf ihn abgesehen haben könnte?”, unterbrach ich sie. “Er ist mein Vorbild, Mutter. Ein großartiges, leuchtendes Vorbild und einer der Menschen, von denen es nur wenige gibt. Ich möchte lediglich eine Zeit lang in seiner Nähe sein und sein Licht aufsaugen. Ich verstehe nicht, wie du mir das übel nehmen kannst.”

Wir tun die unmöglichsten Dinge der Liebe zuliebe

Alles was danach geschieht, hat mich schon allein beim Lesen sehr angestrengt. Wie kann eine Frau nur so dumm sein, habe ich mich gefragt. Wie kann eine Frau sich nur so sehr gehen lassen und alles aufgeben für einen Mann? Ich konnte es verstehen und doch störte es mich gewaltig.

“Ich hatte ganz und gar nicht lange gebraucht, um Ernest alles nachzuplappern, mich wie seine Gehilfin zu verhalten.”

Aus der Bewunderung wurde schon bald Hörigkeit. “Aber was ist mit dir?”, fragt ihre Mutter. “Er ist eine große Persönlichkeit, so viel steht fest. Aber das bist du auch, mein Liebling. Verkaufe dich nicht unter Wert. In deinem Inneren bist du stärker als irgendjemand, den ich kenne.”

Ja, was ist mit ihr? Mit der erfolgreichen Journalistin und Kriegsreporterin, die sich in jedes Abenteuer wagte, oft allein als Frau unter unzähligen Männern war, die Wege ging, auf die sich niemand zuvor gewagt hatte?

Wir erfahren im Buch sehr viel über die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wir erleben die Geschichte aus der Sicht einer Frau, die vieles mit eigenen Augen erlebt hatte und die um ihre Selbstachtung und den Respekt vor sich selbst kämpfen musste.

“Es machte mich krank und traurig.”

Die Ehe der beiden verläuft schlecht wie erwartet. Alles muss so sein, wie Ernest es sich vorgestellt hat und schließlich möchte er auch noch ein Kind. Aber sie?

“Die Möglichkeit, allein zu reisen, würde sich in Luft auflösen, aber wann immer Ernest irgendwohin reisen musste, würde er es tun. Selbstverständlich würde er das, denn ich würde es ihm ermöglichen, indem ich zu Hause auf ihn wartete.”

So hatten es schließlich auch schon die zweite und erste Ehefrau von Ernest Hemingway getan.

Frau und Mann vor Sonnenuntergang

Konkurrenzdenken, Demütigung, Beziehungskrisen … die Liste der Konfliktherde in der Beziehung zwischen Gellhorn und Hemingway ist groß. Ich werde an dieser Stelle nicht über Hemingway urteilen. Okay doch: Ein Schwein in meinen Augen. Aber es soll nicht um ihn gehen. Meine Wut gilt Martha Gellhorn, die sich blind ausgeliefert, aufgeopfert und dabei naiv über ihre Vorgängerinnen geurteilt hat.

Ob ich zum Ende noch milde gestimmt werden konnte? Nunja, am Besten, du wirfst selbst einen Blick in das Buch.

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