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Kunst-Kollektive: Weg mit dem Ich, her mit dem Wir!

Gastartikel vom Künstler*innen Kollektiv Niemensch
Überall lauert er, der eingefahrene Egoismus, sei es gesamtgesellschaftlich, oder nur im Hinblick auf das letzte Stück Kuchen betrachtet. Das gute, alte Ego – sei es in Form einer Ellenbogengesellschaft (Wort des Jahres 1982) oder der  altbekannte Stolz, der mensch zynisch grinsend auf der Schulter sitzt.
Ein Floskelprescher pest um die Ecke: „Gemeinsam sind wir stark“, doch dahinter verstecken sich mehr als leere Worte, die der Kunstpause ihre Wirkung nehmen.

Auswahl an Bilderrahmen und Illustrationen

Kollektive seit den 70er Jahren

Ob nun in der Bildenden Kunst, im Literat*innen Wesen oder auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, dominierend ist die Konkurrenz. Das muss nicht so sein!

Bereits in den 1970er Jahren etablierten sich Betriebe, die sich als Kollektiv organisierten. Was damals als Alternative zum Kapitalismus galt, wird heute eher als Kompromiss verstanden. Dieser Kompromiss gewinnt immer mehr Befürwortung, sei es in der Produktion, der Gastronomie oder in der Kunst. Künstler*innen Kollektive schießen aus allen Ecken.

Doch wie kann das sein – in einem so ego-geprägten Bereich?

Kunst lebt von ihrer Vielfalt, der gegenseitigen Beeinflussung. Sei es in der Musik, der Malerei oder in der Literatur, so inspiriert und bedingt sie sich gleichermaßen. Nicht ohne Grund stecken in einem Buch oftmals mehr Köpfe als einer – denken wir allein schon an die Illustrierenden, Lektorierenden, Layoutenden und Schriftstellenden.

Die Arbeit im Kollektiv

Was unterscheidet das Arbeiten in einem Kollektiv von noch herkömmlichen Herangehensweisen, wie die des etablierten Buchhandels, Verlagswesens oder dem Self-Publishing? Um es direkt auf den Punkt zu bringen: Es gibt keine hierarchischen Strukturen. Jede Person agiert autonom in der Gruppe. So stehen beispielsweise Schriftstellende mit Lektorierenden auf einer Ebene, weg vom Personenkult hin zum Kollektiv.

Kunst, Kreativität und kollektives Chaos?

Illustration schwarz weißDoch wie kann mensch sich das vorstellen?
Ein chaotischer Haufen kreativer Fratzen finden zusammen? Nein und ja. Dadurch, dass mehrere Gehirne gemeinsam neue Ideen ausbrüten, werden auf der einen Seite bereits im Schaffensprozess mehrere Perspektiven beleuchtet, andererseits wird eine breitere Quantität gestellt, aus der sich die Qualität im gemeinsamen Nenner findet.

In gemeinsamer Absprache werden alle Thematiken, wie z.B. Zielführungen, Ideen, Aufgabenverteilungen oder Statements im Konsens entschieden. Jede Person integriert sich in Eigenverantwortung. Auch wenn es Arbeitsgruppen und Aufteilungen gibt, so verschwimmen diese zum einen oft, zum anderen schaffen sie eine weitführende Transparenz.

Aufgabenteilung und sich ergänzende Kollektive

Diese Gegebenheit findet sich vor allem in sich ergänzenden Kollektiven. So trägt jede Person ihren Schwerpunkt, sowie die Möglichkeit auf Perspektiven- und aufgabenübergreifende Wechsel mit sich. Es werden Lektorierende, Organisierende oder auch Schreibende zur konstruktiven Kritik- und Inspirationsquelle für Illustrierende.

Dieses Phänomen lässt sich in Wechselwirkungen auf alle Bereiche beziehen. Alle tragen die selbe Verantwortung für das gemeinsame Kunstwerk. Einige Künstler*innen Kollektive gehen darüber hinaus und stellen ganze Veranstaltungsreihen auf die Beine – das Ganze ohne leitende Autorität.

zwei scih umarmende Menschen

Das vorherrschende System

Trotzdem bleibt der Kompromiss zum vorherrschenden System nicht aus. Spätestens, wenn die Realisierung eines Projektes auf Tische geklatscht wird, stellen sich unzählige Fragen. In der Umsetzung ist der schmale Grad zwischen Anspruch und Realität omnipräsent, bedingt vom Privileg des Konsens sowie der, nicht zu überwindenden, gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten.

Jede Person ist der anderen gleichgestellt und bringt ihre Stimme, im eigenen Ermessen, ein. Nichts desto trotz erheben äußere Rahmenbedingungen eine nie vollends überschreitbare Grenze. Viele Kollektive schließen Kooperationen mit anderen. So können beispielsweise Lesungen, Ausstellung und Musik in ihren Elementen eine übergreifende Performance schaffen.

„Weg mit dem Ich, her mit dem Wir“, ist also zu revidieren. Das Individuum ist gleichermaßen vom Kollektiv, wie das Kollektiv vom Individuum, bedingt und geprägt.

Schreib‘ gerne in die Kommentare, mit welchen Kunst-Kollektiven Du schon Bekanntschaft gemacht hast. Wie und wo arbeiten sie?

Gastschreibende: Lukas J. Wittig und Paul Ninus Naujoks vom Künstler*innen Kollektiv "Niemensch"

Gastschreibende: Lukas J. Wittig und Paul Ninus Naujoks vom Künstler*innen Kollektiv "Niemensch"

Niemensch, ein junges Künstler*innen Kollektiv aus Kiel, entstehend aus der ersten Publikationsreihe des Kistenkollektivs dem „Kistentaucher“. Wir verknüpfen unterschiedlichste Genre und Kunstformen. Lesungen, Ausstellungen sowie musikalischer Ausdruck finden bei uns ihren Einklang. Vielfalt schafft Ganzheit.

Du hast noch Fragen? Dann schreib‘ eine Email an: kistentaucher@emailn.de oder niemensch@emailn.eu! Oder du schaust auf YouTube vorbei. Hier auch eine Auswahl der Illustrierenden des Kollektivs: Lorenz Kunath und Timo La auf Twitch.tv und Instagram.

Literaturpower möchte Leser*innen viele interessante und hilfreiche Informationen rund um das Thema Literatur, Bücher und Lesen bieten. Dafür kommen auch GastautorInnen zu Wort. Wenn du auch einen Gastartikel über ein spannendes Thema schreiben möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular unten auf dieser Seite: Über Literaturpower.

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