Schreiben ist kein Hobby, kein Zeitvertreib, nichts was sich eben mal so in den Alltag schiebt. Wer schreibt, spürt meist eine Notwendigkeit zu schreiben. Quasi ein Grundbedürfnis wie Essen, Schlafen und Atmen.

Für viele Schriftstellerinnen und Schriftsteller war die Veröffentlichung des ersten eigenen Buches bereits ein Kindheitstraum und der Weg dorthin durchaus beschwerlich. Es gibt zahlreiche Hürden wie die finanzielle Absicherung, passende LektorInnen, AgentInnen und Verlage zu finden und nicht zuletzt der innere Schweinehund, der das Schreiben immer mal wieder zur Qual werden lässt.

Teils mit einem Augenzwinkern, teils aber auch um ein wenig aufzuklären, habe ich hier mal ein paar Phrasen gesammelt, die eine Autorin oder ein Autor in dieser Form ganz sicher nicht sagen wird. Viel Spaß beim Lesen!

#1 “Mir ist egal, ob andere meine Bücher lesen, Hauptsache ich kann schreiben.”
Die Sprache ist das Haus des Seins.” hat schon Martin Heidegger gesagt und Recht hat er. Die Bibliotherapie und die Poesietherapie gehen beide davon aus, dass im Lesen und im Schreiben eine heilsame Kraft liegt, aber wenn dein Traum ist, vom Schreiben zu leben und ganze Bücher für die Nachwelt zu verfassen, dann reicht eben nicht, dass das Manuskript auf deinem Schreibtisch verstaubt. Der Mensch schreibt in erster Linie aus einem Bedürfnis heraus. Ein weiteres wichtiges Grundbedürfnis ist aber der Wunsch nach Anerkennung und die möchten Autorinnen und Autoren auch für ihre Bücher.

#2 “Klar schenke ich dir gerne ein kostenloses Leseexemplar!”
Darüber habe ich mal einen netten Absatz im “Handbuch für Autorinnen und Autoren” aus dem Uschtrin-Verlag gelesen, weiß aber leider nicht mehr in welchem Kapitel. Es ging um das Marketing kleiner Indie-Verlage und wie schwer es sei, allen Anfragen auf kostenlose Rezensionsexemplare wirklich gerecht zu werden. Gerade bei niedrigen Auflagen seien die Kosten für jedes Buch so hoch, dass es durchaus zur Belastung werden könne, bei Lesungen, Veranstaltungen, Wettbewerben usw. gleich mehrere Frei-Exemplare zur Verfügung stellen zu müssen. Ich kann mir denken, dass die Situation für Autorinnen und Autoren, die ihr Buch im Self-Publishing veröffentlichen, nicht so viel anders ist.

#3 “Als Autorin habe ich mit Kommasetzung, Rechtschreibung und Grammatik überhaupt keine Probleme.”
Gleich vorweg: Ich (und das als Literaturwissenschaftlerin) habe große Probleme mit richtiger Zeichensetzung. Menschen, die ganze Bücher schreiben, fällt es jedoch auch nicht viel leichter und ein bisschen beruhigt mich das. Auf Twitter oder Instagram lese ich immer mal wieder witzige kleine Anekdoten von Lektorinnen und Lektoren, die die Hände überm Kopf zusammenschlagen ob der Fehlerflut, die ihnen in Manuskripten begegnet. Nun ja, was soll ich sagen? Nobody is perfect.

#4 “Schlechte Kritiken kümmern mich nicht.”
Einer meiner letzten Artikel drehte sich um ganz besondere Amazon-Reviews. Manchmal kann einen das schon die Sprache verschlagen, wie streng, witzig oder sogar aggressiv Menschen die Lebenswerke anderer Menschen bewerten. Aus Gesprächen mit Autorinnen und Autoren weiß ich, dass negative Bewertungen die Schöpferin oder den Schöpfer eines literarischen Werkes durchaus nicht kalt lassen. Immerhin ist das Buch zu dem Zeitpunkt dann schon veröffentlicht. Ein Buch ist nicht einfach irgendein Prototyp, den du produziert und zu dem du dir möglichst viel konstruktives Feedback erhoffst. Das Feedback kommt am Besten von den Testleserinnen und Lesern oder den Lektorinnen und Lektoren, aber hinterher … ja, da kann das schon mal richtig weh tun.

#5 “Dieses Buch hat sich fast von allein geschrieben!” oder “Heute hatte ich schon wieder so einen super produktiven Tag.”
In “Porträt einer Ehe” von Robin Black hat Owen, einer der Protagonisten, der selbst auch Schriftsteller ist, eine langwierige, besonders belastende Schreibblockade. Sie nimmt ihm jeglichen Lebensmut, Selbstrespekt und die Kraft sich den Problemen seiner Ehe selbstbewusst zu stellen. Wer schreibt, weiß wieviel Recherche, Ausdauer, Disziplin und vor allem Geduld damit verbunden sind. Jede Autorin und jeder Autor kennt bestimmt diese Tage, an denen die Ideen einfach ausbleiben, kein Satz so richtig passen will und das Manuskript einfach nicht wächst. Kein Buch schreibt sich von allein.

#6 “Klar kannst du den groben Entwurf lesen. Das macht mir gar nichts aus!”
Haha! Dazu muss ich wohl nicht viel sagen. Bestimmt hat jede Autorin diese Freunde, denen man auch die ganz ungeschliffene Rohfassung zu lesen geben kann, aber in aller Regel – und darüber hat Stephen King in “Das Leben und das Schreiben” schöne Einblicke gewährt – geschieht die eigentliche Arbeit am Text dann, wenn alle groben Ideen niedergeschrieben sind. Aus dem Rohdiamanten wird erst in der Über- und Bearbeitung ein wahres Schmuckstück.

#7 “Ich habe keine Angst, dass mir jemand die Idee für meine Story klaut.”
Zur Zeit geht das Gerücht durch Facebook, dass im Online-Bereich im großen Stile Geschichten geklaut und unter Pseudonym neu veröffentlicht werden. Natürlich kann man gegen so etwas gerichtlich vorgehen, aber der Aufwand und die Kosten sind leider nicht gering. Auch auf vielen Plattformen wie Wattpad oder in AutorInnen-Foren berichten Schreibende von der Angst, ihre Ideen in die unbekannten Weiten des Internet zu entlassen. Wer liest mit? Was tut dieser Mensch vielleicht mit meinen Geschichten? Welche Nachteile können daraus für mich entwachsen? Vielleicht ein kleiner Trost an dieser Stelle: Niemand ist so gut wie das Original.

#8 “Das erste Buch war ein voller Erfolg, dann kann das zweite ja nur mindestens genauso gut werden.”
Dazu gibt es wieder ein tolles Kapitel im “Handbuch für Autorinnen und Autoren”: Es heißt treffend “Das schwierige zweite Buch – Vom Schriftsteller-Werden und -Bleiben”. Ein Beitrag von Philip Meinhold. Er schreibt: “Doch nach dem ersten Buch muss das zweite kommen – und Schriftsteller zu bleiben ist mindestens so schwer, wie es zu werden.” Und an späterer Stelle: “Zu dem Druck, den sich ein Autor selbst macht, kommen die Erwartungen von außen.” Und schließlich: “Auch ich musste mit meinem zweiten Roman noch mal über Los gehen. Ein erster Versuch, ihn zu schreiben, scheiterte; irgendwann schrieb ich nur noch zwei oder drei Sätze am Tag, schlitterte in meine erste ausgewachsene Schreibkrise hinein.” Ich hoffe, dass es nicht allen so geht und dass wem etwas am Schreiben liegt, auch wieder von der Muse geküsst wird. Geduld hilft.

#9 “Einen Verlag zu finden war für mich überhaupt kein Problem.”
Heutzutage läuft zum Glück nicht mehr alles über Verlage und AgentInnen. Diese haben absolute Daseinsberechtigung; sind wichtig für den Literaturbetrieb, die Leseförderung und die Erhaltung grundlegender Kulturtechniken. Sie bereichern mein Leben mit vielen wunderschönen gebundenen oder soften Buchausgaben. Ohne Verlage hätten wir sicher nicht die Lesekultur, die ich so schätze. Aber nicht jede Autorin und nicht jeder Autor erhält die Chance in einem renommierten Verlag veröffentlicht zu werden. Kürzlich hörte ich sogar von einem Autor die Kritik, dass ja heute immer mehr Menschen schreiben. Klar und deutlich antwortete ich darauf: Gut so! Und ich freue mich, dass es auch fernab der großen Verlage so viele Möglichkeiten gibt, Geschriebenes an die Leserinnen und Leser zu bringen.

#10 “Finanziell geht’s mir super!”
“Hungernde Poeten”, so betitelte Alem Grabovac seinen Artikel in der taz über die Misere vom Schreiben leben zu wollen. Den Artikel kann ich wirklich empfehlen und hoffe, dass er die eine oder den anderen dazu anhält mehr Bücher zu kaufen, zu verschenken und die Arbeit von Künstlerinnen und Künstlern insgesamt wertzuschätzen. Lesen bereichert doch unser Leben und warum sollen wir ein gut recherchiertes Buch nicht belohnen? So wie jeder Mensch für seine Arbeit wertgeschätzt und entlohnt werden möchte, müssen auch Autorinnen und Autoren angemessen gefördert werden. Lies vielleicht den Artikel aus der taz und denke dann einmal an das letzte richtig gute Buch, dass du gelesen hast. Ich glaube, das öffnet Augen.

Autorin und Autor sein, egal ob hauptberuflich oder nicht, verlangt einem Menschen schon einiges ab. In gewisser Weise ist es eine Opfergabe zu schreiben und dieser Tätigkeit zolle ich großen Respekt. Ich freue mich, dass so viele Werke veröffentlicht werden und damit für alle Leserinnen und Leser das passende Buch dabei ist. Trotzdem interessiert mich an dieser Stelle natürlich, was du glaubst (oder weißt), was Autorinnen und Autoren nicht sagen würden. Lass es uns in den Kommentaren wissen!

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1 Kommentar

  1. Janet

    Toller Beitrag, danke dafür 😉
    Ich habe gerade mein Debütroman veröffentlicht und gerade Punkt 8 kommt mir sehr bekannt vor.

    Antworten

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