fbpx

Die Wirkung von Sprache: Wörter mit 3D-Effekt

Gastartikel von Simone Zeisberg-Meiser

Worte – eine Ansammlung von Zeichen auf Papier. Wenn sie mit uns Menschen „in Berührung kommen“, verwandeln sie sich, gewinnen an Facetten, gehen in Resonanz mit unseren Erfahrungen. Wir sehen Buchstaben, fügen Silben zusammen, erkennen Worte.

Kaum haben sie sich unseren Augen offenbart, verwandeln sie sich in Gedanken und Bilder, die ganz persönlich mit uns und unserer Lebenssituation zu tun haben.

Leuchtschild

Was Bücher, Texte und Worte in uns zum Klingen bringen

Geht dir das auch so? Du liest und in dir ganz tief drinnen erklingt eine Vorlesestimme. Diese Vorlesestimme kennt dich genau und verbindet, was deine Augen lesen, mit deinen ureigenen Erfahrungen. Alle Informationen werden umgehend mit unseren Erfahrungen in Korrelation gesetzt und unser Kopf beginnt ungefragt, das Gelesene frech zu interpretieren, zu konkretisieren, zu interpretieren. So wird „ein Hund“ vorm geistigen Auge des einen zum Pudel, der andere assoziiert sofort einen Schäferhund. Und so lesen wir im Grunde zwar die gleichen Worte aber nicht denselben Text, tauchen in unterschiedliche Bilder und Geschichten ein, da wir das Gelesene innerlich postwendend mit unseren Erfahrungen abgleichen und interpretieren.

Wie wir mit Stimmen in Resonanz gehen

Egal ob mit Musik und Geräuschen unterlegte Hörspiele oder auch nur durch Hörbuchsprecher vorgelesene Bücher. Heute sind Hörbücher „in aller Ohren“. Es lässt sich prima abtauchen in Fantasiewelten, wenn wir in der vollen S-Bahn sitzen. Wir switchen auf unserem Kindle zwischen Lesen und Vorlesen. Die Sparte Hörbuch nimmt auf den Buchmessen einen immer breiteren Raum ein. Bei den Sprechern „scheiden sich die Geister“.

„Hast du das Hörbuch von… gehört? Boahh – ich konnte da einfach nicht lange zuhören!“

„Echt? Ich fand das voll gut!“

Woran liegt es, dass wir Stimmen sympathisch oder eher unsympathisch finden?

Wie Stimme und Körper unseren Worten Bedeutung geben

Zwei Frauen mit KopfhörernViele von uns hören tiefere Stimmen lieber, sie wirken beruhigend und gleichzeitig etwas geheimnisvoll. Ebenso sind Sprecher, die Raum zur Interpretation des gelesenen Textes lassen, ebenfalls beliebter, denn wir wollen als Hörer das Gehörte selbst gerne „einordnen“, fühlen uns „entmündigt“, wenn wir alle Interpretation vom Sprecher „vorgesetzt“ bekommen.

Das unterscheidet das Hörbuch von einem Hörspiel und noch mehr von einer Theaterbühne. Beim einfachen Vorlesen entstehen die Bilder in unserem Kopf – einem Raum, indem sich die Fantasie entfalten kann. Unser Körper merkt sich, welche Erfahrungen wir mit welcher Stimmlage, welcher Eigenheit der Sprache gemacht haben.

So kann es sein, dass unser Unterbewusstes, dass uns nach Meinung verschiedener Wissenschaftler bis zu 90% regiert, in der Stimme einer Hörbuchsprecherin das Stimmtembre der ungeliebten Sportlehrerin aus der Grundschule wieder erkennt, die uns damals mit schrillen Anweisungen vorgeführt hat. Wir reagieren mit Antipathie und Unwohlsein und realisieren oft gar nicht, wo unsere unguten Gefühle herrühren.

Die mächtige geheime Bedeutung unserer Worte

Aber auch wir selbst senden mehr oder weniger unbewusst Signale aus, sobald Worte unseren Mund verlassen. Unter dem im Theaterbereich verwendeten Fachbegriff „Subtext“ oder auch „Untertext“ verstehen wir das, was wir wirklich meinen, wenn wir Worte aussprechen. Und dieser Subtext sagt nicht so selten sogar das Gegenteil von dem, was wir verbal ausdrücken.

Schauspieler trainieren lange, die Satzbedeutung über den Subtext facettenreich zu beeinflussen. So kann der Satz: „Du hast mir gefehlt!“ eben auch so ausgesprochen werden, dass der Gegenüber sehr deutlich spürt, dass seine Abwesenheit in keiner Weise ein Problem war und der Sprecher das Alleinsein geradezu genossen hat. Unsere Stimme transformiert in einer ganz persönlichen und einmaligen Weise die Bedeutung unserer Worte – auch wenn wir nicht als Schauspieler auf der Bühne stehen. Sie offenbart unsere Stimmung ohne unser bewusstes Zutun.

Und: unsere Stimme kann nicht lügen. Wir alle kennen dieses merkwürdige Gefühl, wenn wir den Wahrheitsgehalt oder die Intention unseres Gegenübers plötzlich in Zweifel ziehen aber oft nicht so recht wissen, woher unser Gefühl kommt. Hier nehmen wir eine Diskrepanz zwischen der Stimme und der reinen Wortbedeutung war und unser Körper hat dafür einen feinen Sensor.

Körper und Stimme machen unsere Worte „dreidimensional“

Neben unserer umtriebig aktiven Stimme mischt sich obendrein auch unser Körper wie selbstverständlich in die Interpretation unserer Worte ein. Unsere Körperhaltung beim Sitzen, Laufen, Stehen – alles Puzzelteilchen, die einen gesprochenen Satz mit zusätzlicher oder neuer Bedeutung versehen. Nicht zuletzt unsere vielfältig und meist unbewusst agierende Mimik mit ihren unendlichen Fassetten, gibt dem Gesagten eine diffizile Bedeutung.

Wollen wir uns also wirklich verständlich machen, sollten wir uns nicht nur überlegen, was wir sagen möchten sondern auch wie wir es sagen wollen, welches Gefühl wir damit transportieren möchten. Soll unser Gegenüber spüren, dass wir aufgebracht, traurig, engagiert oder ratlos sind.

Buchcover Ob es sich um das Führen eines Personalgesprächs oder um eine Auseinandersetzung mit unserem Liebsten handelt, ein Aufzählen von Argumente, so klug sie auch sein mögen, trägt weniger zum Verstehen und zum Erfolg unserer Gespräche bei, als das Erkennen und Respektieren und der gegenseitigen emotionalen Ebene, die sich durch Stimme und Körper offenbart.

Tipp: Allen, die für gegenseitiges Verstehen eine handfeste Gebrauchsanleitung lesen möchten, empfehle ich dringend das Buch „Die Kunst des Verhandelns“ von Wolfgang Salewski, in dem man viel Spannendes zu den Gesprächsebenen auch außerhalb von zielführenden Verhandlungen lesen kann.

Gastautorin Simone Zeisberg-Meiser

Gastautorin Simone Zeisberg-Meiser

Simone Zeisberg-Meiser wurde 1964 in Zwickau Sachsen geboren. Sie war Mitglied des Rundfunk Jugendchores Wernigerode und genoss hier eine umfassende stimmliche Ausbildung. Nach einem Kompositionsstudium arbeitete sie als Regisseurin und unterrichtete Gesangsstudenten an verschiedenen Musikhochschulen. Als Theaterpädagogin gab sie für Schüler aller Altersstufen Unterricht im Fach Theater und später auch Yogaunterricht.
Eigene intensive positive Erfahrungen in der Entspannungs- und Körpertherapie führten zu Ausbildungen in beiden Bereichen. 2018 absolvierte sie die Ausbildung zur „Schmerztherapeutin nach Liebscher & Bracht“.

Simone Zeisberg-Meiser arbeitet heute als ganzheitliche Lerntherapeutin für Lese- und Rechtschreibschwäche beim Duden Institut Berlin-Hellersdorf. Sie praktiziert in Strausberg bei Berlin als Entspannungs-, Körper,- und Schmerztherapeutin und betreibt ihr eigenes Label – IndividualPrävention. Dabei sind die Stressprävention für Pädagogen und die Begleitung von Demenzkranken und ihrer Angehörigen erklärte Herzensanliegen.

Sie ist Autorin und Produzentin der Download-Plattform AudioApotheke, wo sie klassische Entspannungs- und Traumaübungen, aber auch Übungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und dem Schmerztherapiesystem nach Liebscher & Bracht als MP3 zum Download bereitstellt. (Bild © Emma Luisa Sachse)

Literaturpower möchte Leserinnen und Lesern viele interessante und hilfreiche Informationen rund um das Thema Literatur, Bücher und Lesen bieten. Dafür kommen auch GastautorInnen zu Wort. Wenn du auch einen Gastartikel über ein spannendes Thema schreiben möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular unten auf dieser Seite: Über Literaturpower.

Bücher, die dir helfen dein Leben zu verändern?

Hier geht's zum Motivations-Paket!

Wenn noch alles möglich ist

Manchmal fühlen wir uns in einer Situation “eingelockt” und wissen nicht mehr aus noch ein. Die Rahmenbedingungen geben uns das Gefühl der Enge und ein Ausweg ist vielleicht noch nicht sichtbar. Es gibt aber immer Hoffnung.

Bewältigungsstrategien der AussteigerInnen: Isolation oder Freiheit?

Manchmal gibt es diese Tage: Tausend Gedanken, aber keinen Plan wie dieses oder jenes Problem angegangen werden kann. Was tun wir dann?

Was tun bei Depressionen und Angst? Diese Graphic Novel hilft weiter.

Oft fällt es Betroffenen nicht leicht, Hilfe anzunehmen und über ihre Probleme zu sprechen. Ein feinsinniges, verständnisvolles und empathisches Buch kann die nötige Kraft vermitteln, die es braucht, weitere Schritte einzuleiten.

Die Gewalt um uns

Auch beim Erzählen sind es Worte über die wir unsere Bedürfnisse kommunizieren, uns Verständnis einholen und unsere Emotionen transportieren. Vielleicht deshalb sprudelt es auch aus Edouard nur so heraus, nachdem er Opfer einer Gewalttat geworden ist.

Jetzt konzentrier dich doch endlich mal!

Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen, den dritten Schritt vor den ersten machen und leicht mal die Spur verlieren. Kennst du das?

Nicht gegen den Tod, sondern für das Leben entscheiden

Manchmal ist es gut sich zu verkriechen, der Trauer Raum zu geben. Dann kommt aber auch wieder eine Zeit, in der wir Kraft schöpfen. Bist du soweit?

Lebendig: Ich möchte wieder etwas fühlen

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig lebendig gefühlt? Wann hast du das letzte Mal tief aus dem Bauch heraus gelacht oder so richtig schmerzvoll geweint? Fällt es dir leicht oder schwer, die eigenen Gefühle zu identifizieren und auch zuzulassen?

Wir können doch über alles reden!

Wie reagierst du, wenn sich jemand dir gegenüber im Ton vergreift und ausfallend wird? Äußerst du dein Missfallen oder lässt du vieles durchgehen?

Stelle dir diese Frage: Wie wichtig nimmst du dich wirklich?

Warum tun wir uns eigentlich oft so schwer dabei, uns selbst wichtig zu nehmen? Warum ist Selbstwertschätzung nicht selbstverständlich? Du willst dich selbst wichtig nehmen? Dieser Roman hilft dir dabei.

Glücklich und wertvoll mit Übergewicht? Ja!

Dass wir Menschen uns mit all unseren menschlichen Eigenschaften gegenseitig so sehr verachten, ist schlimm. Schönheitsideale. Wer braucht sowas? Ich stelle dir ein Buch vor, das Mut macht Schönheitsideale in Frage zu stellen.

Pin It on Pinterest