Struktur: Wieviel brauchst du?
Struktur: Wieviel brauchst du?
Struktur ist keine Pedanterie
Strukturen können natürlich einengen und sie können in Pedanterie ausarten. Der plötzliche Verlust von Strukturen jedoch, kann alles durcheinander bringen. Und genauso ist es Loet Zimmermann ergangen. Karolien Berkvens, geboren 1986, hat mit unserem Protagonisten eine Figur erschaffen, die nachvollziehbar, authentisch und auch ein bisschen ernüchternd ist. Loet Zimmermann ist nicht einfach ein alter, garstiger Mensch, der seinen Mitmenschen mit seinem Genörgel das Leben schwer macht. Wir erhalten intime Einblicke in seine Vergangenheit, seine Ängste und seine Beziehungen.

Organisation, Halt und Sicherheit
“Zimmermann liegt auf dem Rücken. Mit weit aufgerissenen Augen starrt er zur Decke und fährt mit den Händen suchend über den Boden, findet aber keinen Halt.”
Loet Zimmermann hat den größten Teil seines Lebens im Schuldienst verbracht. Nicht ausschließlich als Lehrer, denn mit den Jugendlichen kam er nicht gut zurecht. Seine Hauptbeschäftigung war das Organisieren von Stundenplänen: Blöcke effizient anordnen. Im Laufe der Geschichte erfahren wir einiges über Zimmermann. Dass er glücklich verheiratet war und seine Frau durch einen tragischen Unfall verloren hat. Wir lernen Daniel kennen, Zimmermanns Sohn, der es seinem Vater nie recht machen kann. Und wir erfahren einiges über die kleinen und großen Zwänge, die Zimmermann nach und nach in die Knie zwingen.
Auslöser dafür ist nicht zuletzt ein Überfall auf ihn, den er am Tag seiner Pensionierung erleidet. Übel zusammengeschlagen und frustriert über den Verlust seiner Armbanduhr, wird Zimmermann von einem Trauma heimgesucht, welches ihm jeglichen Halt und Struktur in seinem Leben nimmt. Schon einmal hat ihm das Schicksal übel mitgespielt. Aber dieses Mal ist der Schock und die Angst zu groß, um wieder Halt zu finden.
“Jetzt, gleich, jede Sekunde wird ein Finger auf die Klingel drücken. Auf die Klingel, die früher schlicht Besuch ankündigte, nun aber vor Eindringlingen warnt.”
Stark für das Leben
Irgendwie mutet es paradox an, dass Zimmermann einst seiner Frau vorwarf, den gemeinsamen Sohn zu sehr zu verwöhnen. Er würde so nicht stark genug für das Leben. Doch wenn man Loet Zimmermanns eigenes Leben betrachtet, dann wird schnell deutlich, dass vor allem er selbst kaum ohne Hilfe und klare Strukturen auskommt. Früher, als seine Frau noch lebte, war sie es, die seine Kleidung aussuchte. Sie plante den Garten und die gemeinsame Zeit. Selbst die Vater-Sohn-Beziehung hielt Lucy am Laufen. Wir lernen Loet Zimmermann kennen, als einen Menschen, der verdrängt und vermeidet. Ihm geht die Fähigkeit zur ehrlichen und offenen Kommunikation abhanden.
Er internalisiert. Das bedeutet, dass Zimmermann sich vieles denkt und oft uneins mit seiner Umgebung ist. Doch sein Starrsinn und sein Stolz verhindern eben die Äußerung seiner Bedürfnisse und damit vielleicht auch eine Besserung der Situation. In diesem Sinne ist nicht allein das Trauma durch den Überfall Auslöser für seine schwierige Entwicklung. Auch die Pensionierung und das auf sich selbst gestellt sein, tragen ihren Teil zum Unglück bei.
Strukturverlust und Mitgefühl
So negativ das klingen mag: “Zimmermanns Stunde” ist zwar ein trauriges und beklemmendes Buch. Es ist aber auch eine Geschichte, die mitreißt, Augen öffnet und Empathie vermittelt. Zimmermann und sein Sohn schreien sich in angespannten Situationen an, sie sind aber nicht ohne Mitgefühl und Liebe füreinander. Sehr feinsinnig beobachtet und analysiert Berkvens das zwischenmenschliche Verhalten ihrer Protagonisten. Es geht um Einsamkeit im Alter; darum wie unsere Kindheit Einfluss auf unser Sein hat und besonders um den Strukturverlust. Eine lesenswerte und aufwühlende Geschichte.
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Hier geht's zum Motivations-Paket!Wie Gedichte die Welt verändern können | Gastbeitrag von Jennifer Hilgert
Wie Gedichte die Welt verändern können
Gastartikel von Autorin Jennifer HilgertGegengift
Ich lebe das Lesen
Das Lesen belebt mich
Wir sind im Bald
Und rühren im Jetzt
Du und ich
versetzen den Wald
mit nur einem Wort
Mit ihm einen Berg
Der bewegt mich
sanft. Ein Buchstabe verändert die Sicht
Aus dir werde ich. Meine Liebe,
sei dir gewiss, wir lesen das Leben
Und werden Gedicht.

Darf ich dich fragen, wie dir das Gedicht „Gegengift“ gefällt? Hast du es laut gelesen? Wenn nicht, darf ich dich darum bitten, genau das jetzt einmal zu tun?
Und? Hat es jetzt anders auf dich gewirkt?
Was berührt dich besonders? Spricht es dich überhaupt an? Erschüttert, beglückt oder inspiriert es dich? Gar nicht? Dann haben wir jetzt noch kein Problem! Aber wir sollten uns schon die Frage stellen: Was wäre, wenn Donald Trump bloß das richtige “Gegengift” verabreicht bekäme?
Wir tragen die Poesie bereits in uns
In unserer digitalisierten Welt nehmen große Schlagworte auch einen großen Raum ein. Themen wie Unbeschwertheit, Sinnsuche, Gemeinschaft, Natur und Belanglosigkeiten rücken im Hinblick auf die Weltprobleme oft in den Hintergrund. Unsere Erfahrung lehrt uns Anpassung und Flexibilität in Alltag und Beruf gleichermaßen. Ein Oxymoron. Kindliche Denkmuster, derer man sich damals noch ganz naiv bedienen konnte, existieren zwar als Erinnerung, wie etwa die Fantasie oder das freie Spiel ohne Regeln, wir haben jedoch gelernt, dass es “Wichtigeres” gibt und Dinge, je älter man wird, mehr und mehr als “verboten” gelten.
Der Raum für Unerdachtes, Unerhörtes, das etwa aus Langeweile entwächst und beispielsweise in Poesie, Musik und Kunst umgesetzt werden könnte, liegt irgendwo in den Tiefen neben unserem inneren Kind verborgen und spielt verstecken. Wo sind sie hin, die unbeschwerten Tage unserer Kindheit? Die Zeit der Abzählverse, Reime und Schlaflieder? Zeit sie wieder zu beleben, findest du nicht auch?
Die Magie der Poesie
Wir sind hier auf Literaturpower und ich muss dir zum Glück nichts vom richtigen Buch erzählen. Das kann Trude ohnehin viel besser. 🙂
Dir ist sicher schon in dem ein und anderen Artikel mehr als bewusst geworden, wie das Lesen dein Leben bereichern kann. Nicht nur jedes Buch, jedes Wortbild, hat das Zeug etwas in dir zu verändern: Jeder Satz, jedes Wort. Und ja, auch jeder Buchstabe!
Womit wir augenblicklich bei Gedichten wären. Ein Buchstabe, der einem einzigen Wort einen ganz neuen Sinn einhauchen kann, ist eine nicht zu unterschätzende Kraft, die von lyrischen Fragmenten ausgeht. Da kann aus “Ich bin im Wald” schnell mal ein “Ich bin im Bald” werden. Du liest es oben, und schon wird aus einem veränderten Laut ein ganz neuer Sinn. Übrigens: Bald ist auch eine geografische Landschaft in Ostmitteldeutschland!
Ein Gedicht darf sich alles zum Thema machen. Bei William Carlos Williams war zum Beispiel ein Steinobst das immer und immer wiederkehrende lyrische Leitmotiv. Hans Magnus Enzensberger hat die zahllosen Baum-Gedichte übersetzt. Warum um alles in der Welt sollte man unzählige Gedichte über Pflaumen schreiben? Finde es heraus!
Gedichte können: Wachrütteln. Eingefahrenen Gedanken eine neue Spur geben. Gefühlvoll eindämmen, was zu viel Gewicht hat. Sprengen, was dich gefangen hält. Poesie als Widerstand! Als Stimme einer Minderheit. Gedichte stehen ein für das, was sonst längere Texte übernehmen. Sie bringen auf den Punkt, wählen Worte weise, verulken auch mal und stampfen ein, was nirgends festgeschrieben steht.
Sei selbst die Veränderung!
Wenn dich ein Gedicht anspricht, “sich dir zuspricht”, dann ist das ein inniges Gefühl, nicht? Bildhafte Vorstellungen bauen sich vor deinem geistigen Auge auf, du kannst die Lebendigkeit, die erzeugt wurde, förmlich greifen. Worthülsen werden mit Leben gefüllt, weil du dich deiner Fantasie bedienst.
Es ist ein Wow-Erlebnis! Vielleicht verspürst du jetzt auch die Lust, ein anderes Gedicht zu lesen oder selbst eines zu schreiben oder dich auf einem anderen Weg mitzuteilen. Möglicherweise magst du auch ein Bild malen. Deine Mutter anrufen. Bei einer Demo mitlaufen. Eine Pflaume essen.
Vielleicht magst du jetzt auch ein Lied komponieren, weil dich das Gedicht eben genau dazu inspiriert hat. Das wiederum könnte als Geschenk zu einer Familienfeier dienen – und schwupp – hätte es plötzlich das Zeug dazu, auch andere zu berühren. Das Gedicht. Du siehst, du kannst eine Kettenreaktion auslösen, wenn du nur etwas von deinem Gefühl abgibst, dem Gefühl, das dich offensichtlich befähigt hat, einen Schritt zu wagen, dich zu einer (Misse)Tat zu motivieren, die auch dein Umfeld berührt und dich weiterbringt.
“Ich mag aber keine Gedichte”
Du bist nicht eins mit dem Gedicht da oben? Das ist vollkommen in Ordnung! Nicht alles berührt uns, (be)trifft uns, befähigt uns zu mutigeren Taten, lauteren Worten, verrückteren Wagnissen oder selbstwertigeren Gedanken. Nicht jeder Text, jede Fotografie, jedes Gemälde, jedes Musikstück, jede Handlung eines Buches erschließt sich einem auf Anhieb.
Manches braucht Zeit, Variation, Weitsicht, vielleicht mehrmaliges hören, lesen, sehen, erfühlen.
Wahrscheinlich kommst du eher mit der angloamerikanischen Lyrik klar. Sie ist viel alltagsnaher, als viele der “tendenziell verkopften” “konstruierten” oftmals als starr empfundenen deutschen Lyrik, wie es Martina Weber anführt. Die Welt ist voller Gedichte, es gilt, das zu entdecken, das zu dir passt. Erinnerst du dich noch an die Schnitzeljagden, die wir als Kinder unternahmen?
Gedichte finden, die zu uns passen und die wir lesen, lieben und leben können, ist ein bisschen wie sich auf Schatzsuche begeben, weil wir immer etwas finden werden, dass bei uns bleiben darf und wird. Zugang zur Poesie zu finden, bedeutet, sein inneres Kind wieder zu treffen. Das “richtige” Gedicht, ist eine Entdeckung, bei der sich die Suche immer lohnt. Oder schließt du grundsätzlich Musik aus, bloß weil dir ein Lied nicht gefällt?

Wo findest du dein Gedicht?
Wenn du jetzt sogar Lust hast, selbst Gedichte zu schreiben, dann schau dir doch mal @Phoebe_nowisthetime auf Instagram an. Unter #PhoebesLyrikbox stellt sie jeden Sonntag neue lyrische Schreibaufgaben, derer man sich annehmen kann. Mittlerweile ist eine Community daraus erwachsen, die sich Woche für Woche Limmericks, Tankas, Konkreter Poesie, aber auch Themenaufgaben wie “Widerstand in der Poesie” in formfesten aber auch freien, experimentellen Texten hingibt.
Ich bin mir bewusst, dass eine lyrische Leseentdeckung, die im Bewusstsein einschlägt wie eine Bombe und ein komplettes Leben von jetzt auf gleich auf den Kopf stellt, ein seltener Wunsch ist. Veränderung ist immer Prozess. Doch was bleibt: Wir müssen Gedichte immer wieder und wieder lesen (wollen)! Ich bin mir ganz sicher, dass da dieses eine Gedicht wartet, das dich und deine eigene kleine Welt verändern könnte. Und damit vielleicht irgendwann auch das große Ganze. Wünschenswert wäre es allemal. Was wäre denn, wenn wir es nicht einmal in Erwägung ziehen würden, wir bräuchten die Poesie in unserem Leben, statt sie einfach zu töten?

Gastautorin Jennifer Hilgert
Ich bin Jennifer Hilgert, schreibe und veröffentliche Gedichte, Bücher und Blogtexte unter meinem Mädchennamen, damit er mir nicht abhanden kommt. Auf dem schönen Hunsrück bin ich 1986 geboren worden, lernte das Landleben, Kästner und Lindgren schätzen. Von 2014 bis 2017 lebte ich mit meinem Mann in San Francisco. Im Oktober 2016 sind wir dort Eltern einer Tochter geworden. Ich bin Gründungsmitglied des Poesievereins SternenBlick e.V. und arbeite als freie Reporterin für eine Mainzer Zeitung. Meine neuesten Buchveröffentlichungen sind “Tage wie Türkis”, die poetisch-philosophische Novelle rund um Amy, die sich in ihren Gedankengespräche mit ihrem Tagebuch May auf die Suche nach ihrem Seelenheil begibt und “Franciscos Erben”, eine Reisereportage für Antitouristen. Ich höre Punkrock, sammele Kaugummis und Schneekugeln und warte auf den Frühling. (Bild © Martin Janzik)
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Einfach mehr erleben
Was brauchst du, um endlich den Schritt nach draußen zu wagen? Wetterfeste Kleidung? Motivierende Zitate oder jemanden, der dich an die Hand nimmt und sagt: “Los geht’s!”? Nun, ich kann dir alles auf einmal bieten. Christo Foerster hat mit “Mikroabenteuer” den ultimativ-motivationalen Erfahrungsbericht geschrieben, der mitreißt und uns gleichzeitig vor Augen führt, warum wir bislang so blockiert schienen.
Ich muss endlich mehr erleben
Meine Schwester raubt mir den letzten Nerv.
Ständig bin ich auf Facebook mit all ihren wunderbaren Reisen, Abenteuern und außergewöhnlichen Erlebnissen konfrontiert. Der Neid auf meiner Seite ist groß und immer wieder denke ich – woher nimmt sie all den Mut, die Zeit, das Geld?

Genießt sie das Leben mehr als ich das tue? Vielleicht. Aber damit ist jetzt Schluss.
Denn ich habe “Mikroabenteuer” von Christo Foerster gelesen und auch wenn ich nicht sofort ins nächste Flugzeug nach Bali steigen kann: Das Wochenende steht an, die Wanderschuhe werden entstaubt und los geht’s!
Statt Weltreisen das Abenteuer vor der Haustür finden
“Wie oft denken wir: “Wenn ich genug Geld, genug Urlaub, genug Mut habe, dann …” Dann machen wir was ganz Großes, dann zeigen wir, was wir draufhaben, dann begeben wir uns auf das Abenteuer unseres Lebens.”
Und was passiert? Wir warten und warten und warten. Aber es muss nicht das große Abenteuer, die Weltreise oder ein ganz neuer Job sein. Wir müssen endlich lernen, auch die kleinen Spielräume und Möglichkeiten wahrzunehmen, die unser aktuelles Leben bereits für uns bereithält.
“Mikroabenteuer” lehrt uns, was Goethe schon vor vielen Jahren vermitteln wollte:
Willst du immer weiter schweifen?
Sieh, das Gute liegt so nah.
Lerne nur das Glück ergreifen,
Denn das Glück ist immer da.
#rausundmachen
Christo Foerster hat ein riesiges Projekt auf die Beine gestellt, das Tausende Menschen animiniert den Sessel Sessel sein zu lassen, den Rucksack rauszuholen und einfach mal raus zu gehen.
“Warum tut es so gut, einfach mal zu machen?”
Weil wir dem Trott mit Abwechslung begegnen, die Routine überlisten und uns neue Perspektiven und Erlebnisse gönnen.
Plötzlich sind es nicht mehr die gleichen Gassen und Läden, die uns Tag für Tag begegnen. Auf unseren Mikroabenteuern lernen wir völlig neue Wege, Blickwinkel und Menschen kennen. Die Stadt, von der wir dachten, dass wir sie kennen wie unsere Westentasche, wird uns ganz anders begegnen, als wir es gewohnt sind. Wir lernen wieder, wie wichtig die Natur für unser Wohlbefinden ist und der Körper darf auch mal ein bisschen an seine Grenzen kommen. Darauf ist er vorbereitet. Die Evolution will es so.
Einfach mal raus: mehr Erlebnisse nach Feierabend
»Als ich eines Nachmittags kurzerhand mit dem Fahrrad aufbrach, um über Nacht von Hamburg nach Berlin zu fahren, hatte ich keine Ahnung, dass diese Aktion mein Leben völlig auf den Kopf stellen sollte. Die Abenteuer, die oft so weit weg schienen, lagen auf einmal überall herum. Ich musste sie nur machen.«
In seinem Buch stellt uns Christo Foerster nicht nur eine ganze Reihe von Ideen und Ausrüstungstipps vor. Foerster gibt auch eine Menge von sich selbst preis und schafft es dadurch uns LeserInnen auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht jede möchte ein Reinhold Messner sein und sportliche Höchstleistungen liegen auch nicht allen.
“Um 15:30 Uhr, also keine 24 Stunden nachdem ich gestern aufgebrochen war, stehe ich wieder vor meiner Haustür. Deutlich erschöpfter, aber um ein Erlebnis reicher, das mich noch lange beflügeln wird – das ahne ich schon jetzt. “Ich habe das tatsächlich durchgezogen”, denke ich, als ich den Schlüssel herumdrehe. Gute Entscheidung.”
Wohin ist Christo Foerster da aufgebrochen und was hat er durchgezogen? Du erfährst es in seinem Buch “Mikroabenteuer”.
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Hier geht's zum Motivations-Paket!Die Wirkung von Sprache: Wörter mit 3D-Effekt | Gastartikel von Simone Zeisberg-Meiser
Die Wirkung von Sprache: Wörter mit 3D-Effekt
Gastartikel von Simone Zeisberg-MeiserWorte – eine Ansammlung von Zeichen auf Papier. Wenn sie mit uns Menschen „in Berührung kommen“, verwandeln sie sich, gewinnen an Facetten, gehen in Resonanz mit unseren Erfahrungen. Wir sehen Buchstaben, fügen Silben zusammen, erkennen Worte.
Kaum haben sie sich unseren Augen offenbart, verwandeln sie sich in Gedanken und Bilder, die ganz persönlich mit uns und unserer Lebenssituation zu tun haben.
Was Bücher, Texte und Worte in uns zum Klingen bringen
Geht dir das auch so? Du liest und in dir ganz tief drinnen erklingt eine Vorlesestimme. Diese Vorlesestimme kennt dich genau und verbindet, was deine Augen lesen, mit deinen ureigenen Erfahrungen. Alle Informationen werden umgehend mit unseren Erfahrungen in Korrelation gesetzt und unser Kopf beginnt ungefragt, das Gelesene frech zu interpretieren, zu konkretisieren, zu interpretieren. So wird „ein Hund“ vorm geistigen Auge des einen zum Pudel, der andere assoziiert sofort einen Schäferhund. Und so lesen wir im Grunde zwar die gleichen Worte aber nicht denselben Text, tauchen in unterschiedliche Bilder und Geschichten ein, da wir das Gelesene innerlich postwendend mit unseren Erfahrungen abgleichen und interpretieren.
Wie wir mit Stimmen in Resonanz gehen
Egal ob mit Musik und Geräuschen unterlegte Hörspiele oder auch nur durch Hörbuchsprecher vorgelesene Bücher. Heute sind Hörbücher „in aller Ohren“. Es lässt sich prima abtauchen in Fantasiewelten, wenn wir in der vollen S-Bahn sitzen. Wir switchen auf unserem Kindle zwischen Lesen und Vorlesen. Die Sparte Hörbuch nimmt auf den Buchmessen einen immer breiteren Raum ein. Bei den Sprechern „scheiden sich die Geister“.
„Hast du das Hörbuch von… gehört? Boahh – ich konnte da einfach nicht lange zuhören!“
„Echt? Ich fand das voll gut!“
Woran liegt es, dass wir Stimmen sympathisch oder eher unsympathisch finden?
Wie Stimme und Körper unseren Worten Bedeutung geben
Viele von uns hören tiefere Stimmen lieber, sie wirken beruhigend und gleichzeitig etwas geheimnisvoll. Ebenso sind Sprecher, die Raum zur Interpretation des gelesenen Textes lassen, ebenfalls beliebter, denn wir wollen als Hörer das Gehörte selbst gerne „einordnen“, fühlen uns „entmündigt“, wenn wir alle Interpretation vom Sprecher „vorgesetzt“ bekommen.
Das unterscheidet das Hörbuch von einem Hörspiel und noch mehr von einer Theaterbühne. Beim einfachen Vorlesen entstehen die Bilder in unserem Kopf – einem Raum, indem sich die Fantasie entfalten kann. Unser Körper merkt sich, welche Erfahrungen wir mit welcher Stimmlage, welcher Eigenheit der Sprache gemacht haben.
So kann es sein, dass unser Unterbewusstes, dass uns nach Meinung verschiedener Wissenschaftler bis zu 90% regiert, in der Stimme einer Hörbuchsprecherin das Stimmtembre der ungeliebten Sportlehrerin aus der Grundschule wieder erkennt, die uns damals mit schrillen Anweisungen vorgeführt hat. Wir reagieren mit Antipathie und Unwohlsein und realisieren oft gar nicht, wo unsere unguten Gefühle herrühren.
Die mächtige geheime Bedeutung unserer Worte
Aber auch wir selbst senden mehr oder weniger unbewusst Signale aus, sobald Worte unseren Mund verlassen. Unter dem im Theaterbereich verwendeten Fachbegriff „Subtext“ oder auch „Untertext“ verstehen wir das, was wir wirklich meinen, wenn wir Worte aussprechen. Und dieser Subtext sagt nicht so selten sogar das Gegenteil von dem, was wir verbal ausdrücken.
Schauspieler trainieren lange, die Satzbedeutung über den Subtext facettenreich zu beeinflussen. So kann der Satz: „Du hast mir gefehlt!“ eben auch so ausgesprochen werden, dass der Gegenüber sehr deutlich spürt, dass seine Abwesenheit in keiner Weise ein Problem war und der Sprecher das Alleinsein geradezu genossen hat. Unsere Stimme transformiert in einer ganz persönlichen und einmaligen Weise die Bedeutung unserer Worte – auch wenn wir nicht als Schauspieler auf der Bühne stehen. Sie offenbart unsere Stimmung ohne unser bewusstes Zutun.
Und: unsere Stimme kann nicht lügen. Wir alle kennen dieses merkwürdige Gefühl, wenn wir den Wahrheitsgehalt oder die Intention unseres Gegenübers plötzlich in Zweifel ziehen aber oft nicht so recht wissen, woher unser Gefühl kommt. Hier nehmen wir eine Diskrepanz zwischen der Stimme und der reinen Wortbedeutung war und unser Körper hat dafür einen feinen Sensor.
Körper und Stimme machen unsere Worte „dreidimensional“
Neben unserer umtriebig aktiven Stimme mischt sich obendrein auch unser Körper wie selbstverständlich in die Interpretation unserer Worte ein. Unsere Körperhaltung beim Sitzen, Laufen, Stehen – alles Puzzelteilchen, die einen gesprochenen Satz mit zusätzlicher oder neuer Bedeutung versehen. Nicht zuletzt unsere vielfältig und meist unbewusst agierende Mimik mit ihren unendlichen Fassetten, gibt dem Gesagten eine diffizile Bedeutung.
Wollen wir uns also wirklich verständlich machen, sollten wir uns nicht nur überlegen, was wir sagen möchten sondern auch wie wir es sagen wollen, welches Gefühl wir damit transportieren möchten. Soll unser Gegenüber spüren, dass wir aufgebracht, traurig, engagiert oder ratlos sind.
Ob es sich um das Führen eines Personalgesprächs oder um eine Auseinandersetzung mit unserem Liebsten handelt, ein Aufzählen von Argumente, so klug sie auch sein mögen, trägt weniger zum Verstehen und zum Erfolg unserer Gespräche bei, als das Erkennen und Respektieren und der gegenseitigen emotionalen Ebene, die sich durch Stimme und Körper offenbart.
Tipp: Allen, die für gegenseitiges Verstehen eine handfeste Gebrauchsanleitung lesen möchten, empfehle ich dringend das Buch „Die Kunst des Verhandelns“ von Wolfgang Salewski, in dem man viel Spannendes zu den Gesprächsebenen auch außerhalb von zielführenden Verhandlungen lesen kann.

Gastautorin Simone Zeisberg-Meiser
Simone Zeisberg-Meiser wurde 1964 in Zwickau Sachsen geboren. Sie war Mitglied des Rundfunk Jugendchores Wernigerode und genoss hier eine umfassende stimmliche Ausbildung. Nach einem Kompositionsstudium arbeitete sie als Regisseurin und unterrichtete Gesangsstudenten an verschiedenen Musikhochschulen. Als Theaterpädagogin gab sie für Schüler aller Altersstufen Unterricht im Fach Theater und später auch Yogaunterricht.
Eigene intensive positive Erfahrungen in der Entspannungs- und Körpertherapie führten zu Ausbildungen in beiden Bereichen. 2018 absolvierte sie die Ausbildung zur „Schmerztherapeutin nach Liebscher & Bracht“.
Simone Zeisberg-Meiser arbeitet heute als ganzheitliche Lerntherapeutin für Lese- und Rechtschreibschwäche beim Duden Institut Berlin-Hellersdorf. Sie praktiziert in Strausberg bei Berlin als Entspannungs-, Körper,- und Schmerztherapeutin und betreibt ihr eigenes Label – IndividualPrävention. Dabei sind die Stressprävention für Pädagogen und die Begleitung von Demenzkranken und ihrer Angehörigen erklärte Herzensanliegen.Sie ist Autorin und Produzentin der Download-Plattform AudioApotheke, wo sie klassische Entspannungs- und Traumaübungen, aber auch Übungen aus der Traditionellen Chinesischen Medizin und dem Schmerztherapiesystem nach Liebscher & Bracht als MP3 zum Download bereitstellt. (Bild © Emma Luisa Sachse)
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Warum machst du dir eigentlich solche Sorgen?
Lass die Sorgen bleiben, sie nützen doch nichts
Ich spreche vom Ende des Romans. Ohne an dieser Stelle wichtige Inhalte spoilern zu wollen, muss ich jetzt eine sogenannte Triggerwarnung ausprechen: im Roman geht es wiederholt um verbale und physische Gewalt und Vergewaltigung. Sollten diese Themen dich besonders belasten, empfehle ich dir, hier nach einem anderen Buch zu stöbern. “Die Farbe von Milch” jedenfalls, ist ein Roman voller Kontraste.
Wir erleben eine nahezu unumstößliche Ruhe auf der einen Seite und die Grausamkeiten des Lebens auf der anderen.
Mary, unsere Protagonistin, tritt in dieser gnadenlosen Welt als unfreiwillige Lebensphilosophin auf. Ihre naiven Gedanken – immer sehr direkt, fast ohne Takt vorgebracht – zeugen von Gelassenheit gegenüber den Hürden, die sich ihr im Leben stellen.
“Denk nach über die Worte, die du gerade gelesen hast, sagte er. Die Bibel sagt dir, dass du dein Herz öffnen und geben musst. Aber ich habe nichts mehr zu geben, sagte ich zu ihm. Denn ich habe schon alles gegeben, was ich habe. Ich drehte mich um und verließ die Kirche und ging zurück zum Haus.”
Gleichgültigkeit gegenüber dem, was nicht zu ändern ist
Eigentlich ist Mary noch ein Kind. Keine 15 Jahre alt, lebt sie auf dem Hof der Eltern eine Jugend voller Entbehrungen, Herausforderungen und Demütigungen. Eine kleine körperliche Behinderung, die sie seit ihrer Geburt hat, ruft oft den Zorn des gewalttätigen Vaters hervor. Aber auch mit ihm und der gleichgültigen Mutter hat sich Mary arrangiert. Als der Vater eines Tages das Mädchen zum Haus des Pfarrers schickt, um dort die kranke Frau zu pflegen, möchte Mary nichts mehr als bei ihrer Familie zu bleiben. Die kranke Pfarrersfrau begegnet dem jungen Mädchen schließlich sehr einfühlsam und verständnisvoll. Ähnlich warmherzig und vertraut gestaltet sich Marys Verhältnis zu ihrem Großvater.
Hör auf zu grübeln!
“Bist du manchmal unglücklich?” fragte ich. “Nie lange.” “Ich auch nicht”, sagte ich. “Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich über irgendwas traurig bin. Sonst werd ich einfach wieder fröhlich.”
Was Mary nicht ändern kann, nimmt sie gleichgültig hin. Nur die Liebe zu ihrem Großvater lässt sie hin und wieder aufbegehren. Ihr Großvater wiederum ist Mary gegenüber unermüdlich positiv eingestellt. Obwohl er nichts hat, nicht laufen kann und sich bis auf Mary niemand um ihn kümmert, jammert er nicht, sondern schenkt seiner Enkelin Kraft und liebevolle Zuwendung.

Am Leben nicht zerbrechen
“Schöner Tag heute, sagte ich. Und ich steckte mir eine Himbeere in den Mund. Findest du?
[…] Hast du das Leben jemals von der schlechten Seite aus betrachtet? fragte er. Ich werd noch genug Zeit haben darüber nachzudenken, sagte ich, wenn ich tot bin.”
Die Lektüre hat mich traurig gestimmt, aber sie hat auch Kraft gegeben und in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken angeregt. “Die Farbe von Milch” von Nell Leyshon ist die Geschichte einer lebensklugen jungen Frau, die mit klaren Augen die Welt sieht. Vielleicht ist es diese Klarheit, die Mary die Kraft gibt, am Leben nicht zu zerbrechen. Eine unbedingte Lese-Empfehlung!
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Hier geht's zum Motivations-Paket!10 Gründe, warum du Cosy Crime lieben wirst | Gastbeitrag von Erin J. Steen
10 Gründe, warum du Cosy Crime lieben wirst
Gastartikel von Autorin Erin J. Steen
Ich lese seit etwa 20 Jahren bewusst Cosy Crime. Möglicherweise kennst du es als Landhauskrimi, Häkelkrimi oder Frauenkrimi – all diese Bezeichnungen finde ich wenig zutreffend bis vollkommen unpassend und bleibe daher bei dem englischen Begriff (in England kennt man das Genre übrigens eher als Cozy Mystery, aber das nur am Rande).
Es ist das Genre, zu dem ich auch in stürmischen Zeiten immer wieder zurück finde. Es erdet mich. Es erfreut mein Herz. Und diese Freude möchte ich gern mit möglichst vielen Lesern teilen.
Welche Aspekte einen Cosy Crime Roman ausmachen, habe ich in meinem Beitrag „Was ist eigentlich Cosy Crime?“ thematisiert. Aber heute soll es eher darum gehen, was du als Leser davon hast, Cosy Crime zu lesen.
Du wirst Cosy Crime lieben…
…weil du genauso gut der Held sein könntest.
Im Gegensatz zu den meisten Krimis geht es in den meisten Cosy Crime Romanen nicht um Berufsermittler. Die Detektive sind häufig neugierige Zivilisten und bedienen sich deshalb ganz anderer Methoden als die Profis. Wir alle können die Helden im Cosy Crime werden, denn auch die Hauptfiguren in diesen Romanen kommen zu ihrer Aufgabe wie die Jungfrau zum Kinde. Kati Blum gerät in ihren ersten Fall, weil plötzlich zwei Vorstadtgangster in Bärenkostümen irgendwelche Klunker von ihr fordern.
…weil es dich an magische Orte bringt.
Schauplätze, die so schön sind, wie Orte, die wir nur noch als ferne Erinnerung wahrnehmen. Alles schlechte verblasst und nur die makellosen Ecken bleiben. Landleben wirkt romantisch und unsere Nasen riechen Blumen statt Kuhmist. In Three Pines, einem malerischen Künstlerdorf im kanadischen Quebec, gibt es ein Bistro mit Blick auf die drei Dorfbäume, in dem jeder Leser gern mal Essen würde. Anschließend würden wir mit einem guten Buch dort sitzenbleiben, bis die Welt untergeht.
…weil du mit deinen Macken nicht allein bist.
Wie im echten Leben haben wir es in Cosy Crime Romanen nicht mit perfekten Menschen zu tun. Sie alle haben Macken und Makel, die sie jedoch nicht daran hindern, ihren Weg zu gehen. Agatha Raisin trinkt gern mal einen Gin Tonic mehr als nötig und benimmt sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters wie ein verliebter Teenager, als sie ihren neuen Nachbarn kennenlernt. Mehr als einmal habe ich beim Lesen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Doch gerade wegen ihrer Macken ist Agatha ein interessanter Charakter, dem ich gerne durch die Fälle folge.
…weil du neue Hobbies und Berufsfelder kennenlernst.
In dieser Art von Krimi finden auch Hobbies und Alltägliches Platz. Gerade weil die Ermittler normalerweise andere Lebensmittelpunkte haben, als das Geschäft mit Mord und Totschlag, lernen wir als Leser ihr Umfeld anders kennen. Hobbydetektivin Harry lehrt uns nebenbei zum Beispiel viel über den Weinanbau in Virginia.
…weil die Realität dir nicht den Spaß verdirbt.
Im Cosy Crime muss nicht alles realistisch sein. Es geht nicht um eine lebensnahe Abbildung der Wirklichkeit. Echte Fälle geraten manchmal in Sackgassen, besonders lange zurückliegende Fälle lassen sich deshalb nicht mehr so einfach lösen. Schon gar nicht von Amateuren. So kommt es im Cosy Crime schon einmal vor, dass unser Ermittler wie Dr. Siri Besuch aus der Geisterwelt bekommt, um ihn auf die richtige Spur zu bringen.
…weil alles möglich ist.
Gerade weil von Cosy Crime kein übertriebener Realismus verlangt wird, ermöglicht das Genre es, Einflüsse aus allen möglichen Richtungen aufzunehmen. Natürlich kann Cosy Crime auch funktionieren, wenn es in der gleichen Welt auch Vampire, Gestaltwandler oder Hexen gibt. So gibt es in den schottischen Highland einen kleinen Ort, in dem in einem Restaurant ein magisches Kochbuch benutzt wird und auf Umwegen ein magisches Clangeheimnis ans Licht bringt.
…weil viel Platz für zwischenmenschliche Themen bleibt.
Im Leben gibt es meist nicht nur eine dominierende Thematik. So gibt es auch im Cosy Crime Roman nicht nur den Fall, sondern auch Romantik, Freundschaft und Familienleben. Ja, es kann sogar irgendwie um Glauben gehen.
Merrily Watkins tritt in Ledwardine, einem kleinen Ort ganz im Westen Englands – fast in Wales – ihre erste Stelle als Pfarrerin an. Die Witwe mit einer halbwüchsigen Tochter trifft nicht nur bei ihrer Gemeinde bisweilen auf Vorurteile, sie soll auch noch das belastete Thema Exorzismus wiederbeleben. Dass ihre Tochter Jane mit dem ganzen Humbug – wie sie es nennen würde – nicht so gut zurecht kommt, führt ebenfalls zu Konflikten. Doch es hilft alles nichts, Merrily muss irgendwie ihren Fall lösen.
…weil es nicht immer Mord und Totschlag braucht.
Die Nachrichten berichten fast täglich von grausamen Taten, aber im Cosy Crime können sich die Ermittler auch mal mit ganz anderen Fällen befassen. Ein Rätsel ist nicht deshalb spannend, weil Menschen sterben, sondern ein Rätsel lebt von sich selbst.
So geht es in Nathalie Ames erstem Fall um ein Bild, das nicht das Bild, aber doch das Bild ist. Mit dieser mysteriösen Beschreibung begegnet ihr der Fall zum ersten Mal, doch wie die meisten Anderen nimmt sie die Aussage nicht ernst. was soll das schon heißen? Es ist nichts verschwunden, es wird niemand bedroht – kein Grund zu ermitteln, oder?
…weil es keine (echten) Hindernisse gibt.
Im Vergleich zur Realität sind beispielsweise überdurchschnittlich viele Cosy Crime Ermittler weiblich. Es gibt keine echten Zutrittsbarrieren für unsere Ermittler. Religion, Ausbildung, Geschlecht, Alter… all das spielt keine Rolle. Wirklich jeder kann mitmachen.
Die jüngsten mir bekannten Ermittler haben das Teenageralter noch nicht erreicht und die ältesten sind als Rentner noch sehr aktiv. Flavia de Luce ist elf Jahre alt, als sie ihren ersten Mordfall lösen muss. Natürlich will die örtliche Polizei sie zunächst nicht so recht ernst nehmen, aber dieses Problem hatten alle unsere Amateure irgendwann einmal. Und Flavia wäre nicht Flavia, wenn sie dafür keine Lösung hätte.
…weil am Ende jeder kriegt, was er verdient.
Im echten Leben begegnen wir viel zu häufig Ungerechtigkeiten, die uns mit Bauchweh zurücklassen. Im Cosy Crime wird sowas nicht gern gesehen. Hier wird mit jedem abgerechnet – Die Guten werden belohnt und die Bösen bestraft. Auch wenn das manchmal ein Drahtseilakt ist.
Ein gemütliches Krimi-Literaturverzeichnis

Birgit Gruber – Kati Blum: Ohne Wenn und Aber
Louise Penny – Denn alle tragen Schuld
M.C. Beaton – Agatha Raisin und die tote Gärtnerin
Rita Mae Brown – Die kluge Katze baut vor
Colin Cotterrill – Dr. Siri sieht Gespenster
Felicity Green – Der Teufel in der Küche
Phil Rickman – Mittwinternacht
Ellen Barksdale – Tee Kaffee Mord? Der doppelte Monet
Alan Bradley – Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet
Wenn dir das Genre gefällt, bist du auch herzlich in der Facebookgruppe „It’s Cosy Crime – Für alle, die Krimis mögen“ willkommen.
Ich würde mich unheimlich freuen, wenn du in den Kommentaren noch ein paar Cosy Crime Tipps für mich und die anderen Leser hättest. Das Feld ist in den letzten Jahren unheimlich gewachsen und ich habe noch längst nicht alles kennengelernt, was es zu entdecken gibt.

Gastautorin Erin J. Steen
Als Autorin legt sich die 35-jährige Erin J. Steen nicht auf ein Genre fest. Sie schreibt aus dem Leben und das wichtigste Element in ihren Büchern sind ihre facettenreichen Figuren. Ihre Cosy Crime Romane um die Yogalehrerin Emi Moorkamp, die immer wieder in Kriminalfälle verwickelt wird, erfreuen sich deshalb besonders großer Beliebtheit. Ihr nächster Roman, der im Frühjahr erscheint, wird jedoch ohne kriminalistische Fallstricke auskommen.
Auf ihrem Blog erinjsteen.com beschäftigt sich Erin seit 2016 mit dem Schreiben und dem alltäglichen Spagat, den es bedeutet, gleichzeitig berufstätige Frau, Mama, Autorin und Bloggerin zu sein.
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Hier geht's zum Motivations-Paket!Anatomie der Frau: Deshalb wissen wir so schlecht Bescheid.
Anatomie der Frau: Deshalb wissen wir so schlecht Bescheid.
Kennst du den Unterschied zwischen Vulva und Vagina? Ähm … ich kannte ihn nicht. Ehrlich. Bei den männlichen Geschlechtsorganen kenne ich mich anscheinend besser aus. Und wusstest du beispielsweise, dass die Klitoris nicht nur wenige Millimeter groß ist, sondern bis zu 10cm in den Körper hineinragt? Wenn du das tatsächlich wusstest, hast du Glück, denn erst 1998 (!) wurde diese Erkenntnis verbreitet und hat selbst heute noch längst nicht ihren Weg in alle Schul- und Aufklärungsbücher gefunden.
Wie konnte so etwas passieren und warum ist unser Verhältnis zu den weiblichen Geschlechtsorganen anscheinend irgendwie gestört? In “Der Ursprung der Welt” klärt uns Liv Strömquist darüber auf und schafft Abhilfe.
Titel: Der Ursprung der Welt
Autorin und Illustratorin: Liv Strömquist
Übersetzerin: Katharina Erben
Verlag: Avant Verlag
Die Kulturgeschichte der Vulva
Liv Strömquist ist ein Universaltalent. Sie ist Comiczeichnerin, Radiomoderatorin, Politikwissenschaftlerin, Feministin und noch so vieles mehr. Während wir ihre Werke betrachten, werden wir Zeuginnen und Zeugen ihres mannigfaltigen Genies. Ich könnte mich jetzt in großen Lobgesängen über diese Frau verlieren, aber eigentlich möchte ich dir ja ihre Graphic Novel vorstellen. Vielleicht sollte ich auch besser sagen “Graphic Essay”, denn die Autorin erzählt zwar Geschichten in ihrem Werk, jedoch handelt es sich hier um eher sachliche Themen, genauer gesagt um die Kulturgeschichte der Vulva.
Eingangs habe ich die Unkenntnis und die damit einhergehende Unsicherheit erwähnt, die leider oft unser Verhältnis zu den eigenen Geschlechtsorganen begleitet. Strömquist deckt jedoch auf, dass unser gestörtes Verhältnis nicht allein auf Unkenntnis, sondern vielmehr von einer falschen Beschäftigung durch viele verschiedene Männer der Weltgeschichte herrührt.

Strömquist über das weibliche Geschlechtsorgan:
“Was ist das überhaupt? Und warum verbindet die Menschheit eine so extrem unentspannte, borderline-mäßige Hassliebe mit diesem Körperteil?”
Und wir können weiter fragen: Warum wird dem Orgasmus des Mannes so viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, als dem der Frau? Warum legen wir uns immer noch allzuoft auf ein binäres Geschlechtssystem fest und operieren gesunde Kinder, nur damit sie in dieses System passen? Was ist es, das Menstruation gesellschaftlich tabuisiert hat?
Erfrischender Feminismus gegen gezielte Herabsetzung
Die Radikalität, mit der Strömquist hantiert, reißt Mauern ein, weckt Neugier und lässt Hemmungen schwinden. Die Lektüre ist somit zutiefst erfrischend und befreiend. Ich habe beim Lesen mehrere Male laut aufgelacht, mich manches Mal für meine eigene Ignoranz geschämt und dann wiederum bin ich wütend geworden, dass wir so eine lange Zeit nicht gegen die gezielte Herabsetzung unseres Körpers angegangen sind.

Die Vagina ist nunmal nicht nur eine Scheide und damit ein Gefäß für den Penis. Es ist einfach falsch, auch biologisch aber noch viel mehr gesellschaftlich, sie als Mangel zu definieren, denn es handelt sich hier um ein eigenständiges Organ, das vielschichtig und in seiner Komplexität einfach völlig unbeachtet und unterschätzt worden ist.
Um es mit den Worten von Jan-Paul Koopmann zu sagen:
“Mit Strömquist anlegen möchte man sich dabei aber nicht: Sie führt ihre Gegner vor, entlarvt sie als verklemmte Sexisten – macht sie als Trottel lächerlich. Und das mit beachtlicher Schlagfertigkeit und im Comic geschickt inszeniertem Wortwitz. […] Beim Umblättern haut sie einem Pointen in gefetteten Riesenlettern um die Ohren, redet sich dann wieder seitenlang in Kleinstbuchstaben in Rage – und garniert ihren Vortrag auch visuell mit flapsigen Randbemerkungen. Natürlich weiß die Radiomoderatorin Strömquist, dass Sprache eben auch klingen muss.” (Quelle: Spiegel)
Wir müssen keine radikalen FeministInnen sein, um anzuerkennen, dass immer noch patriarchale Machtverhältnisse gelten. Liv Strömquist übt scharfe Kritik und lässt auch ihre Leserinnen und Leser noch besser verstehen, welchem Irrsinn wir tagtäglich ausgesetzt sind. Ein ganz wundervolles Werk, dessen Lektüre in jedem Fall lohnt, bereichert und stärkt.
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Hier geht's zum Motivations-Paket!Eleanor Jung liest
Person des öffentlichen Lesens: Eleanor Jung
In Büchern steckt das Potenzial, unser Leben zu verändern. Hier verraten dir Menschen aus dem öffentlichen Leben, welche Rolle Bücher und Literatur in ihrem Leben spielen.
Person des öffentlichen Lesens: Eleanor Jung
In Büchern steckt das Potenzial, unser Leben zu verändern. Hier verraten dir Menschen aus dem öffentlichen Leben, welche Rolle Bücher und Literatur in ihrem Leben spielen.
Eleanor Jung, auch bekannt als „Ellie“, ist Schauspielerin und Sängerin. Im Juni 2018 erschien ihre Autobiographie “Jedem ein Stück vom Glück”. Darin lernen wir Eleanor kennen, wie sie mit 8 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne steht. Mit 16 zieht sie gegen den Widerstand der Eltern von zu Hause aus und beginnt eine Ausbildung an einer Schauspielschule. Heute lebt sie für die Kunst, die Schauspielerei und vor allem für die Musik. Ihre Songs erzählen von einem aufregenden Leben, das sehr hohe Höhen und sehr tiefe Tiefen kennt.
Eleanor Jung, auch bekannt als „Ellie“, ist Schauspielerin und Sängerin. Im Juni 2018 erschien ihre Autobiographie “Jedem ein Stück vom Glück”. Darin lernen wir Eleanor kennen, wie sie mit 8 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne steht. Mit 16 zieht sie gegen den Widerstand der Eltern von zu Hause aus und beginnt eine Ausbildung an einer Schauspielschule. Heute lebt sie für die Kunst, die Schauspielerei und vor allem für die Musik. Ihre Songs erzählen von einem aufregenden Leben, das sehr hohe Höhen und sehr tiefe Tiefen kennt.
Du könntest mit einer Romanfigur einmal die ganze Nacht durchquatschen. Mit wem würdest du das gerne tun und worüber würdet ihr reden?
In “Die Schönheit der Nacht” von Nina George gibt es eine Nebenfigur: Jeanne. Sie ist Schriftstellerin. Nach einer Familientragödie nimmt sie ihre vier Enkel zu sich und erzieht diese zu selbstbewussten und charakterstarken Persönlichkeiten. Ich würde nur zu gern erfahren, wie sie selbst zu dieser selbstbestimmten Frau geworden ist, um vielleicht den ein oder anderen Tipp für mein Leben mitzunehmen.
Welchen Ort verbindest du auf besondere Weise mit Literatur? Dieser kann real, virtuell oder ausgedacht sein.
Früher war es die Bibliothek in meiner Heimatstadt. Heute lese ich vor allem Bücher, die mir die Buchhändlerin in meinem Kiez-Buchladen empfiehlt. Ich vertraue auf ihr Urteil und bisher waren ihre Empfehlungen immer spitze. Alle zwei bis drei Monate schaue ich im “Ocelot” vorbei und verschaffe mir dort meinen Lesestoff.
Gib den kommenden 6 Monaten deines Lebens einen eigenen Romantitel!
Schwierig. Ich plane nicht so gerne und gerade ist es auch nicht immer alles so einfach und absehbar für mich. Vielleicht wäre ein passender Titel: “Eleanor gibt nicht auf”.
Ein Mensch, der dir nahesteht, ist kürzlich ausgewandert. Welches Buch schickst du ihm als Erinnerung an dich?
Als ich vor einigen Jahren mal für meine Ausbildung in die USA gegangen bin, hat mir meine beste Freundin tatsächlich einen Roman mitgegeben. Er hat mich damals sehr berührt, aber den Titel konnte ich trotzdem nicht behalten. Ein Buch das mir sehr wichtig ist, ist “Die Mitte der Welt” von Andreas Steinhöfel. Ich kam gerade in die Pubertät als ich es zum ersten Mal las und fühle mich bis heute mit den Charakteren darin verbunden. Sie sind ein bisschen anders und müssen sich gegen Anfeindungen wehren. Trotz der Stärke, die sie dafür aufbringen, sind sie sehr sensibel und achten aufeinander. Mir hat das Buch damals viel gegeben und manchmal denke ich an die Story und Figuren zurück, wenn ich mir Mut für eine neue Herausforderung zusprechen muss.
Beende den Satz: Lesen ist für mich …
Lesen ist für mich ein Zugang in fremde Lebensrealitäten und eine Bereicherung durch neue Perspektiven. Ein gutes Buch kann für mich mal Flucht aus dem Alltag sein und ein anderes Mal finde ich darin die Antworten, die ich für mein eigenes Leben brauche. Besonders im Urlaub habe ich eigentlich immer ein Buch dabei.
Eleanor Jung
Eleanor Jung findest du auf Instagram, Facebook und neuerdings auch auf Twitter.
Besuche Eleanor auf ihrer Website: eleanor-jung.de
Es gibt Träume, die lebst du bereits!
Es gibt Träume, die lebst du bereits!
Dass Gras auf der anderen Seite viel grüner ist, lernen wir schon früh. Und auch sonst haben Gemeinplätze ihren festen Platz in unserem Leben: Manches schieben wir nicht auf morgen, was wir heute besorgen können; der frühe Vogel bekommt den Wurm zum Frühstück und klar ist auch, dass was glänzt nicht unbedingt Gold sein muss. Gerade wir Deutschen lieben es ja (dem Vorurteil nach), Regeln für unser Leben aufzustellen.
Struktur und ein roter Faden – sowas tut doch gut, oder? Da passiert es schon mal, dass der ein oder andere Traum auf der Strecke bleibt, weil er nicht in unsere festen Gefüge passt. Journalist Manuel Möglich (was für ein wunderbarer Name!) geht in “Alles auf Anfang” den Träumen auf die Spur.
“Alles auf Anfang stellen, eine neue Grundierung auftragen, um mit frischen Farben ein verheißungsvolles Bild zu malen. Und das nicht alleine, sondern gemeinsam mit anderen, jeder kriegt einen Pinsel und darf mit ran.”
“Auf den Spuren gelebter Träume”
Möglichs zweites Buch trägt den erfrischenden Untertitel “Auf den Spuren gelebter Träume”.
An dieser Stelle möchte ich einmal betonen, wie gerne ich Bücher lese, die von JournalistInnen verfasst wurden. Diese Berufsgruppe ist oft in besonderer Weise imstande, ihren Witz und ihre Klugheit in schön geformte Sätze zu verpacken. “Alles auf Anfang” zu lesen, macht einfach Spaß.
Beim Lesen stelle ich mir einen Manuel Möglich vor, der es endlich geschafft hat seine Jacke an- oder auszuziehen – siehe Buchcover – und der mit einem verhaltenen Schmunzeln auf den Lippen und vielleicht auch mit strahlenden Augen sehr vielen Menschen in dieser Welt begegnet. Von ihnen erfährt Möglich etwas über wahre Träume und Lebensentwürfe, aber auch über Enttäuschungen und Illusionen. Das Episoden-Buch ist eine Art Reisebericht, gespickt mit Lebensweisheiten.
Manuel Möglich begibt sich auf die “Spuren gelebter Träume” und reist zu Orten, die voller Visionen und Möglichkeiten stecken. Auf seinem Weg lernt er einiges über sich und das Leben. Dieser besondere Erfahrungsbericht nimmt uns mit zu Menschen, die ohne Geld leben, zu AktivistInnen und Abenteurern. In 11 Stationen geht es einmal um die Welt.
Was ist denn schon normal?
“Im Social-Media-Zeitalter wird das Ich nonstop inszeniert, das Bedeutungslose mit Hashtags und Foto-Postings aufgeladen und überstrapaziert – wie das funktioniert ist bekannt. Doch wie lässt man das Ego hinter sich?”
Ich mag, wie ambivalent und differenziert Möglich seine Eindrücke zeichnet. Manchmal bleibt ein Urteil nicht aus, aber auch das gehört zum Markenzeichen des erfolgreichen Journalisten.
Im Video fragt Möglich, ob wir nicht mal mit einer positiven Geschichte etwas verändern könnten. Können wir.
Dank des Unbehagens, das Möglich auf seinen Reisen begleitete, stecken seine Geschichten voller Perspektiven und der Gewissheit, dass “normal sein” längst einer universellen Grundlage entbehrt.

Wir alle wollen unsere Träume nicht aus dem Blick verlieren, aber wohin geht die Reise, wenn wir uns ihnen ganz und gar widmen?
Dass Du und ich viele Träume bereits leben, verrät Möglich im Schlusswort des Buches: Eine wirklich schöne und inspirierende Passage, über die ich aber an dieser Stelle nichts weiter verraten möchte.
Viel Spaß beim Lesen und Träumen!
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Bücher, die dir helfen dein Leben zu verändern?
Hier geht's zum Motivations-Paket!Viel gelesen ist gut geschrieben | Gastartikel von Ann-Christin Schmitt
Viel gelesen ist gut geschrieben
Gastartikel von Schreibcoach Ann-Christin SchmittEinen guten Ausdruck, eine überzeugende Wortwahl, eine tolle Schreibe – entweder man hat das Talent zum Schreiben oder eben nicht.
Falsch!
Die Fähigkeit Worte zu Papier zu bringen lässt sich nämlich durchaus trainieren. Schreibcoach Ann-Christin Schmitt verrät im Gastbeitrag, wie das funktioniert.
Lesen ist schon eine tolle Sache: Man kann eine Zeitreise unternehmen, fremde Länder entdecken und Abenteuer erleben ohne dabei das Sofa verlassen zu müssen. Außerdem förderst Du ganz nebenbei Deine Schreibfertigkeiten und arbeitest an der Qualität Deiner Texte. Ob Du nun beruflich viel schreiben musst oder Dich literarisch austoben möchtest – Lesen ist ein Schlüssel zu guten Texten.
Größerer Wortschatz und besserer Ausdruck
Wenn Du ein guter Koch werden möchtest, dann wirst Du viele Stunden in der Küche verbringen; wirst Rezepte ausprobieren und vor allem Kochkurse besuchen. Wenn wir ein Meister in einer bestimmten Tätigkeit werden wollen, dann kommen wir nicht drum herum zu üben und von den Profis zu lernen. Klingt doch erstmal ganz logisch, oder? So wie mit dem Kochen verhält es sich mit dem Lesen und dem Schreiben. Wer viel liest – also von den Profis lernt –, wird mit der Zeit immer besser beim Schreiben.
Häufiges Lesen sorgt dafür, dass sich Dein Wortschatz vergrößert – zum Beispiel fallen Dir viel mehr Synonyme für bestimmte Worte ein. Ein größerer Wortschatz wiederum sorgt für einen besseren Ausdruck. Denn Dein Text gewinnt enorm an Qualität, wenn Du statt laufen auch Worte wie rennen, spurten, schlendern, düsen, hasten, flitzen, gehen, schreiten, wandern, watscheln oder spazieren benutzt.
Und tatsächlich ist das jetzt nicht nur meine persönliche Erfahrung – sondern auch ein Ergebnis aus Studien der California State University Northridge und des National Endowment of the Arts.
Lesen fördert die Kreativität
Vielleicht kennst Du das auch: Manchmal fehlt einem beim Schreiben einfach der zündende Gedanke, ein außergewöhnlicher Aufhänger, ein flüchtiges Küsschen von der Muse. Um gute Texte zu schreiben, ist ein gewisses Maß an Kreativität hilfreich. Die entsteht in den meisten Fällen durch Impulse von Außen, die uns zum Nachdenken bringen und uns inspirieren.
Beim Lesen tauchen wir in neue Geschichten ein, sehen die Welt durch andere Augen und stecken die Nasen in fremde Köpfe. So werden wir mit anderen Ansichten konfrontiert, mit denen wir uns ansonsten möglicherweise nicht beschäftigt hätten. Das erweitert nicht nur Deinen Horizont, sondern löst oft auch neue Gedankengänge aus. Der Kreativität lässt sich also durchaus etwas auf die Sprünge helfen.
Vielleser sind empathischer
Als ich für diesen Artikel recherchiert habe, bin ich auf eine überraschende Studie des Psychologen Keith Oatly gestoßen, die besagt: Menschen, die viel lesen sind empathischer und können sich besser in andere Menschen hineinversetzen. Jetzt ist Empathie ja grundsätzlich schon mal eine ganz nette Eigenschaft; mit Blick auf gelungene und überzeugende Texte aber besonders hilfreich.
Sei es ein Roman, Fiktion oder Lyrik – literarische Texte brauchen Protagonisten. Um solche Charaktere zu entwickeln, ist es notwendig sich in die Gefühlswelten und die Gedankengänge der jeweiligen Personen hineinzuversetzen. Auch für businessbezogene Texte wie Fachartikel oder Websitetexte ist Empathie nicht zu verachten. Denn derjenige, der sich in seine Zielgruppe hineinversetzen kann, weiß auch wo er sie am besten abholen kann.
Keine Zeit zum Lesen?
Immer wieder höre ich diesen Satz: „Natürlich würde ich gerne mehr lesen, aber ich habe einfach keine Zeit“. Erst einmal hast Du so viel Zeit wie Du sie Dir nimmst. Zweitens geht es nicht darum, sich jeden Tag mit einem dicken Schinken für drei Stunden auf dem Sofa zu verkrümeln und die Welt zu vergessen. Natürlich, das ist eine tolle Sache, aber ziemlich schwierig im Alltag unterzubringen.

Versuche es doch stattdessen einmal so: Du stellst Dir jeden Morgen während oder nach dem Frühstück einen Timer für 15 Minuten. Diese Zeit nimmst Du Dir, um zu lesen. Dabei ist es vollkommen egal, ob Du Sachbücher, Romane, Krimis, Zeitungen oder Zeitschriften liest – Hauptsache Du hast Freude daran. Diese kleine Veränderung in Deiner Morgenroutine ziehst Du zwei Wochen lang durch. Sicher wirst Du überrascht sein, wie sich Dein Wortschatz und Deine Schreibe bereits nach dieser kurzen Zeit verändert. Viel Spaß dabei!

Gastautorin Ann-Christin Schmitt
Mit Frau Schmitt Schreibt unterstütze ich meine Kundinnen und Kunden als Texterin, mit Schreibcoachings oder Workshops dabei, selber gute Texte zu schreiben und ihre Idee in die Welt hinauszubringen. Ich glaube daran, dass jeder bereits die richtigen Worte in sich trägt – mit meinen Trainingsmethoden helfe ich Dir dabei, sie zu finden. Neben der Sprache, habe ich eine Leidenschaft für guten Kaffee, Zartbitterschokolade und Reisen. Obwohl ich gebürtige Ostwestfälin bin, lebe und arbeite ich in meiner Wahlheimat Berlin. (Bild © Nancy Jesse)




“Wie oft denken wir: “Wenn ich genug Geld, genug Urlaub, genug Mut habe, dann …” Dann machen wir was ganz Großes, dann zeigen wir, was wir draufhaben, dann begeben wir uns auf das Abenteuer unseres Lebens.”

















