Veranstaltungen für Buchmenschen: Wo ist was los? | Gastartikel von Jasmin Zipperling

Veranstaltungen für Buchmenschen: Wo ist was los? | Gastartikel von Jasmin Zipperling

Veranstaltungen für Buchmenschen: Wo ist was los?

Diese wichtigen Veranstaltungen für Buchmenschen, AutorInnen, LeserInnen und alle Kulturinteressierten solltest du nicht verpassen! | Gastartikel von Autorin Jasmin Zipperling

Reichweite auf den Social Media-Kanälen zu generieren ist toll. Aber wenn man die Menschen aus der Buchbranche wirklich kennenlernen und sich mit ihnen vernetzen möchte, geht nichts über den persönlichen Kontakt. Man fühlt sich einander eher verbunden, wenn man „den richtigen Mensch“ im realen Leben getroffen hat. Okay … Wie mache ich das? Wo kann ich anderen Buchmenschen begegnen? Gastautorin Jasmin Zipperling erzählt euch von ganz besonderen Veranstaltungen und Treffen.

müde AutorInnen auf der Buchmesse

müde AutorInnen auf der Buchmesse | © Kaddy KD

1. Die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt

Klar, das sind die Klassiker. Große Hallen gefüllt mit Ständen von Vereinen, Verlagen sowie Autorinnen und Autoren. Jede Menge Bücher. Jede Menge Veranstaltungen. Jede Menge Menschen. Frankfurt ist die größte Buchmesse der Welt, Leipzig kleiner und familiärer.

Do: Stände und Veranstaltungen besuchen, sich mit anderen austauschen.
Don’t: Mit dem Manuskript unterm Arm auf LektorInnen oder AgentInnen lauern. / Auch suboptimal: Nicht klar definierte Treffpunkte vereinbaren („an der Rolltreppe“ – Alter Falter! An WELCHER Rolltreppe, verdammte Axt?!).

2. LitBlog Convention

Jasmin Zipperling bei der LitBlog

© Jennifer Hilden

Die LitBlog Convention ist primär für BloggerInnen, eher weniger für AutorInnen gedacht. Es ist aber die ideale Veranstaltung, wenn man BloggerInnen kennenlernen möchte. Einige Verlage organisieren diese Veranstaltungen im Zusammenschluss. Veranstaltungsort ist Bastei Lübbe in Köln (liegt zwar auf der falschen Rheinseite, aber da kann man ja mal tolerant sein). Mehrere Panel zu verschiedenen Themen finden gleichzeitig statt – man muss sich also entscheiden, woran man wann teilnehmen möchte. Pluspunkt: Im Foyer gibt’s WLAN.

Do: Ohne Hintergedanken Kontakt zu BuchbloggerInnen suchen, zusammen Spaß an Büchern haben und aufmerksam zuhören.
Don’t: BuchbloggerInnen direkt mit dem eigenen Buch überfallen. / Sich als Autorin oder Autor darüber auskotzen, dass die ach-so-bösen-Buchblogs das eigene Buch nicht besprechen.

3. Self-Publishing-Day

Der Self-Publishing-Day ist eine Veranstaltung für verlagsunabhängige AutorInnen, die in jedem Jahr in einer anderen Stadt stattfindet. 2019 wird es Nürnberg sein. Es gibt interessante Vorträge und Workshops – und dadurch, dass die Veranstaltung kleiner ist, als zum Beispiel eine Buchmesse, kann man die Distributoren und VereinsvertreterInnen vor Ort ausführlicher zu ihren Angeboten befragen. Der Eintritt ist allerdings dreistellig. Je früher man sein Ticket kauft, desto günstiger ist es. Mit der Zeit und mit immer mehr feststehenden Programmpunkten steigen die Ticketpreise. Dadurch sind allerdings auch nur die Menschen vor Ort, die sich wirklich professionell mit dem Thema Selfpublishing auseinandersetzen möchten.

Do: Informationen einholen, sich austauschen, Kontakte knüpfen und Wochen vorher mal nachschauen, ob in der Stadt im Rahmen des Selfpublishing Day noch andere Veranstaltungen stattfinden. 2017 in Hamburg gab es zum Beispiel am Abend vorher eine Produktionsführung bei BoD. Da hat sich eine frühere Anreise definitiv gelohnt.
Don’t: Sich nicht rechtzeitig anschauen, in welche Workshops man gehen möchte – nachher ist alles ausgebucht und man kann nur noch teilnehmen, wo Platz ist. / Selfpublishing belächeln. Viele Selfpublisher arbeiten hochprofessionell und entscheiden sich bewusst für mehr Entscheidungsfreiheit und somit die Veröffentlichung ohne Verlag.

4. Literaturcamps

Ein Barcamp ist eine so genannte „Unkonferenz“, ein Litcamp hat einen Bücherschwerpunkt. Alle TeilnehmerInnen sind potentielle TeilGEBERInnen. Denn jede und jeder weiß etwas. Das Programm des Litcamps entsteht erst vor Ort. Nach der Vorstellungsrunde (ja, auch mit 200 Leuten – so will es das Gesetz!) reihen sich die Leute in eine Schlange, die eine Session anbieten möchten:

„Hallo, mein Name ist Jasmin und ich möchte gerne eine Session dazu anbieten, wie cool der Blog von Literaturpower ist. Wer hätte daran Interesse?“

– Woooooosh! Alle Hände schießen in die Höhe. Da muss mir das Orgateam des Litcamps wohl einen großen Sessionraum zuweisen. So entsteht der Sessionplan und schließlich muss man sich entscheiden, an welchen Sessions man teilnimmt.

Nehmt alle mal an einem Litcamp teil, es ist ein dynamisches Veranstaltungsformat und saucool. Es gibt Litcamps in Bonn, Hamburg, Heidelberg und ab 2019 auch in Berlin. Alle Litcamps außer Bonn dauern zwei Tage. Und wenn ihr einem meiner Lifehacks folgen wollt: Meldet euch als freiwillige HelferInnen (so genannte „Engel“ bzw. in Hamburg „die freundlichen Punks aus der Nachbarschaft“) und baut die Veranstaltung am Tag zuvor mit auf. Dann kennt ihr auf dem Litcamp nämlich schon einmal die anderen HelferInnen und das Orga-Team. So steht ihr am nächsten Tag nicht in einem Raum mit lauter Fremden, weil ihr schon längst dazugehört – das ist viel angenehmer. Nachteil: Wenn man nach dem Litcamp wieder heimfährt, hat man das Gefühl, man verlässt seine Familie.

Do: Die Ticketwellen rechtzeitig abpassen, um ein Ticket zu ergattern. Wenn möglich, ein Förderticket kaufen, da sich das Orgateam immer den ist-ja-gut-ich-sag’s-ja-nicht aufreißt, um das Litcamp auf die Beine zu stellen. / Sessions besuchen oder sogar selbst anbieten, mit Menschen ins Gespräch kommen – Litcamps sind die perfekten Veranstaltungen, um das eigene Netzwerk zu erweitern. / Twittern und posten – denn Regel Nummer 1 lautet: Du redest über das Barcamp! Und benutzt den Hashtag, verdammte Axt!
Don’t: Auf andere TeilnehmerInnen herabschauen, weil sie noch nicht so viele Bücher veröffentlicht haben wie ihr oder in einem anderen Genre schreiben oder oder oder … Auf einem Litcamp begegnet man sich auf Augenhöhe!

Frauen auf einem aufblasbaren Einhorn

Autorinnen Kathy Wild und Jasmin Zipperling

5. Genre-bezogene und Ereignis-abhängige Veranstaltungen

Es gibt einige Genre-bezogene Veranstaltungen, bei denen es sich sicher lohnt, das eine oder andere Mal dabei zu sein. Man vertieft die eigenen Kenntnisse und lernt Kolleginnen und Kollegen kennen, die im selben Genre unterwegs sind.

Liebesromane

In Berlin gibt es die Loveletter Convention. Es ist eine zweitägige Veranstaltung (die Tage sind auch einzeln buchbar), an denen man Liebesroman-Autorinnen und -Autoren (auch international) treffen oder Workshops besuchen kann. Ich habe einmal an einem Workshop teilgenommen, bei dem es darum ging, eine Kussszene zu schreiben. Allerdings hat meine Szene damit geendet, das jemandem ein Messer in der Kehle – na ja, es gibt noch andere Veranstaltungen mit dem Schwerpunkt Liebesroman. Die LitLove in München zum Beispiel. Auch hier trifft man Liebesroman-Autorinnen und -Autoren. Es gibt Lesungen, Podiumsdiskussionen und Workshops. Ausgerichtet wird die Veranstaltung von Random House. Auch hier kann man sich Tickets für das ganze Wochenende oder für einen einzelnen Tag kaufen.

Krimis

Die Criminale ist das größte Krimi-Branchentreffen Europas. Das Syndikat (eine Krimi-Vereinigung) organisiert die Veranstaltung jedes Jahr. Sie dauert mehrere Tage und bietet Workshops und Podiumsdiskussionen an. Schreibt man gerne Krimis, sollte man die Criminale definitiv besuchen. Höhepunkt ist übrigens immer die Verleihung des Glauser-Preises.

Fantasy

Ich gebe zu, dass Fantasy nicht mein Spezialgebiet ist, aber wenigstens möchte ich erwähnen, was es so gibt: die Phantastika, verschiedene Conventions (dort trifft man auch Autorinnen und Autoren, aber nicht nur) oder zum Beispiel das PAN-Branchentreffen, an dem ich 2018 selbst sehr gerne teilgenommen habe.

Kinderbücher

Wer Kinderbücher schreibt und veröffentlicht, fliegt einmal im Jahr nach Italien! Denn die Kinderbuchmesse findet jedes Jahr im Frühjahr in Bologna statt. Möchte man lieber auf deutschem Boden bleiben, geht es in die nördliche Richtung zur Kinderbuchmesse, kurz „KIBUM“, nach Oldenburg. Übrigens haben sich die Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren Deutschlands in den letzten Jahren stark vernetzt und zu einem Bundeskongress zusammengeschlossen. Treffen finden immer einen Tag vor den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt statt.

Horror, Historische Romane und andere Genre

Hm … Rund um Horror gibt es sicher die eine oder andere Veranstaltung um Halloween. Aber für zum Beispiel historische Romane kenne ich tatsächlich noch keine Veranstaltung. Gibt es so etwas nicht? Wenn nein: Hallo?! Kann das bitte mal einer organisieren? Bedarf besteht sicher. Falls doch: Wieso weiß ich davon nichts? Pf …

Ereignis-abhängige Veranstaltungen

Manchmal findet eine Veranstaltung in keinem regelmäßigen Turnus statt, sondern aufgrund eines bestimmten Anlasses. 2018 hat der Distributor Books on Demand zum Beispiel sein 20-jähriges Jubiläum veranstaltet. Es gab Diskussionsrunden, WLAN, eine Ausstellung, WLAN, Workshops, eine Produktionsführung und hab ich das WLAN erwähnt?! Es war eine tolle Veranstaltung und ich bin froh, dass ich dabei sein durfte.

Do: Gerne auch mal eine Veranstaltung zu einem fremden Genre besuchen! Über den Tellerrand zu schauen ist immer super (Grüße gehen raus an Christian Milkus, der mich 2017 zu einem Fantasy-Vortrag von Elea Brandt geschleppt hat – an dem Tag habe ich verstanden, wie sehr Fantasy-AutorInnen schuften!).
Don’t: Sich solche Veranstaltungen dauernd durch die Lappen gehen zu lassen. Dort eröffnen sich Möglichkeiten!

Books on Demand Veranstaltung

© Jessica Halermöller, BoD

6. Autorenstammtische und sonstige Treffen

Okay, ich habe leider keinen Platz mehr, weil ich mich so gerne an die maximale Wortzahl für diesen Blogbeitrag halten möchte. Machen wir es einfach so: Falls ihr in der Nähe einer größeren Stadt wohnt, gibt es dort sicher auch einen Autorenstammtisch oder ein Regionaltreffen. Schreibt mir und ich kann schauen oder fragen, was es da gibt und euch einen Kontakt vermitteln.

7. Der Veranstaltungskalender auf Orbanism

Natürlich kann ich in diesem Blogbeitrag nur einige Veranstaltungen nennen, aber ihr könnt euch bei Interesse gerne mal durch das Eventverzeichnis von Orbanism wühlen. Da findet ihr noch viel mehr: Orbanism.

Abschließend …

Der persönliche Kontakt geht immer noch über alles. Veranstaltungen zu besuchen und sich mit Menschen aus der Branche zu vernetzen und auszutauschen eröffnet wunderbare Möglichkeiten. Auf Veranstaltungen habe ich meinen ersten Auftrag für einen Federwelt-Artikel und meinen Vertrag mit einer Literaturagentur ergattert. Ich wünsche euch, dass sich auf solchen Veranstaltungen auch Wege für euch ebnen. In diesem Sinne: Vielleicht sehen wir uns 2019 mal live.

Schreibt gerne in die Kommentare, wenn ihr noch andere tolle Veranstaltungen kennt! Welche Buchmenschen habt ihr auf solchen Treffen schon persönlich kennengelernt? Und welche Events wünscht ihr euch, die es so noch nicht gibt?

Gastautorin Jasmin Zipperling

Gastautorin Jasmin Zipperling

Jasmin „Zippi“ Zipperling ist Autorin, Bloggerin, bekennende Twitterina und kinderschokoladensüchtig. Seit Ende 2015 ist sie Teammitglied der „Autorenwelt“ und seit Mitte 2016 freies Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift „Federwelt“. Sie besucht für ihr Leben gerne buchbezogene Veranstaltungen und petzt ihrer Chefredakteurin hinterher, welche Neuigkeiten sie aufgeschnappt hat.

Ihr findet Jasmin auf ihrer Webseite, bei Twitter, Instagram, Facebook und Youtube.

Literaturpower möchte Leserinnen und Lesern viele interessante und hilfreiche Informationen rund um das Thema Literatur, Bücher und Lesen bieten. Dafür kommen auch GastautorInnen zu Wort. Wenn du auch einen Gastartikel über ein spannendes Thema schreiben möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular unten auf dieser Seite: Über Literaturpower.

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So wichtig sind Geschwister

Die Beziehung, die wir zu unseren Geschwistern pflegen ist in der Regel die längste Beziehung unseres Lebens. Damit kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Wie können wir ihnen gerecht werden?

Hab keine Angst vor der Angst

Sehr viele Menschen kennen Panikattacken, verspüren Angstzustände oder sind unsicher, wenn sie vor einer Gruppe reden müssen. Aus Angst vor Stigmatisierung sprechen sie nicht darüber. Franziska Seyboldt schon.

Gib dich nicht für ihn auf!

Die Liebe vermag Berge zu versetzen. Sie kann uns einen Sinn im Leben geben, Kraft schenken und Richtung weisen. Manchmal jedoch, macht sie uns auch kaputt … Nicht alles, was wie Liebe aussieht und sich wie Liebe anfühlt, ist auch gut für uns.

Wenn nichts mehr geht

Der ewige Druck zu funktionieren und die unsichtbare Gewalt, die dich daran hindert. Wer soll das verstehen, wenn er es nicht selbst erlebt hat?

Struktur: Wieviel brauchst du?

Was gibt dir Struktur in deinem Alltag? Sind es Routinen, die du dir bewusst eingebaut hast? Ist es die Arbeit, an deren zeitliche Festlegungen du dich notwendigerweise hältst? Wie resilient bist du, wenn es um die Bewältigung von Krisen geht und wieviel Halt brauchst du überhaupt im Leben?

Einfach mal gut sein lassen

Wir können nicht immer alles richtig machen. Und zu einem schlechten Menschen macht uns das schon gar nicht. Aber leicht ist es eben auch nicht immer, bewusst nicht das Richtige zu tun.

Höre nicht auf zu wachsen

Stell dir einen Baum vor. Einen großen, prächtigen Baum mit starken Ästen, tiefen Wurzeln und Blättern so dicht, dass du nicht siehst, was dahinter ist. Was wenn du dieser Baum bist?

Warum machst du dir eigentlich solche Sorgen?

“Sorgen sind wie ein Schaukelstuhl. Sie halten dich beschäftigt, aber du kommst nicht voran.” In diesem Artikel wird es um solche Sorgen und das damit verbundene Grübeln gehen. Darum, warum sich die vielen Sorgen oft nicht lohnen und wie wir das Leben stattdessen angehen können.

Was weißt du schon über Bipolarität?

„Etwas stimmt nicht.“ Mit dieser Erkenntnis kommentieren Melles Freunde seinen ersten Ausbruch. Ich lese die ersten Seiten der Autobiographie und denke auch: Etwas stimmt nicht.

Die Gewalt um uns

Auch beim Erzählen sind es Worte über die wir unsere Bedürfnisse kommunizieren, uns Verständnis einholen und unsere Emotionen transportieren. Vielleicht deshalb sprudelt es auch aus Edouard nur so heraus, nachdem er Opfer einer Gewalttat geworden ist.

Bewältigungsstrategien der AussteigerInnen: Isolation oder Freiheit?

Bewältigungsstrategien der AussteigerInnen: Isolation oder Freiheit?

Bewältigungsstrategien der AussteigerInnen: Isolation oder Freiheit?

Manchmal gibt es diese Tage: Tausend Gedanken, aber keinen Plan wie dieses oder jenes Problem angegangen werden kann. Da gilt das Prinzip der kleinen Schritte. Zunächst zur Ruhe kommen. Meditation. Distanz zum Problemfeld aufbauen. Sich ein Zeitfenster setzen. Dann Fakten schaffen. Dabei aber den Überblick nicht verlieren.

Was machen jedoch Menschen, die diesen Überblick gänzlich verloren haben? Oder Menschen, die ihn nie hatten? Wie gehen Kinder mit Sorgen und Problemen um, deren Kontext sie nicht durchschauen und verstehen, geschweige denn, dass sie Lösungsstrategien entwickeln könnten? Simone Hirth skizziert in “Bananama” eine Kleinfamilie, deren Aussteigertum die Sorgen nicht schwinden lässt.

viele Menschen warten auf die U-Bahn

Menschen, die etwas ändern wollen

Simone Hirth hat selbst Erfahrungen als Aussteigerin gesammelt. Dabei musste sie feststellen, dass gerade in diesem Umfeld besonders viele Konflikte und Widersprüche bestehen. Ihre persönlichen Erfahrungen waren nicht nur positiv. Positiv ist jedoch die Art und Weise, wie die preisgekrönte Schriftstellerin ihre Eindrücke in ihrem zweiten Roman verarbeitet hat.

„Bananama“ ist die Anatomie einer Kleinfamilie. Die Geschichte vermittelt Verständnis und Mitgefühl für die Menschen, die sich nach Veränderung in ihrem Leben sehnen. Wieviel Gesellschaftskritik dahinter steckt , muss jede Leserin und jeder Leser für sich selbst herausfinden. Aber diese Darstellung ist nicht einseitig. Die Schattenseiten einer Existenz fernab von Gesellschaft und normalem Alltag kommen ebenso zur Geltung.

Ein Leben in Isolation

Kind allein auf der SchaukelWir erfahren von einem Mädchen, aus dessen Sicht die ganze Geschichte erzählt wird. Einen Namen erfahren wir nicht. Auch kein Alter. Das Mädchen ist jedoch noch keine 10 Jahre alt, denn sonst dürfte sie vielleicht das Internet benutzen. Sie darf es erst wenn sie 10 ist. Ihre beiden Aussteiger-Eltern nutzen das Internet oft, um ihr nach außen “autarkes” Leben erträglicher zu gestalten.

Sie predigen quasi Wasser und trinken Wein. Durch eine Erfindung der Mutter besitzt die Familie viel Geld. Die Eltern haben sich für ein Leben in Abgeschiedenheit und Isolation entschieden. Dieser Wunsch führt sogar dazu, dass die Tochter von der Schule genommen und vom Vater unterrichtet wird. Eigentlich ist es mehr ein Belehren und Indoktrinieren als ein Unterrichten. Unsere Protagonistin versteht viele Zusammenhänge nicht. Die Entscheidungen der Eltern bleiben ihr oftmals unverständlich, nicht zuletzt weil sie diese Erklärungen immer auf “ein andernmal” verschieben. Wann das ist – “ein andernmal” – erfährt sie nicht.

Über Zwänge, Lügen und Bewältigungsstrategien

Wie ist es für ein Kind, die Einsamkeit und Isolation leben zu müssen, die es sich nicht ausgesucht hat?

Die Wahrheiten der Eltern stellt die junge Erzählerin für sich immer mal wieder in Frage: “Ich wünsche mir, endlich wieder einen Schokoriegel essen zu dürfen. Ich bin dünn und selten krank, Mutter dagegen ist schon etwas rundlich und hat häufig Kopfweh, obwohl sie niemals Schokoriegel isst, weshalb ihr Argument, dass Schokoriegel dick machen und ungesund sind, eigentlich ungültig sein müsste.”

Wir lernen in der Geschichte vor allem wie Bewältigungsstrategien entstehen. Angst, Verzweiflung und Unsicherheit gehören zum Alltag der Hauptfigur. Es liegt nahe, dass sie sich ihre eigene Realität aufbaut.

Sie beerdigt Wörter:
“Vater sagte einmal, man muss seine Angst beerdigen. Ich wusste damals noch nicht, was beerdigen heißt. Ich fragte: Was ist das? Vater sagte: Man gräbt etwas in der Erde ein und dann wachsen schöne Blumen darüber, oder Beerensträucher, oder Bäume. Ich versuchte es also, sobald ich einen Spaten besaß und der Boden getaut war, mit dem Wort Angst, in Schönschrift geschrieben.”

Viele Wörter landen in der Folge unter der Erde, auch tote Tiere und anderes. “Ich beerdige noch einmal das Wort nachhaltig, weil Vater es in seiner Unterrichtsstunde so oft verwendet hat, dass ich denke, es ist genug.”

Die Zwanghaftigkeit der Eltern bleibt nicht ohne Einfluss auf das Kind. Die Lektüre des Romans ermöglicht dabei aber auch die nötige Distanz zum Geschehen und zu den Problemen des Familienalltags. Das Verfolgen der Handlung zwang mich, den Überblick, der manchmal verloren geht, wiederzugewinnen.

“Der Winter, in dem ich meinen Spaten bekam, war sehr kalt, der Boden gefroren und ich konnte es kaum erwarten, im Frühling mein erstes Grab zu schaufeln.”

Solche Sätze lassen uns schaudern, aber dahinter steckt nicht der Wunsch zu schockieren. Die Autorin erreicht unser Mitgefühl ohne Rührseligkeit. Ein Gefühl der Beklemmung und Traurigkeit kommt auf und Mitgefühl für das Kind, das grenzenloser Einsamkeit ausgesetzt ist. Wir müssen als LeserInnen viel mitdenken und hinterfragen, aber die Mühe lohnt sich.

Wo beginnt der Ausstieg?

eine Frau schaut in die Weite“Diese Welt, in der Vater und Mutter nicht mehr leben wollten, war entweder sehr schrecklich oder sehr schön. Insgeheim hoffe ich, dass es das Schöne war, das sie nicht mehr ertrugen. Dass sie vor lauter Lachen keine Luft mehr bekamen, und um wieder atmen zu können, mussten sie gehen. Ich hoffe, dass ich mich an das Schöne gewöhnen könnte, wenn ich mich doch einmal in diese Welt verlaufen sollte.”

Das Mädchen hat die Außenwelt nie kennengelernt und sehnt sich doch nach ihr. Vielleicht vermag sie die Lügen und Heucheleien ihrer Eltern nicht zu durchschauen, aber dass es da Widersprüche gibt – das entgeht ihr nicht. Die Autarkie ist nur oberflächlich, vieles Fassade: Kapitalismusgegner ohne Geldsorgen; Verschwendung; Zwanghaftigkeit.

Die Frage stellt sich, wie es für ein Kind sein muss, in einer Welt voller Widersprüche aufzuwachsen. Unweigerlich fragen wir uns aber auch, wie es für uns selbst ist in der eigenen widersprüchlichen Realität leben zu müssen. Wie können wir all die Sorgen, Zwänge und Lügen aushalten, denen wir tagtäglich ausgesetzt sind? Wo beginnt der Ausstieg? Etwa schon hinter der eigenen Haustür? Das entscheidet sich sicher sehr individuell, aber Bewältigungsstrategien entwickeln wir fast alle, um dem Druck und der Angst etwas entgegen zu setzen.

“Man muss als Aussteiger die Zeit am besten ganz vergessen.”, sagt das Mädchen. Danke, Simone Hirth, für diesen tiefgründigen und außergewöhnlichen Roman.

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Ich bin mir selbst eine Mutter. Das muss reichen.

Für alle, die zweifeln. Für alle, die sich sicher sind. Und für alle, die spüren wollen, wie viel Freiheit in einem klaren “Vielleicht” stecken kann. Mutterschaft ist auch ein Buch für alle, die sich nicht sicher sind …

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen

Niemand ist immer nur zufrieden mit seinem Leben. Klar wollen wir bewusster leben. Und unsere Zeit nicht verschwenden.

Einfach mal gut sein lassen

Wir können nicht immer alles richtig machen. Und zu einem schlechten Menschen macht uns das schon gar nicht. Aber leicht ist es eben auch nicht immer, bewusst nicht das Richtige zu tun.

Warum machst du dir eigentlich solche Sorgen?

“Sorgen sind wie ein Schaukelstuhl. Sie halten dich beschäftigt, aber du kommst nicht voran.” In diesem Artikel wird es um solche Sorgen und das damit verbundene Grübeln gehen. Darum, warum sich die vielen Sorgen oft nicht lohnen und wie wir das Leben stattdessen angehen können.

Wenn die Schuld kaum zu ertragen ist

Von Drogen, Schuld und dem Leben im Knast handelt Dawkins Erstlingswerk “Alle meine Freunde haben wen umgebracht”. Die autobiographischen Züge sind offensichtlich. Die Authentizität, die damit einhergeht, erdrückt.

Multiple Sklerose und trotzdem!

Wie wertvoll Gesundheit ist, merken wir manchmal erst wenn sie fehlt. Aber auch mit Krankheit, können wir ein glückliches Leben führen. Multiple Sklerose ist nicht das Ende.

Bin ich queer? 60+ queere Bücher über Identität & Selbstfindung

Bin ich queer? Über 60 queere Bücher zu Identität, Coming-Out & Liebe: Klassiker, Romane, Theorie & mehr, die dir Sprache und Zugehörigkeit schenken.

Falsche Männlichkeit: das große Missverständnis

Männer müssen so und so sein. Neben Vorurteilen und Unterstellungen prägen eine Menge Erwartungen unsere Gender-Vorstellungen und skizzieren klare Rollenbilder, die im Grunde nur falsch sein können.

Wenn nichts mehr geht

Der ewige Druck zu funktionieren und die unsichtbare Gewalt, die dich daran hindert. Wer soll das verstehen, wenn er es nicht selbst erlebt hat?

Glücklich und wertvoll mit Übergewicht? Ja!

Dass wir Menschen uns mit all unseren menschlichen Eigenschaften gegenseitig so sehr verachten, ist schlimm. Schönheitsideale. Wer braucht sowas? Ich stelle dir ein Buch vor, das Mut macht Schönheitsideale in Frage zu stellen.

Frankenstein – Anatomie eines Klassikers | Gastartikel von Swantje Niemann

Frankenstein – Anatomie eines Klassikers | Gastartikel von Swantje Niemann

Frankenstein – Anatomie eines Klassikers

Gastartikel von Autorin Swantje Niemann

Es gibt Bücher, die von Generation zu Generation immer wieder gelesen werden – und scheinbar jedes Mal etwas Neues zu sagen haben. Was ist es, das einige Bücher noch Jahrhunderte später relevant und bewegend scheinen lässt? Die Phantastik-Autorin Swantje Niemann beschreibt dieses Phänomen am Beispiel von „Frankenstein“ – ein Klassiker.

Zeichnung eines Monsters

Frankensteins Monster: komplex und aktuell

Was ist Mary Shelleys „Frankenstein“? Ein Horror-Klassiker? Eine Warnung vor Forschung und Technik, die ohne jede Rücksicht auf Konsequenzen vorgeht? Ein kühnes Gedankenexperiment, das untersucht, wie Menschen von ihrer Umwelt geformt werden? Ein Buch über Freundschaft? Meiner Meinung nach ist es alles auf einmal. Vielleicht der Grund für die bis heute ungebrochene Faszination des Buches?

„Frankenstein oder der moderne Prometheus“ spielt im ausgehenden 18. Jahrhundert und schildert ein kühnes Experiment, das entsetzlich schief läuft: Ein ehrgeiziger Wissenschaftler versucht, Leben zu erschaffen, aber flieht schließlich entsetzt vor seiner Schöpfung. Doch das Wesen, das er allein in eine feindselige Welt entlassen hat, lässt sich nicht so einfach abschütteln. Frankenstein droht alles zu verlieren, was ihm etwas bedeutet. Mehr Details findet ihr in meiner Rezension zum Buch „Frankenstein“.

Was wohl auch zum Mythos Frankenstein beigetragen hat, sind Mary Shelleys außergewöhnliche Biographie sowie die Inspiration für Frankenstein im „Jahr ohne Sommer“. Die Idee kam ihr im Rahmen eines Gruselgeschichtenwettbewerbs mit so illustren Teilnehmern wie John Polidori. Dessen Lord Ruthven wurde prägend für den Archetyp des aristokratischen Vampirs, Percy Shelley. Dieser wiederum forderte mit seinem Atheismus und seinen republikanischen Überzeugungen die Ordnung seiner Zeit heraus. Außerdem war da noch George Byron, der von Caroline Lamb als „mad, bad and dangerous to know“ beschrieben wurde.

Die Psychologie des Horrors

Mann in der DunkelheitViel in dem kurzen Roman erfüllt die Anforderungen einer Horrorgeschichte nur zu gut: Hier begegnen uns etablierte Tropen, wie der des Wissenschaftlers, der während eines nächtlichen Gewitters besessen an einer widerwärtigen Schöpfung arbeitet, und der eines unerbittlichen Verfolgers, der beinahe unbesiegbar scheint. Die Drohung von Gewalt und Verlust schwebt immer wieder über den Figuren. Bedeutender jedoch sind die psychologischen Aspekte: Frankenstein ist oft anstrengend selbstmitleidig, aber seine Schuld und Scham, als seine Schöpfung seine Freunde und Verwandten in Gefahr bringt, und die Angst und Isolation, die er wegen seines dunklen Geheimnisses erlebt, sind eindringlich geschildert.

Vieles ist bereits über das Monster und die mögliche Anwendbarkeit von Frankensteins tragischer Geschichte auf unsere Zeit geschrieben worden. Die Idee, dass Wissenschaft und Technik unkontrollierbare Bedrohungen hervorbringen können, klingt bei allem fantastischen Potenzial, das sie auch mit sich bringen, nur zu vertraut.

Die Stärke von Shelleys Roman ist, dass er sich hier nicht klar auf eine Seite stellt. Wir sehen durch eine Vielfalt von Perspektiven eine Situation, die auch eine ganz andere Wendung hätte nehmen können. Was, wenn Frankenstein die Verantwortung für seine Kreatur übernommen hätte? Und selbst wenn seine Hybris letztlich in eine Katastrophe führt, sind seine letzten Worte doch die Frage, ob nicht ein anderer Wissenschaftler seine Forschungen erfolgreicher zu einem Ende führen könnte.

Dies ist scheinbar das große Thema des Romans, das zu Spekulationen und Diskussionen einlädt. Aber darin erschöpft sich der Roman nicht, denn auf einer persönlicheren Ebene ist er – zumindest mir – immer als ein Buch erschienen, das um eine fundamentale Wahrheit über uns Menschen kreist: Wir sind soziale Wesen.

Frankensteins Monster – ein soziales Wesen

Zeichnung eines HerzensFrankenstein hat seine Freunde und seine Familie jahrelang nicht gesehen, als er das Monster zum Leben erweckt, und es ist die Beobachtung menschlicher Nähe, die in seiner Schöpfung den Wunsch weckt, gut zu sein – und die Erfahrung von Einsamkeit und Zurückweisung, die diesen Vorsatz ins Gegenteil verkehrt. Shelley ist es meiner Meinung nach gelungen, ein eindrucksvolles Buch über die zerstörerische Wirkung von Isolation zu schreiben.

Und ich glaube, genau das macht ein gutes Buch aus: Es schaut gleichzeitig nach außen (siehe die großen philosophischen, entwicklungspsychologischen, sozialen und wissenschaftsethischen Fragen, die Frankenstein berührt – und dabei verblüffend moderne Ideen verbreitet), aber auch nach innen (im Fall von Shelleys Roman mit der sehr viel intimeren Geschichte über Freundschaft und Isolation, Geborgenheit und Zurückweisung, Verantwortung und Schuld).

Einerseits lädt das Buch zum Denken ein, insbesondere, weil Shelley klare moralische Urteile und einfache Antworten verweigert, andererseits zum Fühlen. Und noch eines macht für mich ein gutes Buch aus: die Eröffnung neuer Perspektiven. Und genau das gelingt Shelley, indem sie dem Monster eine Stimme gibt und Leser*innen damit indirekt dazu bringt, über ihre eigenen Vorurteile zu reflektieren.

Natürlich, die Sprache ist altertümlich und gerade die Frauenfiguren in ihrer sanften Aufopferungsbereitschaft deutlich weniger interessant als die moralisch eher grauen Charaktere von Frankenstein und seiner Kreatur, aber dennoch ist „Frankenstein“ ein Buch, das wegen genau der von mir angesprochenen Aspekte sicher nicht allzu bald an Popularität verlieren wird – und ein Beweis dafür, dass intelligente Phantastik nicht nur die Flucht aus der Realität ermöglichen, sondern auch einen neuen Blick auf diese ermöglichen kann.

Gastautorin Swantje Niemann

Gastautorin Swantje Niemann

Swantje Niemann wurde 1996 in Berlin geboren und ist, abgesehen von mehrmonatigen Sprach- oder Studienaufenthalten in England und Norwegen, mehr oder weniger dort geblieben. Im Sommer 2018 machte sie ihren Bachelor der Kulturwissenschaften in Frankfurt (Oder), wo sie nun im Master Kulturgeschichte studiert. In ihrer Freizeit liest sie viel, trainiert Kendo und spielt Harfe. Ihr Romandebüt „Drúdir – Dampf und Magie“ verbindet klassische Fantasy mit der mitreißenden Dynamik einer industriellen Revolution: In einer Welt voller sozialer und politischer Spannungen geht der Zwerg Drúdir ein hohes Risiko ein, um die Wahrheit über den Tod eines engen Freundes herauszufinden. (Bild © Roger Steen)

Swantje Niemann findet ihr hier im Internet:
Facebook, Twitter und ihre Webseite.
 

Literaturpower möchte Leserinnen und Lesern viele interessante und hilfreiche Informationen rund um das Thema Literatur, Bücher und Lesen bieten. Dafür kommen auch GastautorInnen zu Wort. Wenn du auch einen Gastartikel über ein spannendes Thema schreiben möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular unten auf dieser Seite: Über Literaturpower.

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Sinn im Leben

Wann hören wir auf einen Sinn im Leben zu suchen? Hören wir dann nicht auf zu leben? Mein Lieblingsspruch: Dein Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone.

Ich wünsche mir Zuwendung

Homophobie, Bindungsunfähigkeit oder die pure Ignoranz… Manchmal leidest du darunter, dass andere Menschen nicht die nötige Rücksicht aufbringen können und völlig empathielos auf dir rumhacken?

Glücklich und wertvoll mit Übergewicht? Ja!

Dass wir Menschen uns mit all unseren menschlichen Eigenschaften gegenseitig so sehr verachten, ist schlimm. Schönheitsideale. Wer braucht sowas? Ich stelle dir ein Buch vor, das Mut macht Schönheitsideale in Frage zu stellen.

An alle Mamas dieser Welt: SO NICHT!

Mutter sein. Was bedeutet das eigentlich? Wird deine Arbeit angemessen wertgeschätzt? Wird anerkannt, was du jeden Tag leistest? Falls nicht, dann ist dieser Artikel für dich.

So wertvoll ist dein Leben

Worte finden für das was manchmal unaussprechlich scheint. Oft sind es Worte, die unsere Gedanken formen. Wie möchtest du deine Gedanken gestalten?

Krankheit verstehen und den Schmerz aussprechen

Die Krankheit Krebs ist immer Auslöser für eine neue Perspektive auf das Leben. Solch eine weitreichende Diagnose zu bekommen, lässt uns …

Lebendig: Ich möchte wieder etwas fühlen

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig lebendig gefühlt? Wann hast du das letzte Mal tief aus dem Bauch heraus gelacht oder so richtig schmerzvoll geweint? Fällt es dir leicht oder schwer, die eigenen Gefühle zu identifizieren und auch zuzulassen?

Du musst das nicht ertragen

Früher oder später kommt jeder Mensch in eine Situation, die sich nicht gut anfühlt. Manchmal fühlen wir uns dieser Situation einfach irgendwie ausgeliefert.

Feminismus für Männer: Bücher über Männlichkeit, Emotionen und Veränderung

Im Patriarchat werden auch Männer zu Opfern. Erwartungen, Rollenbilder, sozialer Druck …

Wenn nichts mehr geht

Der ewige Druck zu funktionieren und die unsichtbare Gewalt, die dich daran hindert. Wer soll das verstehen, wenn er es nicht selbst erlebt hat?

Let’s talk about Psychopathinnen | Gastartikel von Sandra Vahle

Let’s talk about Psychopathinnen | Gastartikel von Sandra Vahle

Let's talk about Psychopathinnen

Gastartikel von Autorin Sandra Vahle

Das wertvollste an Literatur sind ihre Geschichten samt moralischer sowie gesellschaftlicher Botschaft. Aktuell sind wir im kapitalistischen Leistungsprinzip verankert, aber betrachtet man die Evolution der Menschheit, so wird der Kapitalismus in seiner jetzigen Form sicherlich nicht das letzte Gesellschaftsmodell sein, in dem wir Menschen leben werden. Und so hat jede Epoche ihre Literatur und jede Literatur ihren (feministischen) Auftrag.

Rasenmäher in Aktion

In der Literatur existieren keine Grenzen. Gedanken sind frei und so darf auch das Frauenbild wandelbare Wagnisse beweisen. Wir müssen nämlich gar nicht zwingend dem Abbild des fragilen Geschöpfes entsprechen, das sodann auf wunderwirksame Weise im Laufe des Buches mit ganz unfassbar großem Aha-Effekt merkt, dass es auch selbst Bedürfnisse hat und diese auch berücksichtigen darf. Literarisch betrachtet dürfen wir sein, was immer wir wollen, und das völlig, gänzlich und wahrhaftig schwerelos.

Feminismus bedeutet Gleichberechtigung in jeder Hinsicht

Bücher, die ein differenziertes und komplexes Frauenbild zeichnen, leisten einen wichtigen Beitrag zum Feminismus – ich würde sogar so weit gehen, das dieser Beitrag auch geleistet wird, selbst wenn es gar ein psychopathisch gezeichnetes darstellt wie jenes in „Gone Girl“ oder das wohl gruseligste in „Misery“. So unerbittlich hier Seelen zerstört werden, demonstrieren diese beiden Werke gleichermaßen die facettenreiche Seele einer Frau, die über die Pflicht des willenlosen Geschöpfes, das bloß gut auszusehen hat, hinausgeht. Neben Annie Wilkes bösartiger Seite, jene sie zweifellos in sich trägt, keimt da eine ungeliebte Seele, die gleichsam der Liebe nicht befähigt ist – ebenso wie bei unserem gestörten Feger Amy.

Erwecke die Psychopathin in dir?

Literarisch betrachtet waltet hier Gleichberechtigung, denn wer einmal Richard Laymon gelesen beziehungsweise verschlungen hat, weiß, dass jene komplexe Psychopathen-Rolle männliche Protagonisten ebenso spannend und faszinierend gut kleidet. „Die Insel“ oder „Die Jagd“ bieten zwei aufschlussreiche Wechselbäder in die kranke Gedankenwelt und Abgründe von Psychopathen. In beiden Werken spielt dabei sexuelle Begierde eine große Rolle, und hier demonstriert insbesondere unser Gone Girl Amy, dass Frauen desgleichen sexuelle Begierde in Verbindung mit gewaltvollen Phantasien verspüren, die sich zuweilen schlecht steuern lässt. Bei Annie Wilkes hingegen waltet im Laufe der blutrünstigen Psychopathen-Jahre wohl eher sexuelle Gleichgültigkeit, die sich aber zwischendurch gegenüber ihrem Idol Paul durchaus und in Ansätzen als eine Art Begierde deuten lässt.

Wir müssen endlich aufhören, in Frauen die Hure zu sehen, sobald Sie sexuell agiert

rote BlütenIn der Literatur wird gern und oft die unschuldige Jungfrau bevorzugt behandelt und als absolut ehrenwert dargestellt – „50 Shades of Grey“ lässt grüßen. Man darf und muss hier allerdings lobend erwähnen, dass gleichsam die Hure Madonna geliebt wird, und das war ja nahezu skandalös. Denn das passt ja doch eigentlich gar nicht zusammen in Anbetracht des Madonna/Huren-Komplex. Dabei sind Reinheit und Unschuld in der Realität nicht die einzigen Eigenschaften von Frauen.

Literarische Gleichberechtigung ist jedenfalls so wichtig, weil sie unsere Gesellschaft mit prägt. So war das Rollenbild der Frau zu Hitlers Zeiten beispielsweise davon gezeichnet, dass sie zum Wohle der Volksgemeinschaft mit Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit vor allem ihrer Pflicht als Mutter nachzukommen hat – und so hätte Adolf ganz sicher nicht gewollt, dass weibliche Psychopathen, sprich Psychopathinnen, die Bestsellerlisten stürmen. Geschweige denn Huren.

Heutzutage dürfen wir das. Wir dürfen literarisch betrachtet jede Rolle annehmen, die wir mögen und sei es eben die facettenreiche Rolle der kranken, verrückten Närrin, die jenseits des übersteigerten Widerstands gegen Unterdrückung, ein Aufbäumen und Verarbeitung seelischer Verletzungen impliziert, wenngleich einer jeden Frau unbedingt klar sein sollte, dass man in der Realität dafür keineswegs zur Annie oder Amy mutieren sollte. Obschon Gewalt waltet, zeichnet Literatur keine Gewaltverherrlichung, vielmehr sensibilisiert sie mitsamt dem wichtigen Auftrag dafür, dass das menschliche Wesen samt seiner Seele verwundbar ist. Weil eben jeder verletzlich ist. Punkt.

Das fragile Hilfsmittel der Axt, betörender Fesseln oder des wild gewordenen Rasenmähers transportiert im Rahmen einer Psychoanalyse zum Zweck der Selbsttherapie lediglich eine Botschaft in metaphorischer Form. In diesem Sinne – der Freiheit ihre Kunst und der Kunst ihre Freiheit und Gleichberechtigung.

Gastautorin Sandra Vahle

Gastautorin Sandra Vahle

Sandra Vahle lebt als freie Autorin / Texterin / Bloggerin in der Fußballstadt Dortmund. Zum Thema Gleichberechtigung hat sie zusammen mit ihrer Co-Autorin Mary Green das Buch „(K)eine Frau zum Verlieben“ geschrieben. Anstelle einer Axt, Rasenmähers oder eines Eispickels walten hier eine ordentliche Portion Witz, Ironie und Sarkasmus als dienliche Helfer für literarische Freiheit. Den Autorinnen war es wichtig, die Realität zum Thema Liebe & Sex zu spiegeln, aber zugleich die gesellschaftlich geforderte Konditionierung hin zur heiligen Madonna zu entschärfen.

Sandra Vahle findet ihr hier im Internet:
Instagram
, Facebook, Twitter und ihre Webseite.
 

Literaturpower möchte Leserinnen und Lesern viele interessante und hilfreiche Informationen rund um das Thema Literatur, Bücher und Lesen bieten. Dafür kommen auch GastautorInnen zu Wort. Wenn du auch einen Gastartikel über ein spannendes Thema schreiben möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular unten auf dieser Seite: Über Literaturpower.

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Bindungsstile verstehen: Die besten Bücher über Attachment, Heilung & sichere Beziehungen

Bindungsstile verstehen, Beziehungen reflektieren: eine Auswahl an Büchern über Attachment, Heilung und sichere Partnerschaften.

Du musst das nicht ertragen

Früher oder später kommt jeder Mensch in eine Situation, die sich nicht gut anfühlt. Manchmal fühlen wir uns dieser Situation einfach irgendwie ausgeliefert.

Abschied von der Angst vorm Abschied

Verbinden wir nicht Abschied mit Verlusten, Trauer, Wehmut und Resignation? Dürfen wir überhaupt etwas Positives an einem Abschied finden oder macht uns das zu oberflächlichen Menschen?

Was macht dich bloß so resilient?

Wie viele Enttäuschungen verzeihen wir dem Leben? Resilienz ist erlernbar. Wie aber lernen wir aus der Vergangenheit und schauen trotzdem nach vorne?

Kämpfe wie eine Frau!

Was, wenn ich morgen ein ganz anderer Mensch sein kann – einfach weil ich mich dafür entscheide?!!

Multiple Sklerose und trotzdem!

Wie wertvoll Gesundheit ist, merken wir manchmal erst wenn sie fehlt. Aber auch mit Krankheit, können wir ein glückliches Leben führen. Multiple Sklerose ist nicht das Ende.

Wenn Familie weh tut

Familie. Die Vielschichtigkeit dieses Begriffs muss nicht erwähnt werden. Den einen ist sie Freud, den anderen Leid und hin und wieder verschmelzen beide Ebenen, sodass sie kaum noch zu unterscheiden sind.

Die Gewalt um uns

Auch beim Erzählen sind es Worte über die wir unsere Bedürfnisse kommunizieren, uns Verständnis einholen und unsere Emotionen transportieren. Vielleicht deshalb sprudelt es auch aus Edouard nur so heraus, nachdem er Opfer einer Gewalttat geworden ist.

Stelle dir diese Frage: Wie wichtig nimmst du dich wirklich?

Warum tun wir uns eigentlich oft so schwer dabei, uns selbst wichtig zu nehmen? Warum ist Selbstwertschätzung nicht selbstverständlich? Du willst dich selbst wichtig nehmen? Dieser Roman hilft dir dabei.

Wir können doch über alles reden!

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Wenn du mit deinem Partner oder deiner Partnerin sprichst, deinen Kindern oder auch mit Freundinnen – wie sehr achtest du dann auf deinen Ton und darauf was du sagst? Haben deine Launen direkten Einfluss auf deine Kommunikation? Wirst du manchmal bissig, überheblich, vielleicht sogar gehässig? Und andersrum: Wie reagierst du, wenn sich jemand dir gegenüber im Ton vergreift und ausfallend wird? Äußerst du dein Missfallen oder lässt du vieles durchgehen? Um Sprache und unsere Kommunikationswege geht es in “VOX”, dem feministischen Roman von Christina Dalcher.

Titel: VOX

Autorin: Christina Dalcher
Übersetzerinnen: Marion Balkenhol, Susanne Aeckerle

Verlag: S. Fischer

 

Was, wenn dir die Worte fehlen

Viele Artikel über “VOX”, den Skandalroman von Christina Dalcher, beginnen mit der Aufforderung, man/frau möge sich doch einmal vorstellen, nur Hundert Wörter am Tag sprechen zu können. Dieser Artikel hat das acht bis zehnfache davon, aber auch so sollte klar sein: Wer nicht mehr als 100 Wörter am Tag spricht, verzichtet auf Erklärungen; auf die Äußerung von Gefühlen und Bedürfnissen und darauf, der eigenen Meinung mit Adjektiven und Beschreibungen Ausdruck zu verleihen.

Frau mit geschlossenen Augen und Blatt auf Mund

Wie ein unmenschlicher Plan alles verändert

Wand mit Beschriftung "girl power"Natürlich ist es ein feministischer Roman. “VOX” hat einen deutlichen feministischen Fokus. Er äußert sich in der Handlung, aber auch in den Figuren. Jean, die Protagonistin wächst im Laufe der Geschichte über sich hinaus. Noch zu Anfang ist sie vor allem die unzufriedene Beobachterin, die mit der Zeit jedoch immer aktiver und rebellischer wird.

“Ich lernte, wie schnell ein Handyvertrag annulliert werden kann und wie effizient junge Soldaten beim Anbringen von Kameras sind. Ich lernte, sobald ein Plan vorhanden ist, kann alles über Nacht passieren.”

Der Plan ist denkbar simpel: eine neue fundamentalistische Regierung wünscht sich konservative und traditionelle Gesellschaftsstrukturen. Die Frau soll den Haushalt führen, der Mann für den Lebensunterhalt sorgen. Um solche Strukturen wiederherzustellen, werden den Frauen Folterarmbänder angelegt: Zählwerke, die Stromstöße verteilen, sollte die Trägerin mehr als die vorgegebene Anzahl an Wörtern äußern.

“Niemand kann die Hälfte der Bevölkerung zum Schweigen bringen.”
Jean sollte sich irren.

Provokativ und radikal

Ich werde zu den feministischen Gedanken des Buches nicht mehr viel sagen. Du kannst im Internet sehr viel dazu lesen. Sowohl positive, als auch ablehnende Stimmen. Ich mag das Buch sehr, auch weil es provokativ und radikal ist, möchte an dieser Stelle aber ein paar andere spannende Aspekte beleuchten. Der Roman von Christina Dalcher hat nämlich noch soviel mehr zu bieten. Zum Beispiel eine außergewöhnliche Sensibilisierung für die Bedeutung der Sprache. Im Vorwort des Buches schreibt die Autorin:

“Ich hoffe, Sie lesen VOX auf zweierlei Weise: sowohl als spekulative politische Dystopie, in der die Übermacht staatlicher Kontrolle das Leben einer Familie zerstört, und als Gedankenspiel, das Ihnen das Geschenk der Sprache vor Augen führt, dieses erstaunlich komplexe Vermögen, das wir so oft als selbstverständlich betrachten.”

Mülleimer mit Beschriftung: Think before you speak, read before you thinkDie Autorin Christina Dalcher selbst ist promovierte Linguistin und erforschte den Laut- und Sprachwandel in italienischen und britischen Dialekten. Wir erfahren im Roman viel über die Bedeutung des Sprechens als Kulturtechnik. Neben den linguistischen Aspekten, spielen auch soziologische Gesichtspunkte eine wichtige Rolle. Die Geschichte beleuchtet das Auseinanderbrechen einer amerikanischen Familie mit all den Ängsten, Unsicherheiten und Verletzungen.

“Ich glaube, das könnte der Moment gewesen sein, in dem ich begonnen habe, meinen Mann zu hassen.”

Ein Buch, das übellaunig macht

Ich möchte ganz ehrlich mit dir sein. Während meiner Lektüre von “VOX” war ich die meiste Zeit übellaunig und angespannt. Es ist ein Buch, das aufrüttelt und wütend macht. Angestachelt, habe ich über eigene Kommunikationsmuster nachgedacht und natürlich auch über die Ungleichbehandlung von Frauen und Männern. Allein in unserem täglichen Umgang miteinander, werden oft Bedürfnisse untergraben, die doch so wichtig für uns sind.

“”Ich hab dich lieb, Mommy. Ganz doll.” Nur sieben Wörter, und mir bleibt das Herz stehen.”

Frau sitzt am WasserManchmal reichen ein paar wenige Worte, um uns den Atem zu rauben. Manchmal jedoch können selbst lange Monologe die Gesprächspartnerin oder den Gesprächspartner nicht erreichen. Mimik und Gestik, Gefühle und Beziehungen spielen eine ebenso wichtig Rolle, wie die verbale Botschaft eines Gesprächs. Wir wollen weder auf die einen noch auf die anderen Komponenten verzichten.

“VOX” von Christina Dalcher ist ein Roman über Widerstand, Feminismus, Kommunikation und über den Mut, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Darüber hinaus, ist es ein Roman, der ermutigt auch für andere einzustehen, ihnen Fehler zu erlauben und zu akzeptieren, dass wir alle (nur) Menschen sind.

“Überlege, was du tun würdest, um frei zu bleiben?”

Mit dieser Frage, die sich auch Jean immer wieder stellte, möchte ich an dieser Stelle schließen. “VOX” ist ein starker Roman, keine entspannende Urlaubs-Strand-Lektüre, aber in jedem Fall ein spannendes Lese-Abenteuer.

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Wenn noch alles möglich ist

Wenn noch alles möglich ist

Wenn noch alles möglich ist

Manchmal fühlen wir uns in einer Situation “eingelockt” und wissen nicht mehr aus noch ein. Die Rahmenbedingungen geben uns das Gefühl der Enge und ein Ausweg ist vielleicht noch nicht sichtbar. Die meisten von uns vertragen dieses Gefühl überhaupt nicht gut, denn der Wunsch nach Freiheit gehört zu unseren am tiefsten verinnerlichten Bedürfnissen.

In “Hier ist noch alles möglich” von Gianna Molinari wird die Suche nach einem Wolf zu einem wichtigen Befreiungsakt im Leben der Protagonistin. Dort, wo noch alles möglich ist, herrscht Hoffnung und es ist diese Hoffnung, die wir in unserem Leben brauchen.

Wolf im Wald

“Präzise und kraftvoll vermisst Gianna Molinari in ihrem Debüt unsere Lebensräume und die Grenzen, die wir um uns ziehen.”

So liebevoll und wundersam wurde “Hier ist noch alles möglich” im Rahmen der Nominierung für den Deutschen Buchpreis 2018 vorgestellt. Glaubst du, ein Roman, der hauptsächlich in einer Fabrik spielt, in der eigentlich überhaupt nichts passiert, kann nicht spannend und lehrreich sein? Du irrst dich, denn Molinari hat es mit ihrem Debüt wahrlich bewiesen: die Suche nach dem, was uns ausmacht und bewegt, ist manchmal aufregender als das, was wir am Ende finden.

Möglichkeiten erkennen

“Die Fabrik ist keine Investition mehr mehr wert. Warum haben Sie mich dann eingestellt? Sie sind keine Investition, sondern eine Notwendigkeit. Ich will, dass alles mit rechten Dingen abläuft, ich will mir zum Ende hin keine Fehler erlauben.”

Eine Fabrik steht kurz vor der Schließung. Auf dem Gelände wurde ein Wolf gesichtet und der Fabrikbesitzer stellt eine junge Frau als Nachtwächterin an. Die ganze Geschichte wird uns aus ihrer Perspektive erzählt, dennoch erfahren wir nicht viel über sie.

“FABRIK: Ich bin nicht wegen der Fabrik hier. Ich bin hier, weil hier ein neues Umfeld zu entdecken ist.”

Wir wissen nicht wo sie herkommt und wohin sie gehen wird. Was umso seltsamer anmutet, da sie selbst sehr wissensdurstig ihre Mitmenschen, den vermeintlichen Wolf und ihre Umwelt beobachtet und wahrnimmt.

Möglichkeiten schaffen

Blüte geht aufDie Frau erzählt uns so einiges über ihre Beobachtungen und geht förmlich in ihrer Arbeit auf bzw. dem was sie daraus macht. Aus der Falle, die sie beispielsweise für den Wolf gräbt, könnte ja später ein kleiner Teich werden und die Überwachungsmonitore verraten ihr zwar keine Eindringlinge, geben jedoch spannende Einblicke in die umgebende Flora und Fauna.

“Ich werde den Koch fragen, wie der Wolf aussah, wie groß er war, was er tat, wie er schaute oder nicht schaute, wie er sich bewegte. Ich werde in die Kantine gehen, vielleicht eine Suppe essen und den Koch fragen, wie er reagiert habe, ob der Wolf ihn erschreckt habe, ob er Angst habe, ob er sich nicht habe bewegen können, wer von beiden sich zuerst bewegt habe, der Koch oder der Wolf, in welche Richtung der Wolf verschwunden sei, ob er zurückgeschaut habe, ob der Koch das habe sehen können.”

Manchmal erscheint uns unsere Arbeit stumpfsinnig und eintönig. Wir verlieren den Sinn aus den Augen und suchen nach etwas ganz Neuem, was uns Erfüllung gibt. Selten habe ich ein so ruhiges Buch wie “Hier ist noch alles möglich” gelesen, das ohne Lärm und starke Aktionen daherkommt und meinen Wunsch nach Sinnhaftigkeit und Achtsamkeit doch so sehr stärken kann.

“Ich zweifle daran, dass die Sicherheit, in der ich lebe, der Realität entspricht. Ich sehne mich nach Unsicherheit, nach mehr Echtheit vielleicht, nach Wirklichkeit. Ich möchte unterscheiden können, was wichtig ist und was nicht. Ich möchte Teil einer Geschichte sein oder viele Geschichten zugleich. Die Frau aus dem Film ist vielleicht in den Himalaya gegangen, in die Karpaten, nach Madeira oder auf eine andere Insel. Ich bin in die Fabrik gegangen.”

In eine Verpackungsfabrik um genauer zu sein. Auch das ist etwas, was ich an diesem Buch sehr mag: Es ist ein literarisches Werk, das unserer Interpretation absoluten Spielraum lässt und damit jeder Leserin und jedem Leser die Möglichkeit gibt, etwas Eigenes im Text zu entdecken.

Verpackungsmüll

Stärke und Widerstand, oder Anpassung?

Ich könnte jetzt beispielsweise lange Theorien raus kramen, wofür der Wolf in der Geschichte steht. Vielleicht geht es um das hochentwickelte Sozialverhalten, das ein solches Rudeltier mitbringt; vielleicht um seine Anpassungsfähigkeit oder seine Aura der Stärke und Widerstandsfähigkeit. Das Besondere ist wirklich, dass hier noch alles möglich ist. Beim Lesen gestalten wir die Geschichte ganz individuell und ziehen somit auch unsere eigenen Schlüsse.

“Manche Bücher sind wie Inseln. Leser betreten sie nur kurz, aber lang genug, dass sie ihre rätselhafte Schönheit, ihren sprachlichen Bewuchs, ihre Bewohner nicht mehr missen möchten. Hier ist noch alles möglich ist genau so ein Buch.” sagt Saša Stanišić über “Hier ist noch alles möglich”.

Ich kann mich diesen Worten nur anschließen. Der Debüt-Roman von Gianna Molinari ist ein achtsames Werk, das ich irgendwann nur noch nachts lesen wollte, um irgendwie in den Nachtwächterinnen-Modus der Protagonistin zu gelangen.

“Die Taschenlampe macht die Nacht nicht heller. Im Gegenteil. Das grelle Licht drückt die Nacht lediglich zur Seite. Außerhalb des Lichtkegels aber ist sie umso dunkler. Ich fürchte mich nicht vor dem Wolf. Ich fürchte mich manchmal vor der Dunkelheit.”

Mir ist, als hätte ich ein paar Tage mit ihr in dieser Verpackungsfabrik verbracht und auf die Monitore geschaut, um den Wolf zu finden. Mir ist auch, als hätte ich mit diesem Roman ein Stückchen mehr Bewusstsein für die kleinen Dinge und Erlebnisse entwickelt. Es ist ein gutes Buch. Hier ist noch alles möglich.

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Genießt du die Einsamkeit?

Manchmal entscheiden wir uns für Einsamkeit, um Klarheit zu gewinnen, zu uns selbst zu finden, etwas zu genießen, das nicht durch den Einfluss unserer Mitmenschen verfälscht wird.

Alltagsrassismus verstehen & Mikroaggressionen erkennen: Bücher für weiße Leser*innen

Bücher über Alltagsrassismus: Perspektiven verstehen, Mikroaggressionen erkennen und lernen, wie weiße Leser*innen Verantwortung übernehmen können.

Mädchen, der ist nicht gut für dich!

Hast du auch diese eine Freundin, die sich immer wieder in den Falschen verliebt? Oder bist du vielleicht selbst eine, deren Interesse an einem Mann in dem Maße wächst, in dem er dich herabsetzt, Distanz aufbaut und sich dir gegenüber gleichgültig zeigt?

Hast du denn gar keine Phantasie?

Niemand möchte hören “Jetzt entspann dich doch mal!” Selten gehen solche Aufforderungen mit konstruktiven Tipps einher, wie wir das anstellen sollen. Dieses Buch kann helfen.

Wo ist dein Platz in dieser Welt?

Vielleicht wollen wir nicht, dass uns jemand vorschreibt, was wir tun und lassen sollen. Aber manchmal einen Mensch an der Seite, der uns ein bisschen die Richtung weist …

Feminismus für Männer: Bücher über Männlichkeit, Emotionen und Veränderung

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Wirst du einen Neuanfang wagen?

Kennst du diese Tage der Eintönigkeit, an denen wir gar nicht richtig sagen könnten, ob sich dieses Leben aktuell so wirklich lohnt? Ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf schwelende Konflikte, andauernde Selbstzweifel und immer wieder dieses Gefühl, nicht genug zu sein und nicht genug zu leisten.

Struktur: Wieviel brauchst du?

Was gibt dir Struktur in deinem Alltag? Sind es Routinen, die du dir bewusst eingebaut hast? Ist es die Arbeit, an deren zeitliche Festlegungen du dich notwendigerweise hältst? Wie resilient bist du, wenn es um die Bewältigung von Krisen geht und wieviel Halt brauchst du überhaupt im Leben?

Das willst du wirklich

Warum gehst du eigentlich oft so pessimistisch an die Dinge heran? Warum fällt es uns so schwer positiv zu bleiben und …

Was ist Heimat für dich?

Heimat wird bei uns meist mit einem Raum verbunden, in den wir hineingeboren werden. Oder ein Ort, den wir schon lange bewohnen und der ein Wohlgefühl in uns auslöst. Manchmal widersprechen sich diese Herangehensweisen.

Was ist Bookcrossing? Ich erzähle euch von einer meiner größten Leidenschaften.

Was ist Bookcrossing? Ich erzähle euch von einer meiner größten Leidenschaften.

Was ist Bookcrossing?

Ich erzähle euch von einer meiner größten Leidenschaften!

In Gedenken an die wunderbare Bookcrosserin und Autorin Gudrun Maria Friedrich alias Patschouli, die im Mai 2018 im Alter von 95 Jahren entschlief.

Etwas “freilassen” und dabei trotzdem gewinnen; “auf die Jagd gehen” ohne Blutvergießen; reisende Bücher … all das klingt irgendwie fantastisch in deinen Ohren? Ist aber trotzdem schon Realität. Bookcrossing ermöglicht die Weitergabe von Büchern, einfach aus Freude am Teilen. Völlig unkommerziell und dafür mit viel Liebe zum Abenteuer, den Menschen und der Literatur.

1. Einführung und die drei wichtigsten Schritte beim Bookcrossing

Frau mit rotem Kleid liestNächstes Jahr werde ich Zehn. Mein 10. Bookcrossing-Geburtstag fällt auf einen Freitag, genauer gesagt den 23. August 2019. Es kann bestimmt nicht schaden so langsam mit der Party-Planung anzufangen und ein paar Bücher zum Freilassen zu horten. Das klingt jetzt sicher ein bisschen ironisch, aber ganz im Ernst: Bookcrossing nimmt seit vielen Jahren einen sehr wichtigen Stellenwert in meinem Leben ein und darüber möchte ich in diesem Artikel sprechen. Ich werde dir erzählen, was es mit den reisenden Büchern auf sich hat, welche Werte dahinter stehen und wie sich der ganze Spaß auf meinen Alltag auswirkt. Und um gleich mal eines klarzustellen: Weniger Bücher habe ich durch das Freilassen keinesfalls!

Hier die 3 wichtigsten Schritte beim Bookcrossen:

  1. Registriere ein Buch deiner Wahl und generiere so eine BCID (Bookcrossing-ID) für dieses Buch.
  2. Schreibe die BCID in das Buch und ergänze sie mit einer kurzen Info zu Bookcrossing bzw. dem Hinweis zur Homepage.
  3. Lasse das Buch irgendwo frei, wo es trocken und geschützt von jmd. anderem gefunden werden kann.

Was sonst noch alles zu Bookcrossing gehört, erfährst du in diesem Artikel, aber das wichtigste weißt du schon jetzt: Bookcrossing macht die Welt zu einer großen Bibliothek!

2. Was ist Bookcrossing?

Bookcrossing hat ein hehres und bewundernswertes Ziel: Menschen durch Bücher miteinander verbinden. Das gelingt indem Bücher auf Reisen gehen, die zuvor online registriert wurden und mit einer ID versehen wurden. Jedes BC-Buch erhält somit sein ganz eigenes Logbuch. Mithilfe dieses Logbuches und der passenden ID können wir die Reise eines Buches nachvollziehen und erfahren, wie das Buch anderen gefallen hat.

Bücherstapel auf Fensterbank

“Wir sind gegen Bücher in Regalhaltung!”

Das ist einer von vielen witzigen Slogans von uns BookcrosserInnen. Wir wollen Bücher wieder in Umlauf bringen, versorgen öffentliche Bücherschränke, Cafés und Bücher-Telefonzellen mit Büchern. Wir legen sie auf Parkbänke oder verstecken sie an den unmöglichsten Orten. Innerhalb der Community versenden wir Buchwünsche, Ringe, Überraschungsbücher. Manchmal fragen uns auch Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen an und bekommen tolle Buchspenden von uns.

öffentliches BücherregalMenschen, die ein registriertes Buch finden, müssen sich keinesfalls anmelden (sie können es aber), um einen Eintrag im Buch zu hinterlassen. Die Bücher sind frei, d.h. sie müssen auch nicht wieder auf Reisen geschickt werden. Wenn dir ein Buch besonders gefällt, behalte es einfach. Natürlich aber freut es jede Bookcrosserin und jeden Bookcrosser, wenn wir mal wieder von einem Buch “hören”, also jemand einen Eintrag gemacht hat. Wir wollen erfahren, wie es andere fanden und welche Reise das Buch macht. Auf Bookcrossing kannst du auch ganz gezielt in deiner Umgebung nach freigelassenen Büchern suchen. BookcrosserInnen wollen Bücher wieder ihrem eigentlichen Zweck zuführen: Bücher wollen gelesen werden.

3. Ein paar spannende Fakten rund um Bookcrossing

  • rund 2 Mio Mitglieder weltweit, über 12 Mio registrierte Bücher reisen durch 132 verschiedene Länder
  • der Begriff “Bookcrossing” wurde 2004 ins Concise Oxford English Dictionary aufgenommen und beschreibt die Tätigkeit, Bücher öffentlich auszulegen, damit sie gefunden und wieder gelesen werden können
  • die am Häufigsten registrierten Bücher sind:
  1. Rachel’s Holiday von Marian Keyes.
  2. Pride and Prejudice von Jane Austen.
  3. The Book Thief von Markus Zusak.

4. Geschichte und Hintergründe zu Bookcrossing

Alles begann mit dem Wunsch die Reise von Büchern mitverfolgen zu können, so wie auch Geldscheine damals schon getrackt werden konnten. Ron Hornbaker, seine Frau Kaori und die MitgründerInnen Bruce & Heather Pedersen ermöglichten die Veröffentlichung der Seite am 21. April 2001. Der 21. April wird jährlich als Bookcrossingday gefeiert.

Bookcrossing hat sich schnell in der ganzen Welt verbreitet und ist heute eine weltweite Community von Menschen, die sich für Bücher und Literatur begeistern. Das Kern-Team hat seinen Sitz in Sandpoint, Idaho in den USA, aber es gibt natürlich noch zahlreiche Helferinnen und Helfer überall in der Welt.

5. Welche Werte stehen für mich dahinter?

Bookcrossing ist sozial, weltverbessernd und innovativ. Wer sich näher mit der Idee des Bookcrossens auseinandersetzt, wird gewahr, wie vielseitig und tiefgreifend damit die Gesellschaft verändert werden kann. Ich möchte hier ein paar Werte vorstellen, die mir besonders wichtig sind und unbedingt mit meiner Leidenschaft für Bookcrossing zusammenhängen.

  • Leseförderung und Bildung: Bookcrossing unterstützt die Verbreitung eines wichtigen Kulturguts. Durch die Verteilung von kostenlosen Büchern im öffentlichen Raum, werden sie wieder verstärkt Bestandteil unserer Lebenswelt. Mir ist sehr wichtig, dass Kinder viel von Büchern umgeben sind und mit diesen selbstverständlich aufwachsen. Bildung sollte immer einfach und kostenlos zugänglich gemacht werden. Bookcrossing trägt ungemein dazu bei.
  • Nachhaltigkeit: Ich bin absolut dafür, den regionalen Buchhandel zu unterstützen, Verlage am Leben zu halten und auch immer neuen Veröffentlichungen eine Chance zu geben. Trotzdem gibt es so viele Bücher, die einmal gelesen wurden und danach irgendwo verstauben. Bookcrossing sorgt für Bewegung solcher Bücher, bringt sie wieder in Umlauf und schützt dadurch die Umwelt.
  • Austausch und Vernetzung: Bücher und Menschen – das gehört für mich einfach zusammen. Durch den Austausch und die Vernetzung erweitern wir unseren Horizont, gewinnen Freunde und neue Perspektiven. Es entstehen gemeinsame Projekte und sogar über Ländergrenzen hinweg, werden freundschaftliche Bande geknüpft. Wie schön ist es auch auf Bookcrossing zu stöbern und nachzulesen, wie Menschen in anderen Ländern dieses oder jenes Buch gefallen hat. Inspiration und Entdecken spielen dabei eine große Rolle.

6. Die Bookcrossing-Community

„BC sind für mich nicht in erster Linie die Bücher sondern die Menschen.“ sagt Zaida auf die Frage hin, was Bookcrossing für sie bedeute.

Bookcrossing verbindet Bücher und Menschen auf besondere Weise und auch wenn du dein Leben lang bookcrossen könntest, ohne dich jemals direkt mit anderen BookcrosserInnen auszutauschen – es geht auch anders! In vielen großen Städten finden regelmäßig BC-Meetups statt: Das sind sehr gesellige Treffen zu denen auch immer Newbies willkommen sind. Jede und jeder bringt so viele registrierte Bücher mit wie er oder sie mag, essen und trinken zusammen und verbringen eine schöne gemeinsame Zeit. Oft kennen BookcrosserInnen untereinander schon die Lesegeschmäcker und bringen sich gezielt Wunsch- und Überraschungsbücher mit. In Berlin weiß frau und man zum Beispiel, dass ich oft Historische Romane für meine Großeltern mitnehme und bekomme hin und wieder ganz gezielt solche zugeschoben. (:

Neben kleineren Meetups, wozu auch Bücher-Picknicks und Release-Spaziergänge gehören, gibt es Conventions und Unconventions. Das sind dann internationale und nationale Treffen, die BookcrosserInnen aus der ganzen Welt anlocken. Bisher habe ich es leider noch zu keinem dieser Treffen geschafft, aber so habe ich immer noch etwas, worauf ich mich in der Zukunft freuen kann.

Einen besonderen Stellenwert in der deutschsprachigen Community nimmt das deutschsprachige Forum auf Bookcrossing ein. Hier werden Buchringe organisiert, Lesemarathons geplant, Literaturzitate gepostet und noch viel mehr. Am besten du schaust selbst mal vorbei und machst dir ein Bild. Hier geht’s zum Forum und hier zum Info-Thread für Newbies.

7. Die BC-Sprache: OBCZ, Rays, auf die Jagd gehen, Wunschlisten und noch viel mehr

Ich werde an dieser Stelle nur die geläufigsten Begriffe erläutern. Eine wirklich wunderbare, sehr ausführliche Übersicht aller Begriffe und Abkürzungen findet ihr auf der deutschsprachigen Supportseite Bookcrossers.de. Aber wie versprochen die wichtigsten an dieser Stelle:

  1. Frau liest in der BadewanneEine OBCZ ist eine Offizielle Bookcrossing Zone. Das kann ein öffentliches Bücherregal sein, eine Bücher-Telefonzelle oder ein betreutes Regal in einem Café. OBCZs werden von aktiven BookcrosserInnen betreut. Eine Liste vieler OBCZs im deutschsprachigen Raum findet ihr hier: OBCZ-Liste. Ihr könnt aber auch direkt beim “Bücher-Jagen” danach suchen.
  2. Womit wir schon bei der nächsten Begrifflichkeit wären: “auf die Jagd gehen”. Ja, Bücher kann man jagen. BookcrosserInnen können Bücher, die sie öffentlich freilassen, mit Ort und Zeit versehen und so für andere gezielt auffindbar machen. So kannst du zum Beispiel schauen, ob in deinem Heimatort oder deinem Stadtteil kürzlich ein Buch freigelassen wurde. OBCZs sind dort übrigens mit einem kleinen Ballycumber-Symbol gekennzeichnet.
  3. Der Ballycumber ist das kleine gelbe, laufende Buch, das dir bei Bookcrossing immer wieder begegnen wird. Sozusagen unser Bookcrossing-Maskottchen.
  4. Ein Buchring ist ein Buch, das gezielt eine festgelegte Wanderschaft antritt. Wenn ich zum Beispiel ein Buch registriere, kann ich im Forum oder bei einem Meetup anfragen, wer das Buch lesen möchte. Dann wandert das Buch zu diesen verschiedenen LeserInnen, erhält neue Einträge und landet irgendwann wieder bei mir. Ein Ray ist wie ein Buch-Ring, muss aber zum Schluss nicht an die erste Person zurückgesandt werden.
  5. Sehr schön finde ich auch die Idee der Wunschlisten, denn dort kann jede Bookcrosserin und jeder Bookcrosser angeben, welche Bücher sie oder er gerne lesen würde. Viele BookcrosserInnen machen sich die Mühe und schauen bei einem registrierten Buch, ob es irgendwo auf einer Wunschliste steht und schicken dieses dann nach Adressanfrage zu. Eine ganz tolle Praktik, die mir selbst immer wieder große Freude bereitet. Egal ob als Senderin oder Beschenkte.
  6. “Flügel”: Bookcrossing ist kostenlos. Du kannst ohne Probleme über Jahre Bookcrossen, ohne Geld dafür auszugeben. Mit den “Flügeln” kannst du jedoch Bookcrossing unterstützen. Du erhältst ein paar Features und hältst mit einem kleinen Beitrag die Webseite am Laufen. Bookcrossing ist nicht kommerziell, aber natürlich lässt sich so ein großes Projekt nicht völlig ohne finanzielle Unterstützung am Laufen halten. Eine andere Form der Unterstützung ist, die Produkte im Shop zu kaufen. Aber sei an dieser Stelle nochmal versichert: Bookcrossing ist kostenlos.

Bestimmt habe ich hier viele auch wichtige Aspekte ausgelassen. Fühlt euch frei, diese in den Kommentaren zu ergänzen und damit allen LeserInnen diese Informationen zukommen zu lassen.

Bank vor blauem Himmel

8. Bookcrossing in meinem Leben und warum ich mich gerne dafür engagiere

Wenn es um Bookcrossing geht, gehöre ich zwar nicht zu den ganz Harten, aber ein bisschen nerdig verhalte ich mich im Rahmen meines Hobbys schon. Ich habe drei OBCZs selbst gegründet, davon zwei Regale völlig neu angelegt. Ich komme an keinem Bücherkarton vorbei und habe bis zum heutigen Tag über 2500 Bücher auf Bookcrossing registriert. Davon die meisten unter meinem alten Account. Seit Gründung von Literaturpower habe ich einen neuen Account angelegt, unter dem ich nun hauptsächlich agiere. Die meisten der von mir registrierten Bücher habe ich nicht selbst gelesen. Oft sind es Funde aus Freeboxen und Ähnlichem. Sie spiegeln also nicht wirklich meinen Lesegeschmack wieder.

Bücher, Pflanze und Glas auf FensterbankFür meine verschiedenen Tätigkeiten z.B. für Projekte mit Schulen usw. habe ich andere Accounts verwendet. Meine erste OBCZ habe ich während meines Studiums in Rostock gegründet: ein offenes Bücherregal in der Rostocker Ökovilla. Der Ort ist bestens geeignet für eine OBCZ und ist geprägt durch ständigen Bücher-Austausch.

Hin und wieder besuche ich auch Meetups und bin sowohl in Mecklenburg-Vorpommern, als auch in Berlin mit vielen wunderbaren Bookcrosserinnen und Bookcrossern bekannt und befreundet. Seit diesem Jahr schicke ich regelmäßig auch Buchringe auf Reisen. Zuhause habe ich ein großes Regal nur für Bücher, die noch registriert und freigelassen werden wollen. Oft stehen auch davor große Stapel. Vor meinen Umzügen habe ich in den letzten Jahren manchmal tagelang Bücher registriert und freigelassen.

Ich versende sehr gerne Wunschbücher und freue mich immer sehr, wenn ein Buch einen Journaleintrag bekommt. Das ist nicht immer selbstverständlich. Von vielen Büchern, die ich registriere, höre ich nie wieder, aber das finde ich auch nicht so schlimm. Ich weiß ja, dass sie irgendwo da draußen sind und vielleicht gelesen werden. Manchmal bekommst du auch erst nach Jahren wieder eine Rückmeldung von einem Buch. Das ist dann besonders schön.

Leseförderung und der Wunsch, meine Begeisterung für Literatur mit anderen Menschen zu teilen, sind ein ständiger Antrieb bei meiner Bookcrossing-Tätigkeit. Manchmal gibt es monatelange Phasen ohne dass ich ein Buch registriere oder ins Forum schaue und dann wieder bin ich sehr aktiv. Aber im Herzen bin und bleibe ich immer Bookcrosserin. Das gehört inzwischen einfach zu mir.

9. Das sagen BookcrosserInnen über ihr bibliophiles Hobby

Lilo37fee schreibt:

“Für mich ist Bookcrossing
… eine Inspirationsquelle in Sachen Büchern.
… eine Möglichkeit, Leserinnen kennen zu lernen und mich über Bücher auszutauschen.
… eine spannende Möglichkeit der virtuellen Schnitzeljagd.
… eine Aktivität, die mir immer wieder den Glauben an die Menschheit zurück gibt, weil man gibt, ohne direkt was zu bekommen und bekommt, ohne etwas gegeben zu haben.
… eine Internetseite, die mir hilft, Buchwünsche zu vermerken.
… eine Internetseite, über die ich schon oft im RL Menschen kennen gelernt habe, gerade, wenn ich in fremden Städten unterwegs bin, Bookcrosser gibts überall 🙂 ”

Bücher auf einem Café-Tisch

bluezwuzl schreibt:

Bookcrossing bedeutet für mich …
– ein Tor zu Büchern Autoren und Literaturlandschaften, die ich sonst nie kennengelernt hätte
– eine Möglichkeit, neue Freunde für ungeliebte Exemplare oder Regalhocker zu finden
– Leseanregungen und -tipps und die Möglichkeit, sie für mich festzuhalten
– Kontakt zu Bücherverrückten und Lesefreunden aus aller Welt
– spannende Freilassaktionen und Büchersuchen
– und auch nicht zu verachten (es ist ja bald Weihnachten und ich verschenke generell überwiegend Bücher): Geschenktipps für Freunde mit Lesevorlieben, die ich nicht teile.”

rosanes Bücherregal

Lire schreibt:

“Viel gelesen habe ich immer schon. Aber auch ich hätte, ohne dass man mich hier im Forum oder auf Treffen darauf aufmerksam gemacht hätte, manches Buch nicht gelesen. >>Alles wirkliche Leben ist Begegnung<< – dieser Satz von Martin Buber ist eines meiner Lebensmottos. Deswegen sind mir die Treffen am Wichtigsten.”

Pyrrhula schreibt:

“Neben allen [im Forum] bereits genannten Dingen (den Büchern und den Menschen) ist es für mich die Möglichkeit in meinem kleinen verschlafenen Dörfchen zu leben und doch irgendwie mittendrin zu sein… Und mir Kultur und die Welt ins Haus zu holen, auch außerhalb von Besuchen in der einen oder anderen Großstadt.”

10. Weitere Quellen über Bookcrossing

Mann liest in einer Hängematte*Eine sehr ausführliche Übersicht (leider nur auf Englisch) über alle möglichen Fragen und Antworten zu Bookcrossing findest du hier: FAQ.

*Natürlich gibt es auch einen Wikipedia-Eintrag über Bookcrossing.

*In der Presse finden sich zahlreiche Beiträge über Bookcrossing. So zum Beispiel in der FAZ, im Tagesspiegel, auf Spiegel-Online und auch der Stern hat schon über wandernde Bücher berichtet.

*Eine weitere wichtige Quelle für Informationen rund um Bookcrossing ist auch bookcrossers.de. Dort findest du wirklich alles, was du rund um Bookcrossing wissen möchtest.

Jetzt hast du sicher einen umfassenden Eindruck davon bekommen, was Bookcrossing ist und welche Rolle es in der Welt und für die Menschen spielt. Schau auf alle Fälle auch auf der Bookcrossing-Webseite vorbei. Wenn dich die Idee von Bookcrossing begeistert, erzähle anderen davon, lege Bücher aus und teile sehr gerne diesen Artikel.

Zum Abschluss noch ein paar Fragen zur Diskussion in den Kommentaren:
Gibt es Bücher die du nicht weitergeben könntest, weil du sie unbedingt behalten musst? Falls du bereits Bookcrosserin oder Bookcrosser bist: Welche Rolle nimmt Bookcrossing in deinem Leben ein? Was bedeutet es für dich? Ich freue mich auf eure Meinungen und Kommentare!

Bücher, die dir helfen dein Leben zu verändern?

Hier geht's zum Motivations-Paket!

Was ist Heimat für dich?

Heimat wird bei uns meist mit einem Raum verbunden, in den wir hineingeboren werden. Oder ein Ort, den wir schon lange bewohnen und der ein Wohlgefühl in uns auslöst. Manchmal widersprechen sich diese Herangehensweisen.

Auf diese Aufgaben bereitet das Leben nicht vor

Alle Eltern werden irgendwann alt und manche im Alter sogar krank. Oft werden dann die Rollen getauscht und …

Sei die pure Leidenschaft!

Sicher gibt es auch in dir eine Sehnsucht, die dich antreibt, dich zweifeln lässt und deine Gedankenwelt genau dann aufwühlt, wenn du es gerade eigentlich überhaupt nicht gebrauchen kannst. Wenn du dich manchmal schon gefragt hast, wonach du dich da eigentlich sehnst, dann ist das hier vielleicht die Antwort: Leidenschaft.

Nicht gegen den Tod, sondern für das Leben entscheiden

Manchmal ist es gut sich zu verkriechen, der Trauer Raum zu geben. Dann kommt aber auch wieder eine Zeit, in der wir Kraft schöpfen. Bist du soweit?

Zuversicht ist gut, Selbstvertrauen ist besser

”Lass das sein, das wird eh nichts!” Autsch! Sowas zu hören, tut weh! Und trotzdem sagen wir ähnliche Sätze immer mal wieder zu anderen und – viel schlimmer noch – zu uns selbst. Überwinde solche Grenzen und fang endlich an, an dich zu glauben!

Bücher über Klassismus: Literatur gegen Ausgrenzung und Ungerechtigkeit

Klassismus wird immer noch viel zu wenig thematisiert. Dabei begegnet er uns überall: in Schule, Studium, Arbeit, Freundeskreis und Familie. Er macht krank und sorgt für Angst, Unsicherheit, Scham. Vor allem beeinflusst er, wie wir uns selbst sehen...

Bücher über Polyamorie, die dein Lieben verändern werden

Wie lieben wir im 21. Jahrhundert? In diesem Artikel stelle ich dir verschiedene Bücher vor, die deine Perspektive auf die Liebe und deine Beziehungen verändern werden.

Du musst deine Eltern nicht retten!

Gerade wenn es um die eigenen Eltern geht, scheuen viele von uns die Auseinandersetzung. Wir sind aber alle Töchter und Söhne und die familiären Beziehungen haben ihre Spuren in unserem Leben hinterlassen.

Bindungsstile verstehen: Die besten Bücher über Attachment, Heilung & sichere Beziehungen

Bindungsstile verstehen, Beziehungen reflektieren: eine Auswahl an Büchern über Attachment, Heilung und sichere Partnerschaften.

Hast du denn gar keine Phantasie?

Niemand möchte hören “Jetzt entspann dich doch mal!” Selten gehen solche Aufforderungen mit konstruktiven Tipps einher, wie wir das anstellen sollen. Dieses Buch kann helfen.

Bücher über das Leben

Bücher über das Leben

Bücher über das Leben

Finde deine Leidenschaft, Inspiration und Motivation in der Literatur!

Ändere dein Denken, indem du dein Wissen erweiterst!

Bücher über das Leben helfen dir dabei. Hier werde ich dir erklären wie das geht und wie du von solchen Büchern profitierst. Es lohnt sich übrigens diesen Artikel bis zum Ende durchzulesen (oder einfach bis zum letzten Punkt runterzuscrollen) denn dort gibt es interessante Lese-Empfehlungen und auch deine Meinung bzw. deine Empfehlung ist gefragt. Also bleib dran und hab Spaß beim Lesen!

Frau und Mann und Hund sitzen auf Bett

1. Einführung: Bücher über das Leben

Menschen haben mein Leben verändert. Ereignisse auch. Genauso Reisen, Prüfungen und Kinofilme. Ganz besonders Kinofilme! Ich denke da zum Beispiel an “There will be blood” oder auch “Die Truman-Show”. Die Katharsis (die seelische Reinigung) von der Aristoteles in seiner Dramentheorie gesprochen hat – sie funktioniert bei mir seit jeher ausnahmslos gut. Aber eben nicht nur bei Kinobesuchen, Theatervorstellungen und Fernsehserien. Ein Bereich unserer Kultur und Zivilisation hat es ganz besonders auf mich abgesehen: die Literatur.

In Romanen lernen wir nämlich etwas über das Leben. Dabei sind Romane nicht belehrend, wie ein Sachbuch oder Ratgeberbuch vielleicht, sondern sie zeigen uns neue Perspektiven, bringen uns zum Nachdenken, provozieren Veränderung und erzeugen Inspiration. Bücher über das Leben habe ich in meinem Leben schon eine Menge gelesen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer ich ohne sie wäre und deshalb freue ich mich, dir hier etwas über solche besonderen und inspirierenden Bücher mitgeben zu können.

2. Was sind Bücher über das Leben?

Bücher können dein Leben verändern. Ich kann wahrscheinlich gar nicht mehr die Momente zählen, in denen mich ein guter Plot aus einer kniffligen Situation gerettet hat oder ich eine Lebensweisheit einer Romanfigur für mich verinnerlichen konnte. Bücher über das Leben erzählen von Menschen und ihrem Schicksal oder auch von der Natur, der Erde und dem Universum. Bücher lehren uns neue Blickwinkel, wecken Emotionen und manchmal kratzen sie auch an uns – vielleicht weil uns ein bestimmter Aspekt berührt, aufrüttelt oder sogar erschüttert.

Ich höre (während des Reisens) nicht auf, zu lesen. Dies ist nach meiner Überzeugung notwendig: einmal, um nicht mit mir allein zufrieden zu sein; sodann, um, wenn ich erfahren, was andere gefunden haben, ihre Entdeckungen zu prüfen und auf neue Entdeckungen zu sinnen. Seneca

lachende FrauBücher unterhalten natürlich, aber sie sind auch reich an Entdeckungen, die unseren Horizont erweitern und zu geistigem Wachstum beitragen. In der Literatur steckt eine Vielzahl an Eindrücken und Reisen, Gesprächen, Abenteuern und Beziehungen, die im Film einfach oft zu flüchtig wären und die im realen Leben nicht zu leisten wären. Für mein Foto- und Interviewformat #humansofbooks habe ich vor kurzem eine Frau getroffen, die ein Buch über Menschen und ihre Reisen las. Sie erzählte mir, dass sie selbst gerne reise und sich so inspirieren lasse. Romane bilden unseren Charakter und formen den Verstand. Umso wichtiger und interessanter ist, wie wir die passenden Bücher für uns auswählen und wo wir sie finden.

3. Wie finde ich das Buch, das ich lesen möchte und das zu mir passt?

Manche Menschen werden besonders von Romanen mitgerissen, andere wiederum lassen sich besonders von Biographien inspirieren und motivieren. Die eine identifiziert sich besonders gut mit Protagonistinnen aus der Literatur des 18. Jahrhunderts, und wiederum ein anderer hat es eher auf Graphic Novels abgesehen. Dabei ist es immer gut, offen für neue Genre, Stile und Perspektiven zu bleiben. Ich mag in dem Zusammenhang ein Zitat von Henry Ford:

“Wer immer nur tut, was er schon kann, bleibt nur das, was er schon ist.”

Spruch: Life is short. Do stuff that matters.Das lässt sich nämlich auch ganz einfach auf unser Leseverhalten übertragen: Wenn wir immer nur lesen, was wir schon kennen – wie sollen uns dann ganz neue Inspirationen finden? Wo also finden wir sie nun, diese neuen Inspirationen. Im Grunde überall: Nimm dir einmal Zeit und schlendere durch eine Bibliothek oder stöbere in einer schönen Buchhandlung. Lies die Klappentexte und befrage, wenn du Lust hast, die Buchhändlerin (Denn eigentlich ist doch jede gute Buchhändlerin und jeder gute Buchhändler eine Bibliotherapeutin bzw. ein Bibliotherapeut, oder?).

Ebenso lohnt es sich im Internet auf Entdeckungsreise zu gehen: Es gibt viele liebevoll gestaltete Literatur-Blogs, Plattformen, Foren in denen sich über Bücher ausgetauscht wird. Bleibe neugierig und interessiert und das richtige Buch wird dich ganz sicher finden. Intuition und Zufall spielen dabei eine wichtige Rolle. Suchst du einen Roman zu einer ganz bestimmten Lebenssituation, bist du auch herzlich eingeladen auf Literaturpower zu suchen.
In jedem Falle gilt: Kein Buch ist wie das andere und manchmal ist es ratsam, einem Genre eine zweite Chance zu geben, wenn das erste Buch noch nicht gepasst hat. Egal ob es nun Bestseller, Klassiker oder Heftromane sind – was dich berührt und weiterbringt ist immer subjektiv und von vielen individuellen Faktoren abhängig.

4. Wie können uns Bücher über das Leben beeinflussen?

Subjektiv und individuell. Trotzdem lassen sich ein paar allgemeingültige Fakten über den Einfluss von Büchern auf unsere Wahrnehmung festhalten. Ausführlich habe ich das an dieser Stelle beschrieben: Bibliotherapie. Hier werde ich nur in wenigen Sätzen zusammenfassen, wie Bücher über das Leben uns motivieren, bereichern, herausfordern und stärken können. In guten Büchern wird unser Verständnis geprägt, wir erweitern unser Wissen und hinterfragen unsere Einstellungen.

Fensterfront mit Büchern

Durch die Identifikation mit den ProtagonistInnen wird unsere Empathie gestärkt, aber auch unsere soziale Kompetenz und sogar Resilienz. Wir erweitern automatisch unseren Erfahrungsschatz und können in Krisenzeiten aus einem größeren Bestand an Lösungen und Ideen schöpfen. Romane lösen Emotionen aus. Das kann zum einen befreiend und erleichternd wirken, aber auch Reibung und Widerstand hervorrufen. Gerade in solchen Momenten lernen wir nicht nur einiges über die Welt und Perspektiven da draußen, sondern auch in unserem Innersten. Lesen ist Entdecken, Eintauchen, Motivation und Inspiration. Viele spannende Buch- und Lese-Empfehlungen findest du auf Literaturpower, ein paar ausgewählte Empfehlungen von AutorInnen, BloggerInnen und LeserInnen präsentiere ich dir hier:

5. Leseempfehlungen von begeisterten Leserinnen und Lesern

Auf Facebook habe ich gezielt um jene Buchempfehlungen gebeten, die uns etwas über das Leben lehren.

Hier sind die Fragen:

Was hat dich an diesem Buch fasziniert, inspiriert oder bereichert?
Welche Aspekte des Lebens werden aufgeworfen?
Warum empfiehlst du gerade dieses Buch?

Und hier die Antworten:

Buchcover “Ich empfehle definitiv „Ludvig, meine Liebe“ [Katarina von Bredow]. Das Buch hat ein Thema behandelt, das als Tabu gilt – Inzest und die Liebe zwischen Geschwistern. Und zwar sehr realistisch, mit den Problemen und allem, aber auch mit den üblichen schönen Momenten einer Liebesgeschichte.
Das Buch hat mir gezeigt, dass es okay ist nicht unbedingt so zu denken wie der Rest der Gesellschaft. Das nicht alles, was gesellschaftlich verwerflich ist auch böse ist. Es lehrt einen, in meinen Augen, einfach viel darüber, dass es immer einfacher ist zu reden und zu verurteilen als selbst in der Situation drin zu stecken. Und das die Situation, egal, wie böse und schändlich andere Menschen sie finden, nicht deswegen schlecht ist, wenn man sie selber toll findet. Oder man Glück empfindet. Es zeigt einfach das die Gesellschaft nicht immer das zeigt, was jeder fühlt sondern nur das, was sich irgendwer mal ausgedacht und als richtig empfunden hat.”
Lena Jäker

Buchcover zu Oscar de Muriel“Was mich vor kurzem wirklich nachhaltig beeindruckt hat, war die Krimireihe von Oscar de Muriel. Sie spielt in der viktorianischen Zeit, wo ein sehr ungleiches Ermittlerteam (Schotte und Engländer) in mysteriösen und scheinbar übersinnlichen Fällen ermittelt. Nach außen hin wirken beide wie richtig toughe Polizisten, aber jeder der beiden hat so seine Päckchen zu tragen, sie haben mit Zurückweisung und Tragik zu kämpfen, die einen hohen emotionalen Druck auf sie ausüben und ihnen manchmal die Tränen in die Augen treiben. Und gerade deswegen kann man sich mit ihnen gut identifizieren. Was mir auch gut gefallen hat, waren die Kriminalfälle, die immer übersinnlich anfangen, dann aber doch eine sehr irdische Auflösung erfahren. Viele Dinge oder Menschen sind eben nicht das, was sie nach außen hin zu sein scheinen, das ist die Lehre, die ich persönlich daraus ziehe. Deshalb: don’t judge a book only by its cover.”
Autorin Karin Kaiser

Buchcover “Ein Buch, das mich enorm beeindruckt hat, war „The Gods Themselves“ von Isaac Asimov; auf deutsch erschienen unter dem Titel „Lunatico“. Der Streit zwischen den Wissenschaftlern im ersten Drittel zeigt wunderbar plastisch auf, wie wenig unser Handeln am Ende von hehren Zielen geleitet ist und wie sehr von persönlichen Eitelkeiten und Ängsten. Es hat mich damals sehr zum Nachdenken gebracht, nicht nur über meine Mitmenschen, sondern auch über mich selbst.”
Autor Markus Gerwinski

Buchcover Melrose“Wow, also eigentlich ist es nicht ein Buch, sondern ein Zyklus von fünf Büchern, die aber alle in einem Band bei Piper erschienen sind. Titel: Melrose – Autor Edward St. Aubyn. Autobiographische Romane über das Leben in seiner ganzen Fülle. Da fehlt nix. Keine Höhen, keine Tiefen. Das ist pures Menschsein unter den schwierigen Bedingungen einer schwierigen Kindheit, obwohl Geld nicht unbedingt das Problem war und die Familie absolut in der englischen High Society angesiedelt ist oder war. Der harte Weg, raus aus Depression, Drogen, Geheimnissen über den Missbrauch in der Kindheit – der ein Leben lang anhält, wie es scheint, zum Teil unglaublich witzig erzählt, entlarvend, bissig, und gleichzeitig zu herrzerreißend ehrlich und auch warmherzig, dass das mein absolutes Inselbuch wäre. Hier ist alles drin, was Leben ausmacht und noch viel mehr. Klug, sprachlich und strukturell, konzeptionell brilliant.”
Bloggerin Brigitte von Freyberg

Buchcover “Ich sag da sofort “Das Findelkind“ von Didier Cauweleart (frz. Un aller simple).
Dieses Buch nimmt uns mit auf die Reise von Aziz. In fast schon ironischer Art und Weise werden herkömmliche Denkstrukturen bezüglich Identität, Herrkunft, “Selbstvertrauen“ und woran man diese Dinge fest macht, hinterfragt und irgendwo zumindest teilweise ad absurdum geführt.
Unsere Welt besteht aus Symbolen….mitunter Symbolen der Abgrenzung oder der Überlegenheitsbekundung. Der Autor weist mit seiner Geschichte elegant daraufhin das wahres Glück nichts mit unserem Schwarz-Weiß Denken zu tun hat, sondern der Samen dafür in einer positiven Lebenseinstellung liegt.”
Klaus Bergmann

Buchcover “Nach langem Nachdenken würde ich mich für „Chickensoup for the Soul“ von Jack Canfield [„Hühnersuppe für die Seele“]entscheiden. Meine beste Freundin hat mir das Buch geschenkt, nachdem ich die schlimmsten Monate meines Lebens durchgemacht habe und um ein Haar meinen kleinen Sohn verloren hätte. Das Buch gab mir so viel Hoffnung und Kraft und hat es echt geschafft, dass ich mein Augenmerk wieder auf die schönen Seiten des Lebens lenken konnte. Das Buch war der Beginn einer langen Entwicklungsreise, die noch nicht zu Ende ist.”
Autorin Anja Lehmann

Zum Schluss habe ich noch eine ganz konkrete Frage an dich, liebe Leserin und lieber Leser:
Was sind Bücher über das Leben für dich? Welche kannst du uns empfehlen? Über dein Kommentar unten würden ich und natürlich viele andere LeserInnen sich sehr freuen.

Kannst du bitte mal zuhören?

Im Grunde hat doch jeder Mensch etwas zu sagen. Jede und jeder hat eine eigene Geschichte. Manchmal sogar sehr viele. Ja vielleicht haben wir alle eine ganze Bibliothek an Geschichten in uns.

Einfach mehr erleben

Was brauchst du, um endlich den Schritt nach draußen zu wagen? Wetterfeste Kleidung? Motivierende Zitate oder jemanden, der dich an die Hand nimmt und sagt: “Los geht’s!”? Nun, ich kann dir alles auf einmal bieten.

Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen

Niemand ist immer nur zufrieden mit seinem Leben. Klar wollen wir bewusster leben. Und unsere Zeit nicht verschwenden.

Lies dich sexpositiv: 3 Bücher

Sprichst du offen über Sex? Menschen sind sehr sexuelle Wesen und trotzdem ist unser Verhältnis zu unserem Körper und unserer Lust nicht immer ganz unbefangen.

Bücher, die das Alleinsein feiern und deine Unabhängigkeit inspirieren

Entdecke Bücher, die das Alleinsein feiern und deine Unabhängigkeit inspirieren. Von Selbstreflexion bis kreative Freiheit.

So wichtig sind Geschwister

Die Beziehung, die wir zu unseren Geschwistern pflegen ist in der Regel die längste Beziehung unseres Lebens. Damit kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Wie können wir ihnen gerecht werden?

Lebendig: Ich möchte wieder etwas fühlen

Wann hast du dich das letzte Mal so richtig lebendig gefühlt? Wann hast du das letzte Mal tief aus dem Bauch heraus gelacht oder so richtig schmerzvoll geweint? Fällt es dir leicht oder schwer, die eigenen Gefühle zu identifizieren und auch zuzulassen?

Du bist mir nicht gleichgültig!

Zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln sich oft nicht synchron und das auszuhalten, müssen wir lernen.

Wir können doch über alles reden!

Wie reagierst du, wenn sich jemand dir gegenüber im Ton vergreift und ausfallend wird? Äußerst du dein Missfallen oder lässt du vieles durchgehen?

Einfach mal gut sein lassen

Wir können nicht immer alles richtig machen. Und zu einem schlechten Menschen macht uns das schon gar nicht. Aber leicht ist es eben auch nicht immer, bewusst nicht das Richtige zu tun.

Neue Wege und neue Bücher

Neue Wege und neue Bücher

 
Es gibt nur eine Sache, die ich noch lieber mag, als ein Buch geschenkt zu bekommen: selbst Bücher weitergeben. Wenn wir Bücher verschenken, ist das keineswegs nur eine gebündelte Masse beschrifteten Papiers. Jedes Buch enthält eine ganze Welt an Ideen, Beobachtungen und quasi allem, was uns auch in der Realität begegnen könnte, nur eben noch viel viel mehr.

Die französische Schriftstellerin Christine Féret-Fleury hat aus dieser Erkenntnis heraus einen Roman verfasst, der über Bücherliebe und Leidenschaft für gute Literatur hinausgeht: er bietet die Erkenntnis, dass Bücher und Menschen unabdingbar zusammengehören. “Das Mädchen, das in der Metro las” ist deshalb auch nur auf den ersten Blick die romantisierte Erzählung über eine junge Frau und ihrer leidenschaftlichen Entdeckung der Literatur. Es ist eine Geschichte über das Leben mit tiefen und wahren Emotionen, kleinen Freuden, Verlusten und der Erkenntnis, dass Bücher die Kraft haben, unser Leben zu verändern.

Wann ist ein Buch ein Buch

In zahlreichen Rezensionen, Instagram-Beiträgen und Facebook-Kommentaren las ich, dass es sich bei “Das Mädchen, das in der Metro las”, um eine “Liebesgeschichte an das Buch” handelte. Ich glaube, dass damit aber nur die Hälfte gesagt ist, denn viele Menschen machen sich schon gar keine Gedanken mehr über die Bedeutung und den Wert von Büchern. Ich wage sogar so weit zu gehen und behaupte, dass der Begriff “Buch” für einige Menschen leer ist. Vielleicht nicht für dich und mich, aber für andere, die anders aufgewachsen sind, denen seltener vorgelesen wurde oder denen die fantasievollen Welten unserer innigen Lesestunden verwehrt blieben. Und ich werde sogar noch provokanter und behaupte, dass selbst wir, die wir gute Bücher zu schätzen wissen, oft genug den wahren Wert der Literatur aus den Augen verlieren.

Der wahre Wert der Literatur

Frau liestDas klingt natürlich etwas pathetisch und den “wahren Wert” der Literatur muss wahrscheinlich jede Leserin und jeder Leser für sich selbst definieren. Für meine Recherche über “Das Mädchen, das in der Metro las” habe ich mich auch mal in französischsprachige Foren begeben und wurde ganz selig ob der wundervollen Liebeshymnen auf die Literatur im Allgemeinen und diesen Roman im Speziellen. Juliette, unsere Protagonistin, ist eigentlich keine Heldin. Ihr haftet etwas passives, unsicheres an und dennoch trifft sie immer wieder überraschende Entscheidungen. Sie nimmt unvorhergesehene Wege, lässt sich auf Abenteuer ein und widersetzt sich hier und da den Konventionen und Erwartungen ihrer Umgebung.

Neue Wege und neue Bücher

Auf ihren Wegen trifft Juliette den kauzigen Soliman und seine Tochter Zaïde. Sie beide leben in einer großen Bücherhalle. Soliman hat es sich quasi zur Lebensaufgabe gemacht, Bücher unter die Menschen zu bringen. Juliette wird ihm dabei helfen.
Bald wird auch sehr deutlich, dass das “Mädchen, das in der Metro las” nicht eben nur Bücher liest, sondern vor allem Menschen.

Und hier kommen wir zu einem entscheidenden Punkt des Buches: es geht nicht allein um fiktive Geschichten und deren Unterhaltungswert. Die Botschaft lautet, dass Literatur von Menschen für Menschen gemacht ist. Diesen Gedanken sollten wir nochmal kurz auf uns wirken lassen.

Bücher haben immer mit Menschen zu tun und indem wir ein Buch lesen, lernen wir vieles über andere Menschen, über uns selbst und über das Leben. Wir erleben die Welt in einem Buch. Es gibt so einen Spruch, der besagt, dass Menschen, die niemals reisen, immer nur eine Seite von einem dicken Buch lesen. Aber dieser Sinnspruch lässt sich aus meiner Sicht auch umdrehen: Menschen, die viele Seiten lesen, reisen weiter und sehen mehr, als wir das in Person mit Koffer und Flugzeug jemals schaffen können.

Scrabble-Buchstaben "travel the world"

Bookcrossing und Bibliotherapie

“Der nächste Kurier […]. Er muss einen Leser für die Bücher aussuchen. Oder eine Leserin. […] Man teilt jemandem ein Buch nicht einfach so aus Trotz oder einer Laune heraus zu oder weil man jemanden provozieren oder beunruhigen will, es sei denn, das geschieht absichtslos. Meine Kuriere besitzen großes Einfühlungsvermögen: Sie spüren in ihrem tiefsten Innern, welche Enttäuschungen und welcher Groll sich in einem menschlichen Körper verbergen, den auf den ersten Blick nichts von anderen unterscheidet.”

Jetzt sitze ich hier schon mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, denn dieser Roman verbindet auf feinsinnige und elegante Weise die zwei größten bibliophilen Leidenschaften in meinem Leben: Bibliotherapie und Bookcrossing. Die Idee, Bücher immer wieder in Umlauf zu bringen, aber ganz gezielt und immer das richtige Buch für die jeweilige Person – das ist Musik in meinen Ohren.

“Man lehrt uns Misstrauen, überlegte sie, während sie gegen den schweren Torflügel drückte, der sich langsam aufschob, als habe er keine rechte Lust dazu. Immer denkt man gleich das Schlimmste. Es geht darum, anderen Menschen Bücher zu geben, damit es ihnen im Leben besser geht – wenn ich es recht begriffen habe …”

Die Autorin Christine Féret-Fleury ist Französin. Während Bookcrossing hierzulande verbreiteter ist als in Frankreich, ist die Bibliotherapie im französischen Selbstverständnis besser verankert als im deutschsprachigen Raum.

Bücher und Menschen müssen reisen

Mann sitzt am Fenster und liestFür Juliette, die oft lesend in der Metro saß und dabei andere lesende Menschen beobachtete, sind weder Bookcrossing noch Bibliotherapie selbstverständlich. Zumindest nicht zu Beginn ihrer bibliophilen Reise. Doch immer mehr verstrickt sich Juliette in die Geschichten und Bücher und muss sich zuletzt sogar noch den Rat geben lassen, dass ein Leben nur in Büchern ebenso ungesund sei, wie ein Leben komplett ohne Bücher:

“Gehen Sie raus an die frische Luft, Juliette, lassen Sie sich den Wind um die Nase wehen. Lauschen Sie ihm. Sie haben viel zu lange ihre Nase nur in Bücher gesteckt. […] Bücher und Menschen müssen reisen.”

Ich danke der Autorin Christine Féret-Fleury für diese feinsinnige und lebensphilosophische Lektüre, die meiner Leidenschaft für Menschen und Literatur bis ins Kleinste entspricht. Ich danke ihr für eine Geschichte voller Freundschaft, Verlust, Liebe, Selbstfindung und Träume.
“Das Mädchen, das in der Metro las” ist ein Buch über das Leben.

Schau dir das Buch bei Amazon an!

Sinn im Leben

Wann hören wir auf einen Sinn im Leben zu suchen? Hören wir dann nicht auf zu leben? Mein Lieblingsspruch: Dein Leben beginnt am Ende deiner Komfortzone.

Einfach mal gut sein lassen

Wir können nicht immer alles richtig machen. Und zu einem schlechten Menschen macht uns das schon gar nicht. Aber leicht ist es eben auch nicht immer, bewusst nicht das Richtige zu tun.

Flucht verstehen: Können wir das?

Um Krieg und Flucht zu verstehen, müssen wir zuhören. Dieses Buch gibt uns die Möglichkeit dazu.

Bücher über Klassismus: Literatur gegen Ausgrenzung und Ungerechtigkeit

Klassismus wird immer noch viel zu wenig thematisiert. Dabei begegnet er uns überall: in Schule, Studium, Arbeit, Freundeskreis und Familie. Er macht krank und sorgt für Angst, Unsicherheit, Scham. Vor allem beeinflusst er, wie wir uns selbst sehen...

Wirst du einen Neuanfang wagen?

Kennst du diese Tage der Eintönigkeit, an denen wir gar nicht richtig sagen könnten, ob sich dieses Leben aktuell so wirklich lohnt? Ich habe ehrlich gesagt keine Lust auf schwelende Konflikte, andauernde Selbstzweifel und immer wieder dieses Gefühl, nicht genug zu sein und nicht genug zu leisten.

Verletzlich und doch stark sein

Du kannst verletzlich und trotzdem stark sein. Wusstest du das? Aber wenn du stark sein musst, dann sei es doch bitte für dich!

Es gibt Träume, die lebst du bereits!

Wieviele Träume passen eigentlich in all die Strukturen, Routinen und alltäglichen Aufgaben, denen du dich jeden Tag aussetzt? Vielleicht mehr als du denkst. Und vielleicht musst du einfach mal wieder genauer hinsehen!

Anatomie der Frau: Deshalb wissen wir so schlecht Bescheid.

Mal ganz nüchtern betrachtet: Wir wissen oft besser über die Geschlechtsorgane des Mannes Bescheid, als über die der Frau. Menstruation wird weiterhin tabuisiert und patriarchaliche Machtverhältnisse bestimmen unser Leben. Wir können das ändern. Zunächst müssen wir aber verstehen, was da vor sich geht.

Wenn die Schuld kaum zu ertragen ist

Von Drogen, Schuld und dem Leben im Knast handelt Dawkins Erstlingswerk “Alle meine Freunde haben wen umgebracht”. Die autobiographischen Züge sind offensichtlich. Die Authentizität, die damit einhergeht, erdrückt.

Du musst das nicht ertragen

Früher oder später kommt jeder Mensch in eine Situation, die sich nicht gut anfühlt. Manchmal fühlen wir uns dieser Situation einfach irgendwie ausgeliefert.

Du darfst vor allem nicht resignieren!

Du darfst vor allem nicht resignieren!

Du darfst vor allem nicht resignieren!

Was würdest du tun, wenn ich dir genug Geld gäbe, um vielleicht zwei Jahre gut über die Runden zu kommen und dazu noch ein Ticket in eine Metropole deiner Wahl? Von dort aus dürftest du frei über dein Leben entscheiden, vielleicht (nochmal) ein Studium oder eine Ausbildung beginnen, eine Wohnung mieten und neue Kontakte knüpfen.

Welche Bilder entstehen jetzt vor deinem inneren Auge? Fühlt sich das für dich nach Freiheit an? Oder hat es vielleicht eher etwas Bedrohliches? Für Ruth, die Protagonistin in Anita Brookners Roman “Ein Start ins Leben” bedeutet der Umzug von London nach Paris vor allem Freiheit, Neustart und Selbstverwirklichung. Aber nicht nur das; Ruth flieht auch vor der drohenden Resignation, die sich in ihrem Leben ausbreitet.

Fahrrad lehnt vor Treppe

“Ein Start ins Leben”

Der englische Schiftsteller Julian Barnes schrieb in seinem eindrucksvollen, intimen Vorwort zu “Ein Start ins Leben” über Anita Brookner: “Eine Autorin, die man nur allzu leicht mit ihren Protagonistinnen verwechselte”. Anita Brookner war wohl nicht nur Kollegin für ihn, sondern auch gute Freundin und ein bisschen bewunderte er sie und ihren starken Charakter. Ich muss zugeben, dass es mir leicht fällt, nach der Lektüre klare Parallelen zwischen Autorin und Protagonistin auszumachen. “Ein Start ins Leben”, ihren Debütroman, verfasste die einflussreiche Kunsthistorikerin bereits in den 80er Jahren.

2018 wird er nun im Eisele-Verlag neu aufgelegt. Bereits nach dem Vorwort bin ich mir sicher, dass hier eine sehr besondere Frau schreibt und der Roman ein Gewinn für mich sein wird. Ich wurde nicht enttäuscht.

Toxische Beziehungen und die Sehnsucht nach dem Leben

Blüte kurz vorm ÖffnenDer Rahmen, in dem Ruth als Kind aufwächst, lässt sich als toxisch beschreiben. Von ihrer Mutter nicht gewünscht – da schädlich für deren Schauspielkarriere – wird das schüchterne Mädchen vor allem von ihrer Großmutter erzogen, die schweigsam und nachdenklich ist. Ihre Eltern sind sehr mit sich und ihrem Ego beschäftigt. Ehrliche Zuneigung, Anerkennung und Aufmerksamkeit – wie es jedes Kind braucht – bleiben somit auf der Strecke. Ruth bekommt schnell den Eindruck, dass sie nicht wichtig ist. Zumindest nicht für die Menschen, die sie umgeben und die für sie wichtig sind.

Wer jetzt glaubt, dass sich daraus ein harter Charakter voller Gefühlskälte und Verschlossenheit entwickelt, irrt. Ruth liest Bücher und erhält besonders durch die vielen Geschichten, die sie in sich aufnimmt, die Hoffnung auf ein schöneres, aufregenderes Leben. Sie bleibt aufgeschlossen, mutig und leider auch ein gutes Stück naiv. Denn statt selbstbewusst ihren Weg zu gehen, sind es immer wieder egoistische und selbstbezogene Menschen, auf die sich Ruth einlässt. Auch die schädlichen Bande zu ihren Eltern löst Ruth leider nicht auf. Selbst nach ihrem Umzug nach Paris bleibt das Gefühl der Verantwortung und Pflicht stärker als der Drang nach Freiheit. Die strengen, anerzogenen Routinen beherrschen sie und ihr Denken.

“Sie war eine Gefangene in ihrer Zelle, und zusätzlich zu ihren äußerlichen Zwängen hatte sie sich in einen festen Tagesablauf eingesperrt, der jegliche Freiheit und Impulsivität so nachhaltig unterdrückte, als wäre er ihr von einem Polizeistaat auferlegt worden. Jeden Morgen fuhr sie mit demselben Bus in die Bibliothèque Nationale. Jeden Mittag aß sie ein Sandwich in demselben Café. Jeden Abend tauchte sie zu ihrem Bad auf und kehrte dann frierend in ihr Zimmer zurück, wo sie die Probleme wachsender Einsamkeit erwarteten, wie ihr allmählich klar wurde.”

Es braucht eine Zeit, bis Ruth in ihren eigenen Routinen ertrinkt. In gewisser Weise hatte sie vielleicht auch schon resigniert und sich der Langeweile und der Gleichgültigkeit ihres Daseins ergeben. Sie kann das zwar reflektieren, aber nur sehr allmählich Konsequenzen für sich ziehen.

“Wenn der moralische Code korrekt war, den die Literatur sie gelehrt hatte und die sie jetzt neu zu interpretieren begann, hätte sie ja großen Erfolg haben müssen in ihrem schweren unvorteilhaften Mantel, in ihrer fleißigen Einsamkeit, mit ihren Notizen und ihrer täglichen Busfahrt und den gesunden einsamen Spaziergängen.”

Mit der Zeit werden ihre Zweifel an diesem moralischem Code größer und der Drang nach Leben keimt in ihr auf: “Ruth, die das alles größtenteils instinktiv wusste, begann die Welt aus der Perspektive des Balzac’schen Opportunismus zu betrachten. Ihre Einsicht wuchs. Sie begriff, dass die meisten moralischen Erzählungen falsch lagen, dass auch Charles Dickens falsch lag, und dass man die Welt nicht durch Tugend gewinnt.”

Mit Zuversicht und Hoffnung in die Welt

Die tugendhafte Ruth ist auch dann noch tugendhaft und großherzig, wenn sie eine Affäre mit einem verheirateten Mann eingeht. Sie steht in starkem Kontrast zu ihren Mitmenschen, die immer irgendwie seltsam anmuten. Ruth wehrt sich nicht gegen die schlechte Behandlung durch ihre Freunde und ihre Familie. An mancher Stelle scheint es sie sogar kaum zu stören, denn sie hat schließlich nie zwischenmenschliche Wertschätzung erhalten. Wie soll sie diese dann auch vermissen?

Die bereits angesprochenen toxischen Beziehungsmuster wiederholen sich in ihrem Leben. Trotz aller Möglichkeiten, die sich ihr bieten und trotz der Zuversicht, die sie aus der Literatur geschöpft hat, resigniert Ruth zunehmend. Ihre Introvertiertheit und ihre Unfähigkeit die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren, werden ihr zum Verhängnis. Ich kann beim Lesen nicht anders, als immer wieder den Kopf zu schütteln und manchmal sogar die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen.

Ich fühle große Enttäuschung, aber auch Mitgefühl. Wer “Ein Start ins Leben” liest, sieht vielleicht nüchterner, wie es um viele zwischenmenschliche Beziehungen steht, aber auch klarer. Das Bedürfnis nach Selbstfürsorge und gesundem Egoismus wächst mit jeder Seite.

Ein Stückchen Rebellion

der Pariser EiffelturmManche Passagen im Buch haben mich ein bisschen wehmütig gemacht, weil ich selbst auch mit Anfang zwanzig nach Paris “geflüchtet” bin, um dort etwas von der Welt zu sehen. Es tut so gut auf diese literarische Weise in die bekannten Parks und Museen entführt zu werden, an die so viele wundervolle Erinnerungen geknüpft sind. Dabei romantisiert Brookner Paris in keiner Weise.

Wir erleben hier nicht die verklärte Idylle einer “Stadt der Liebe”, die sicher zahlreiche andere Romane schmückt. Trotzdem hat die Stadt einen positiven Einfluss auf Ruth. Paris besitzt diese elegante Strenge, die Ruths Selbstbewusstsein stärkt und in ihr ein Stückchen Rebellion auslöst.

“Egoismus und Gier und Arglist und Extravaganz hatten sie in dieses Bild einer selbstsicheren, attraktiven Frau verwandelt, hatten das Wunder bewirkt und sie gezwungen, erwachsen zu werden und sich auf kompetente Art mit der Welt auseinanderzusetzen. Die Leute schienen sie mehr zu mögen, seit sie so war.”

Egoismus, Gier und Arglist mögen zwar keine positiven Attribute sein, man kann sie Ruth jedoch nicht verdenken und zumindest ich hätte mir am Ende ihrer Reise ein Stückchen mehr (viel mehr!) von dem allen für sie gewünscht.

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Einfach mehr erleben

Was brauchst du, um endlich den Schritt nach draußen zu wagen? Wetterfeste Kleidung? Motivierende Zitate oder jemanden, der dich an die Hand nimmt und sagt: “Los geht’s!”? Nun, ich kann dir alles auf einmal bieten.

Hab keine Angst vor der Angst

Sehr viele Menschen kennen Panikattacken, verspüren Angstzustände oder sind unsicher, wenn sie vor einer Gruppe reden müssen. Aus Angst vor Stigmatisierung sprechen sie nicht darüber. Franziska Seyboldt schon.

Was ist Heimat für dich?

Heimat wird bei uns meist mit einem Raum verbunden, in den wir hineingeboren werden. Oder ein Ort, den wir schon lange bewohnen und der ein Wohlgefühl in uns auslöst. Manchmal widersprechen sich diese Herangehensweisen.

Lies dich sexpositiv: 3 Bücher

Sprichst du offen über Sex? Menschen sind sehr sexuelle Wesen und trotzdem ist unser Verhältnis zu unserem Körper und unserer Lust nicht immer ganz unbefangen.

Was du lesen musst, um in der Großstadt zu entspannen

Du liebst die Stadt, obwohl sie dich stresst? Dann lies hier weiter. Du wirst erfahren, wie das richtige Buch dir helfen kann, dem Stress und der Enge der Stadt zu entfliehen.

Abschied von der Angst vorm Abschied

Verbinden wir nicht Abschied mit Verlusten, Trauer, Wehmut und Resignation? Dürfen wir überhaupt etwas Positives an einem Abschied finden oder macht uns das zu oberflächlichen Menschen?

Nicht gegen den Tod, sondern für das Leben entscheiden

Manchmal ist es gut sich zu verkriechen, der Trauer Raum zu geben. Dann kommt aber auch wieder eine Zeit, in der wir Kraft schöpfen. Bist du soweit?

Reflexion und Planung: 7 Journals und Workbooks, die dich verändern werden

Ein gutes Journal ist ein Werkzeug, das du aktiv nutzt. In diesem Artikel möchte ich dir einige Journals und Workbooks vorstellen, die mich in den letzten beiden Jahren begleitet haben. Sie helfen mir, meine aktuelle Position zu verstehen, das Erlebte zu ordnen und Mut und Inspiration für die Zukunft zu finden.

Genießt du die Einsamkeit?

Manchmal entscheiden wir uns für Einsamkeit, um Klarheit zu gewinnen, zu uns selbst zu finden, etwas zu genießen, das nicht durch den Einfluss unserer Mitmenschen verfälscht wird.

Verletzlich und doch stark sein

Du kannst verletzlich und trotzdem stark sein. Wusstest du das? Aber wenn du stark sein musst, dann sei es doch bitte für dich!

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